Kreis Pinneberg

Fahrrad kaputt? Reparieren ist ganz einfach!

Hanspeter Raschle (66) weiß ganz genau, welche Werkzeuge und Utensilien man auf eine Radtour mitnehmen sollte. Hier stellt er den Ausbau des Vorderrades nach.

Hanspeter Raschle (66) weiß ganz genau, welche Werkzeuge und Utensilien man auf eine Radtour mitnehmen sollte. Hier stellt er den Ausbau des Vorderrades nach.

Foto: Annika Bürck

Ruckzuck erklärt ADFC-Mann Hanspeter Raschle, wie auch Anfänger ihren Drahtesel wieder auf Vordermann bringen.

Pinneberg. Hanspeter Raschle packt beherzt zu – und schon steht sein Fahrrad auf dem Kopf. Beziehungsweise auf Lenker und Sattel. Die Räder ragen nun empor, sind auf Raschles Augenhöhe, der sie kritisch betrachtet. Reifen platt? Nein, in diesem Fall zum Glück nicht. Doch selbst wenn, könnte ihn so etwas nicht aus dem Konzept bringen. Der 66-Jährige weiß sich bei einer Panne zu helfen. Und er teilt sein Wissen gern, sei es an der Volkshochschule, sei es, wie jetzt, beim Abendblatt-Termin.

„Viele trauen sich nicht zu, ihr Fahrrad zu reparieren, weil sie weder das Fachwissen noch das Werkzeug dafür haben“, sagt der Schiffsingenieur. Als er zur See gefahren sei, habe er gelernt, sich selbst zu helfen, sagt er. Mit dieser Grundeinstellung ist es vom Schiff zum Fahrrad nur noch ein kleiner Schritt. Und so ist Hanspeter Raschle zu einem geworden, der fast so viel weiß wie mancher Fahrradmechaniker.

Der Fachmann kenn die Schwachstellen am Rad

Die häufigsten Pannenursachen seien zu schwach aufgepumpte Reifen und abgesprungene Ketten, weiß Hanspeter Raschle. Doch auch schleifende Geräusche durch Bremsbeläge, Schutzbleche oder am Kettenschutz könnten Radfahrer irritieren und ablenken. Dem leidenschaftlichen Radler liegt vor allem eines sehr am Herzen: „Jetzt in der dunklen Jahreszeit ist eine funktionierende Beleuchtung ganz besonders wichtig. Im Falle eines Ausfalls sollte jeder Radfahrer wissen, wie er die Lampe wieder zum Leuchten bringt.“

Ganz einfach lasse sich die Ursache für das Erlöschen der Lampe herausfinden: Oft sei die Kabelverbindung am Stecker nicht in Ordnung. Die meisten Drähte seien nämlich aus Kupfer. Darauf setze sich nach einiger Zeit häufig sogenannte Patina ab und hindere den Fluss des Stromkreislaufes. „Säubert man diese Stecker und befreit sie von der Patina, so funktioniert die Lampe wieder“, so Raschle. Falls sie dann immer noch nicht leichte, eignet sich am besten eine systematische Fehlersuche entlang des Stromkreislaufes: Wo könnte er unterbrochen sein?

„Kleine Radreparaturen leicht gemacht“

Auch ein eigenständiger Kettenwechsel stellt keinen großen Aufwand dar: Da die in einheitlicher Größe neu gekaufte Kette oft zu lang sei, müsse man Segmente entfernen und die Länge an die Größe seines Rades anpassen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Mit einem variabel ausklappbaren Multifunktions-Fahrradwerkzeug ist dies ganz einfach mit ein paar Schlüsseldrehungen möglich: „Hier ist besonders wichtig, dass die Kette sich nicht leicht von dem Aufsatz abheben lässt. Sie muss mit großer Spannung aufliegen, um nicht schnell rauszuspringen“, sagt er.

Gut dran sei, wer ein gesundes Basiswissen habe und sich bei Fahrradpannen und -problemen selbst helfen könne, anstatt zur Werkstatt fahren oder schieben zu müssen, meint er. „Kleine Radreparaturen leicht gemacht“ lautet der Titel seines beliebten Volkshochschulkursus’. Der nächste Termin für Fortgeschrittene am Sonnabend, 7. November, fällt aufgrund der Corona-Lage aus.

