Kreis Pinneberg

Ein Geschäft für Lokales und Handgemachtes

Anna Graf steht vor ihrem „Ich-kauf-lokal“-Geschäft an der Quickborner Bahnhofstraße.

Anna Graf steht vor ihrem „Ich-kauf-lokal“-Geschäft an der Quickborner Bahnhofstraße.

Foto: Burkhard Fuchs

Zeit für etwas Schönes – Anna Graf verkauft in der Quickborner Bahnhofstraße Erzeugnisse 30 örtlicher Kunsthandwerker.

Quickborn.  Ein geschäftlicher Lichtblick in schwieriger Zeit fängt an zu leuchten in der Quickborner Innenstadt. Dort hat die Quickbornerin Anna Graf jetzt innerhalb von drei Wochen einen „Ich-kauf-lokal“-Shop in der Bahnhofstraße 8 auf die Beine gestellt. In dem lange leer stehenden Gebäude, zuletzt Sitz einer Yoga-Schule, verkaufen jetzt 30 Händler und Kleinproduzenten aus Quickborn und Umgebung ihre Waren und selbst gemachten Produkte.

Allen gemeinsam ist, dass sie für zum Beispiel Strickwaren, Bienenwachstücher, Schmuck, Stoffhüllen, Accessoires, Kosmetika, Bilder, Vintage-Möbel, Handtaschen, Gürtel, Kerzen, Adventsgestecke, Naturseifen, Teeprodukte, Geschenkartikel und allerlei Schnickschnack, den sie zu Hause anfertigten, keine eigenen Verkaufsflächen haben. Sie mieten in dem „Shop-in-Shop“-Laden von Anna Graf ein paar Regalmeter, um ihre Produkte an den Mann und die Frau zu bringen.

Kunsthandwerker verkaufen sonst auf Weihnachtsmärkten

So wie Mareike Werner aus Quickborn. Werner, die ihr Geschäft das „Nahtmonster“ nennt, strickt und näht modische Tücher, Schals und Beutel, für die sie keinen eigenen Marktplatz hat. Vor einem Jahr habe sie sich mit diesem Hobby selbstständig gemacht und kann jetzt auf drei Metern ihre Waren präsentieren. „Das ist eine wirklich gute Geschäftsidee“, meint Mareike Werner. Sie spare sich so eine teure Ladenmiete, vermindere ihr Geschäftsrisiko und könne doch mitten in der Einkaufsstraße ihre handgefertigten Produkte einem lokalen Kundenkreis anbieten.

Zudem verschaffe ihr der Laden Einnahmen, die sie in dieser Zeit sonst auf den Weihnachtsmärkten erzielt hätte, die ja nun ins Lockdown-Wasser fielen.

Für die Geschäftsgründerin Anna Graf ist dies das Erfolgsrezept kleiner Innenstädte gegen den zunehmenden Leerstand von Ladengeschäften und die Verödung des dortigen Warenangebots. Auch ihr „Ich-kauf-lokal“-Laden stand ein halbes Jahr lang leer, bevor sie Anfang November den Mietvertrag für zunächst ein Jahr unterschrieben habe. In wenigen Tagen habe sie mit örtlichen Handwerksfirmen und Lichtgestaltern die zwei Geschäftsräume neu eingerichtet, beschriftet und beleuchtet. Sogar das Kassensystem, in dem nur elektronisch bezahlt wird, sei hochmodern und sende nach jedem Geschäftstag die Umsätze direkt an das Finanzamt. „Alles ist komplett digital und transparent und nach den neuesten Regeln aufgestellt.“

Alle Produkte handgefertigt, nichts am Fließband produziert

Die Waren sind nach den verschiedenen Kollektionen sortiert. Besonderen Wert legt Geschäftsinhaberin Graf auf Nachhaltiges und Persönliches. So kenne sie jeden ihrer 30 Anbieter und deren Waren persönlich. „Das ist mir sehr wichtig, weil das Sortiment zueinander passen muss“, ist Anna Graf von ihrer Strategie überzeugt. So könne sie den Kunden erzählen, wer hinter den Sachen steht, wie sie angefertigt werden, welche Geschäftsidee damit verfolgt wird. „Es sind ja immer Unikate, Einzelstücke, die hier verkauft werden“, betont Anna Graf. Nichts, was am Fließband produziert werde.

So seien auf Wunsch der Kunden immer auch zusätzliche Dienstleistungen möglich, beschreibt sie den Angebotsvorteil ihres „Shop-in-Shop“-Konzeptes. Beispielsweise könnten die Waren nachträglich mit kleinen Gravuren oder Namensgebungen versehen oder andere Formen und Farben nachbestellt werden. Alles werde so individuell wie möglich gestaltet.

Bestellen und liefern lassen ist teurer, als im Laden zu kaufen

Zudem lege sie Wert auf Nachhaltigkeit. Wenn Anfang Dezember auch der Online-Shop für das kleine Quickborner Start-up beginnt, könnten die Kunden die bestellten Waren entweder abholen oder sie sich mit einem Aufpreis nach Hause bringen lassen. „Das ist eine Wertschätzung für die Umwelt.“ Für die Warenanbieter dagegen sei der Online-Handel in der Regalmiete enthalten, ebenso wie die Etikettierung der Waren.

Die Initialzündung für dieses neue Geschäftsmodell erhielt Anna Graf von dem „Ich-kauf-lokal“-Tag, den sie Mitte September mit 70 Geschäftsleuten in der Quickborner Innenstadt und den Einkaufszentren veranstaltete. Die positive Resonanz mit mehreren Hundert Kunden, die sie darin bestärkten, so ein Projekt weiter zu betreiben, machten ihr Mut, sich schließlich mit dieser komplett lokalen Verkaufs-Philosophie selbstständig zu machen.

Graf sieht Rückbesinnung auf Handgefertigtes

Einige Tausend Euro habe sie investiert, und sie trage das Risiko der Ladenmiete. Anna Graf weiß auch, dass sie damit scheitern könnte. Aber sie glaubt es nicht. Im Gegenteil. Die vielen positiven Stimmen ihrer Händler und die der noch wenigen Kunden – wegen der Corona-Bestimmungen dürften sich nur sechs gleichzeitig im Laden aufhalten – ließen sie zuversichtlich und gelassen in die Zukunft schauen.

Sie habe schon Anfragen aus anderen Kommunen im Kreis Pinneberg bekommen, zum Beispiel aus Elmshorn. Auch dort könnte es helfen, Leerstand durch heimische, handgefertigte Produkten zu ersetzen. „Es gibt diese Rückbesinnung auf Handgefertigtes“, ist Anna Graf von ihrem Tun fest überzeugt. „Ich möchte den Menschen in dieser schwierigen Zeit ein wohliges Gefühl vermitteln und ihnen so ein wenig Vorfreude auf Weihnachten machen.“