Kreis Pinneberg

Woschei oder Karabacak? Uetersen hat die Wahl

Treten in Uetersen gegeneinander an: Baris Karabacak (33, CDU, l.) und Dirk Woschei (42, SPD).

Treten in Uetersen gegeneinander an: Baris Karabacak (33, CDU, l.) und Dirk Woschei (42, SPD).

Foto: Burkhard Fuchs

Beide Männer sind von Sternzeichen Jungfrau, beide wollen Bürgermeister werden. Was sie unterscheidet, was sie eint.

Uetersen.  Dirk Woschei oder Barsi Karabacak – bei der Stichwahl am Sonntag können die Uetersener einen von beiden zum Bürgermeister machen. Das Abendblatt hat dem SPD-Kandidaten Woschei und dem CDU-Kandidaten Karabacak die gleichen Fragen gestellt.

Dirk Woschei ist der von der SPD aufgestellte Kandidat, wird von Grünen und BfB unterstützt. Im ersten Wahlgang erreichte er 29,7 Prozent.

Wer gewinnt die Stichwahl in Uetersen?

Dirk Woschei Die Bürgermeisterwahl gewinnt derjenige, der mehr als 50 Prozent der an diesem Tag abgegebenen Wählerstimmen auf sich vereinigt. Dabei zählt jede Stimme. Ich hoffe, dass ich das sein werde.

Warum?

Ich stehe für einen offenen und bürgernahen Politikstil, ich stehe für Verlässlichkeit in der Verwaltungsführung und ich stehe für inhaltliche Schwerpunkte, die unsere Stadt zukunftsfähig machen.

Worauf kommt es jetzt für Sie an?

Zurzeit beansprucht die Stichwahlkampagne meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit. So sind die Tage prall gefüllt mit Zeitungsinterviews, Informationsständen, Besuchen bei Vereinen und Verbänden, Antworten und Stellungnahmen auf Bürgermeinungen und Anfragen, Pflege der Homepage, Produktion von Videofilmen und und und …

Woher nehmen Sie die Kraft, sich auf einen so langen Wahlkampf zu konzentrieren?

Meine Wahlkampagne ist anstrengend aber auch sehr befriedigend. Dazu braucht es eiserne Disziplin, ein gut abgestimmtes Zeitmanagement, die Bestimmung angemessener Prioritäten wie auch die Gelassenheit, nicht alles allzu wichtig zu nehmen. Ich habe einen guten Schlaf und kann so jeden Morgen frisch ans Werk gehen. Große Befriedigung und Ansporn erfahre ich durch die Bürgergespräche, in denen ich viel Neues über das Leben in unserer Stadt erfahre. Und unglaublich befriedigend sind die vielen positiven, warmherzigen, fürsorglichen und wertschätzenden Gespräche, in denen ich erfahre, wie differenziert und doch positiv das kommunale Geschehen wahrgenommen wird. Diese guten Erfahrungen nehme ich mit in das Bürgermeisteramt.

Sind Sie abergläubisch?

Nein

Welches Sternzeichen sind Sie?

Jungfrau

Glauben Sie an die Macht der Sterne?

Nein

Haben Sie ein Hobby?

Lesen, Kochen, Reisen, Kino

Ihr bester Wahlspruch?

Ich bin Dirk Woschei - Ich möchte Ihr Bürgermeister werden!

Was halten Sie von Ihrem Gegenkandidaten?

Demokratie lebt von der Auswahl zwischen Programmen und Personen. Insofern respektiere ich jeden Mitbewerber um das Amt des Bürgermeisters. Aus grundsätzlichen Erwägungen unterlasse ich jedoch eine konkrete Bewertung der Persönlichkeit meines Mitbewerbers.

Gibt es einen Vorschlag von ihm, den Sie auch unterstützen würden?

Die Bandbreite der kommunalen Herausforderungen in Uetersen ist so überschaubar wie die sich anbietenden Lösungen. Daher gibt es eine ganze Reihe von Vorstellungen, bei denen sich zwangsläufig die Lösungen gleichen, wie gute Bildung und Betreuung, Belebung der Innenstadt, zukunftsträchtige Verkehrskonzepte. Insoweit gibt es auch immer eine Übereinstimmung.

Welches ist der schönste Ort im Kreis Pinneberg?

Das Rosarium.

Was macht ihn so attraktiv?

Diese gepflegte und vielfältige Parkanlage mitten in der Stadt bietet allen Bürgern in einem einmalig schönen Ambiente die Gelegenheit zum Verweilen, zur abgeschiedenen Entspannung oder zur fröhlichen Geselligkeit. Das Rosarium ist ein Grund für die hohe Lebensqualität in unserer Stadt.

