Kreis Pinneberg

Diakonie plant einen Foodtruck für Arme

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Anne Dewitz
Mittagsausgabe an der Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie in Pinneberg, Bahnhofstraße, Tanja Kuhlmann (v.l.), Katrin Senzel und Einrichtungsleiterin Susanne Wilk.

Mittagsausgabe an der Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie in Pinneberg, Bahnhofstraße, Tanja Kuhlmann (v.l.), Katrin Senzel und Einrichtungsleiterin Susanne Wilk.

Foto: Anne Dewitz

Diakonie will eine mobile Suppenküche für den Kreis Pinneberg schaffen. Spender gesucht, die bei der Umsetzung helfen.

Pinneberg.  Eine Frau mittleren Alters wartet an der Essensausgabe hinter dem Katharina-von-Bora-Haus in Pinneberg. Tanja Kuhlmann und Katrin Senzel reichen ihr durch die Tür ein warmes Mittagessen: Pellkartoffeln mit Quark. Die Klientel der Tagesaufenthaltsstätte (TAS) Pinneberg ist gemischt. Schulmädchen, junge Familien, Frührentner, Berufstätige, die aufstocken müssen, und Senioren mit kleiner Rente kommen, um für einen Euro eine Mahlzeit zu erwerben. Armut hat viele Gesichter.

15 bis 20 Mahlzeiten verteilen die Mitarbeiter zurzeit täglich an Bedürftige. „Zum Monatsende sind es tendenziell mehr“, sagt Einrichtungsleiterin Susanne Wilk, die nun ein mobiles Projekt für die Essensausgabe plant. Denn wie viele Menschen kommen, hänge noch von der Speisekarte vor Ort ab. Bauernfrühstück ist beliebter als Eintopf. Generell ist gute Hausmannskost angesagt. Wegen des Corona-Lockdowns ist das kleine Café geschlossen. Die Gäste nehmen das Essen mit nach Hause, bald soll es zu ihnen nach Hause kommen.

Sozialer Treffpunkt und Anlaufstelle für Wohnungslose

Dabei ist die Tagesaufenthaltsstätte in der Bahnhofsstraße, das ehemalige Café Pino, mehr als eine Essensausgabe. Sie ist sozialer Treffpunkt und Anlaufstelle für Wohnungslose. Am 3. März war das Team in die Räume des Katharina-von-Bora-Hauses gezogen, das Sozialcafé Pino Café nebenan Geschichte.

Die TAS ist seit Oktober 2016 auch ein Beschäftigungsprojekt für langzeitarbeitslose Frauen und Männer. Sieben Ein-Euro-Jobber sind neben zwei Festangestellten in Teilzeit dort beschäftigt. „Seitdem dürfen wir Essen und Getränke nur noch an Arme ausgeben und müssen wettbewerbsneutral arbeiten“, erklärt Wilk. Zuvor war das Konzept im Pino Café anders. Jeder durfte dort essen, und wer es sich leisten konnte, zahlte mehr. Als Beschäftigungsprojekt des Jobcenters bekommt das TAS nun Zuschüsse. „Wir dürfen den Gastronomen vor Ort keine Konkurrenz machen.“

Kosten der fahrenden Essensausgabe: 65.000 Euro

„Wir waren gerade drei Wochen in den neuen Räumen. Dann kam der erste Lockdown“, sagt Wilk. Seit 2014 arbeitet sie für das Diakonische Werk Hamburg-West/Südholstein. „Im ersten Moment waren wir wie in einer Schockstarre und haben uns gefragt, was aus unseren Leuten werden soll.“ Menschen, die auf die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Diakonie angewiesen sind, sind durch die Corona-Pandemie noch tiefer in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Sie verfügten schon vorher über keine finanziellen, psychischen und sonstigen Reserven.

Dann kam Wilk eine Idee: Mit einem Foodtruck könnte man dem Lockdown trotzen und zu den Menschen kommen, die Hilfe brauchen. Aus der Idee wurde ein konkretes Projekt. Im Kreis Pinneberg wäre die mobile Suppenküche ein Novum. Ein Sozialarbeiter der Wohnungslosenhilfe, Peter Diekmann, soll die Fahrten begleiten und erste Kontakte aufnehmen, bei Bedarf bei Wohnungssuche oder Behördengängen unterstützen.

Anschaffung würde 65.000 Euro kosten

Der langjährige Diakoniemitarbeiter hat auch schon eine Route erarbeitet. Sie führt von Uetersen über Appen und Schenefeld auch in die ländlichen Räume nach Ellerbek und Bilsen. Die Gäste des TAS kommen längst nicht nur aus Pinneberg. „Ein älterer Herr aus Uetersen kommt etwa täglich mit dem Fahrrad für eine warme Mahlzeit zu uns“, sagt Wilk.

Der Foodtruck soll das TAS-Angebot künftig ergänzen. Doch noch fehlt der Diakonie Geld für das Projekt. Die Anschaffung des Fahrzeugs würde 65.000 Euro kosten. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, sagt Wilk. Unterstützt wird das Projekt von „Hand in Hand für Norddeutschland“. Die NDR-Benefizaktion widmet sich vom 30. November bis zum 11. Dezember Menschen, die durch die Corona-Pandemie besonders in Not geraten sind. Das Fernsehteam hat einen Tag im TAS gedreht. Der Beitrag wird am 4. Dezember ausgestrahlt.

Die Diakonie freut sich über Spenden für den Foodtruck auf das Spendenkonto: Kirchenkreis HHSH, IBAN DE36 5206 0410 3106 4900 26. Bitte als Verwendungszweck „Foodtruck“ angeben.

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