Sein Anfängerkurs ist für diejenigen, die sich noch nie so richtig an das Werkzeug rangetraut haben, aber dennoch endlich lernen wollen, wie sie ihr Fahrrad selber auf Vordermann bringen.

Wie finde ich ein Loch in meinem Reifen?

Platte Reifen sind ein wichtiges Thema: „Wir wollen der Angst der Menschen vor langen Radtouren entgegenwirken. Viele verzichten nämlich darauf, da sie einen Platten befürchten“, sagt Raschle, der im ADFC aktiv ist. Damit sie sich zukünftig selbst helfen können, bringt er den Teilnehmern Schritt für Schritt bei, wie sie das Hinterrad ausbauen, den Mantel lösen, den Schlauch rausnehmen, das Loch finden und flicken. Der Mantel muss mit einem Reifenheber über die Felge gehoben werden. Dann sind Mantel und Schlauch leicht herausnehmbar. Für die Suche nach dem Loch benötigt man dann eine Schüssel mit Wasser. Schlauch eintauchen und: Wo Luft entweicht, blubbert es.

Im Fortgeschrittenenkursus instruiert Hanspeter Raschle Teilnehmer, die schon erste eigene Erfahrungen mit Fahrradreparaturen oder bereits den Anfängerkurs besucht haben. Anhand praktischer Beispiele werden unter anderem Ketten, Speichen, Bowdenzüge und Bremsklötze gewechselt und eingestellt. Außerdem lernen die Teilnehmer, wie sich eine Kette richtig austauschen lässt, wie man mit einer Kettenschaltung umgeht.

Und noch einige wichtige Fragen beantwortet Raschle: Welches Werkzeug nehme ich mit auf die Fahrradtour? Unverzichtbar seien eine Luftpumpe, ein Reifenheber, ein 15er- und 10er-Maulschlüssel und ein Multifunktionswerkzeug für das Fahrrad.

Fünf Tipps vom Fahrrad-Fachmann

1. Einen Ersatzschlauch auf die Radtour mitnehmen: Denn, wenn sich das Loch dort, wo das Ventil im Schlauch mündet, befindet, lässt es sich nicht flicken. Man muss den Schlauch also austauschen. Ihn dabeizuhaben, nimmt nicht viel Platz weg und man ist auf der sicheren Seite. Die Tour ist gerettet!

2. Systematische Fehlersuche bei Lichtausfall: Eine große Hilfe hierbei ist es, sich den Stromkreislauf aufzuschreiben und ihn dann durchzugehen. Wo ist die Verbindung eventuell unterbrochen? Einfach lässt sich dies mithilfe eines Messgerätes testen, das piept, wenn der Strom geleitet wird.

3. Beim Kauf wissen, was man braucht und möchte: Wozu soll das Fahrrad dienen? Beispielsweise gibt es die Frage nach Federungen. Diese sind ziemlich schwer. Wenn das Rad für lange Touren benötigt wird, sind sie also eher von Nachteil. Denn dann wird die Tour umso anstrengender für den Radfahrer.

4. Unplattbare Reifen: Durch eine Kunststoffeinlage sind sogenannte unplattbare Reifen vor dem Kaputtgehen beim Durchfahren von Glasscherben und spitzen Steinen geschützt. Sie sind deshalb sehr empfehlenswert. So muss nicht ständig der Mantel geflickt oder ausgetauscht werden.

5. Reifen richtig aufpumpen: Eine häufige Ursache für einen Platten sind nicht stark genug aufgepumpte Reifen. Ist genug Druck auf den Reifen, wird der Mantel nicht so schnell beschädigt, wenn man zum Beispiel über einen Stein fährt. Auf dem Mantel steht, wie viel Druck benötigt wird.

Die nächsten Kurse finden erst ab Februar statt. Für Anfänger: Sa 20.2., 15–18 Uhr. Für Fortgeschrittene: Sa, 6.3., 15–18 Uhr in der Volkshochschule Pinneberg, Am Rathaus 3. Kosten: 15 Euro, für ADFC-Mitglieder 12 Euro. Arbeitskleidung ist mitzubringen.