Wo waren Sie dieses Jahr im Urlaub?

In Uetersen, um die Bürgermeisterwahl vorzubereiten und zu gewinnen.

Wahlkampf mitten im Corona-Lockdown: Wie meistern Sie diese Herausforderung?

Die Corona-Pandemie fordert von uns allen – insbesondere bei den persönlichen Begegnungen mit Bürgern – Verantwortung, Rücksichtnahme und Solidarität. Daher habe ich in den letzten Wochen auf das persönliche Gespräch an der Haustür verzichtet und dort nur ein kleines Informationskärtchen hinterlassen. Die sehr erfolgreichen Gespräche unter freiem Himmel an meinen Infoständen habe ich unter Wahrung der AHA-Regeln weiterhin angeboten. Sodann habe ich sowohl in den sozialen Netzwerken als auch auf meiner Homepage weitere Videofilme zu kommunalen Fragen platziert. In der Rubrik „Standpunkte“ auf meiner Homepage können die Bürgerinnen und Bürger weitere Ideen und Projekte für meine zukünftige Arbeit als Bürgermeister nachlesen. Außerdem steht das Telefon kaum still.

Was machen Sie, wenn Sie die Wahl verlieren?

Ich setze meine berufliche Tätigkeit wie bisher fort.

Werden Sie dann wieder für die Ratsversammlung kandidieren?

Diese Entscheidung ist der Kandidatenaufstellung meiner Partei für die nächste Kommunalwahlperiode vorbehalten.

Gibt es ein Erfolgsrezept, um Bürgermeister zu werden?

Das kann ich erst am Stichwahlabend nach erfolgreicher Wahl beantworten.

Welchem Bürgermeister würden Sie nacheifern und warum?

Henning Scherf, weil er stets einen guten Kontakt zu seinen Bürgern gepflegt hat.

Was können Sie den Uetersenern versprechen, wenn Sie gewählt werden?

Ich werde einen offenen Politikstil pflegen, wobei die Information der Bürger und ihre Beteiligung an allen Schlüsselprojekten im Vordergrund meines Handelns stehen. Ich werde alle Bürgerinnen und Bürger, gleich welcher Couleur, wertschätzen. Für mich gibt es keine roten oder schwarzen, keine grünen oder gelben Projekte in der Kommunalpolitik sondern nur Ziele, die unsere Stadt voranbringen und die wir gemeinsam erreichen wollen. Ich setze auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Kräften im kommunalen Ehrenamt. Auch hier gelten für mich Parteineutralität und Respekt vor der Meinung der anderen.

Zur Person: Dirk Woschei (42) ist seit 1996 Mitglied der SPD, lebt seit 2010 in Uetersen, ist verheiratet, hat keine Kinder und ist Abteilungsleiter bei einer Wochenzeitung in Hamburg. Sein Ratsmandat hat er wegen seiner Kandidatur niedergelegt.

Baris Karabacak ist der von der CDU aufgestellte Kandidat. Im ersten Wahlgang vor vier Wochen erreichte der 33-Jährige 27,1 Prozent.

Wer gewinnt die Stichwahl?

Baris Karabacak Wir genießen hier den Vorteil, in einer Demokratie zu leben. Natürlich hoffe ich, dass die Bürgerinnen und Bürger mir ihr Vertrauen schenken und mich zu ihrem neuen Bürgermeister wählen. Aber am Ende entscheiden es natürlich die Bürgerinnen und Bürger, wer der neue Bürgermeister wird.

Warum?

Durch meine langjährige Tätigkeit als Ratsherr, meine Arbeit im Landesvorstand und die Vertretung unseres Bundeslandes in Berlin, bin ich mit verwaltungstechnischen Abläufen vertraut und habe weitreichende Beziehungen, die helfen werden, Uetersen nach außen hin zu vertreten. Als Wirtschaftsfachwirt und Geschäftsführer eines Unternehmens bringe ich zusätzlich Führungsstärke, die nötige Organisationserfahrung und Belastbarkeit mit.

Worauf kommt es jetzt für Sie an?

Eine Stadt lebt von seinen Bürgerinnen und Bürgern. Daher versuche ich, so viele Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, ihr Wahlrecht zu nutzen und am Sonntag wählen zu gehen.

Woher nehmen Sie die Kraft, sich auf einen so langen Wahlkampf zu konzentrieren?

Meine Lebensgefährtin, Familie, Freunde, Helfer und Unterstützer motivieren mich jeden Tag aufs Neue. Sowie die tollen Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern in Uetersen.

Sind Sie abergläubisch?

Ein wenig Aberglaube ist in jedem vorhanden, aber im Ganzen bin ich doch ein Realist.

Wie äußert sich das?

Ich hatte es mir eine Zeit lang angewöhnt, immer mit dem rechten Fuß zuerst eine Türschwelle zu überschreiten, da dies angeblich Glück bringen soll.

Welches Sternzeichen sind Sie?

Ich bin Jungfrau.

Glauben Sie an die Macht der Sterne?

Sterne dienen seit jeher als Orientierungspunkt für Seeleute und Reisende, um an ihr Ziel zu kommen. Anscheinend bin ich den richtigen Sternen gefolgt und habe mein Ziel hier in Uetersen gefunden.

Haben Sie ein Hobby?

In meiner Freizeit treibe ich Sport, gehe gern schwimmen und fahre Fahrrad.

Ihr bester Wahlspruch?

Ich bin gekommen, um zu bleiben! Es ist aber mehr als nur ein Spruch, es ist ein Versprechen.

Was halten Sie von Ihrem Gegenkandidaten?

Herr Dirk Woschei ist ebenso wie die anderen, ausgeschiedenen Kandidaten eine Person, die auch ihre gewissen Vorteile und Vorzüge für die Stadt Uetersen mit sich bringt. Der Wahlkampf gestaltet sich auf einer sehr ehrlichen und fairen Ebene.

Gibt es einen Vorschlag von ihm, den Sie auch unterstützen würden?

Ich finde es sehr gut, dass Herr Woschei auch der Meinung ist, dass sich Uetersen nur gut für die Zukunft rüsten kann, wenn man ein gesamtheitliches Mobilitätskonzept aufstellt. Damit alle Verkehrsteilnehmer den gebührenden Platz erhalten und man den Verkehr auch nachhaltig beeinflussen kann.

Welches ist der schönste Ort im Kreis Pinneberg?

Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich zwischen der Altstadt und Langes Tannen in Uetersen wählen. Beide Orte strahlen eine Einzigartigkeit und Ruhe aus, die einen aus dem schnelllebigen Alltag entfliehen lassen. Quasi ein ganz persönlicher Kurzurlaub.

Was macht die Orte so attraktiv?

Diese Orte bieten eine Vielzahl von tollen Eigenschaften, grüne Natur, stilles und fließendes Wasser, Geschichte und Kultur. Diese Orte sind auch einer der Vorteile, die ich an Uetersen so schätze.

Wo waren Sie dieses Jahr im Urlaub?

Durch die derzeitige Situation habe ich auf meinen Urlaub in diesem Jahr verzichtet.

Wahlkampf mitten im Corona-Lockdown: Wie meistern Sie diese Herausforderung?

Auch in diesen schwierigen Zeiten versuche ich, für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein. Dabei stehen Sicherheit und Gesundheit an vorderster Stelle für mich. Um mich und auch die Bürgerinnen und Bürger zu schützen, setze ich dabei auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, genügend Abstand und habe immer ein Desinfektionsmittel zur Hand.

Was machen Sie, wenn Sie die Wahl verlieren?

Ich bin gekommen, um zu bleiben, und das wird dann auch das Ziel werden. Uetersen ist meine Heimat geworden und ich werde meine politische Arbeit hier vor Ort fortsetzen. Ich habe sogar schon eine Wohnung in der Uetersener Altstadt ins Auge gefasst.

Gibt es ein Erfolgsrezept, um Bürgermeister zu werden?

Ob es ein Erfolgsrezept gibt, weiß ich nicht. Ich persönlich verstelle mich nicht, möchte mit meinen Erfahrungen überzeugen und die Bürgerinnen und Bürger bei jedem Schritt mitnehmen. Denn Bürgernähe ist eine der wichtigsten Eigenschaften für einen Bürgermeister.

Welchem Bürgermeister würden Sie nacheifern und warum?

Ich möchte keinem Bürgermeister nacheifern. Jede Stadt hat ihre eigenen Bedürfnisse, und so möchte ich gern, sollte ich gewählt werden, der richtige Bürgermeister für Uetersen sein.

Was können Sie den Uetersenern versprechen, wenn Sie gewählt werden?

Was ich versprechen kann, ist, dass ich ein bürgernaher und greifbarer Bürgermeister sein werde, der sich gegenüber der Ratsversammlung sowie den Fachausschüssen für die Belange und Bedürfnisse der Bürger einsetzen wird. Zukunftsorientiertes sowie nachhaltiges Handeln, Transparenz und Gemeinsamkeit sollen meine spätere Arbeit leiten.

Zur Person: Baris Karabacak (33) ist Mitglied der CDU und lebt in Pinneberg, wo er seit 2016 dem Rat angehört. Er ist ledig und hat keine Kinder. Der Wirtschaftsfachwirt leitet ein Personalberatungsunternehmen mit 43 Mitarbeitern.