Straßenbau

Warum Pinnebergs Westumgehung noch mal teurer wird

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Katja Engler
Die Pinneberger Westumgehung Anfang September 2019 kurz vor der Eröffnung.

Die Pinneberger Westumgehung Anfang September 2019 kurz vor der Eröffnung.

Foto: Lukas Breit

Ein Jahr nach der Einweihung: Die Endabrechnung für Pinnebergs neue Straße hat das Budget der Stadt erneut belastet.

Pinneberg. Nachdem der führende Ingenieur beim Bau der Westumgehung, Karsten Lübke vom Büro Inros Lackner, sich an der regen Nutzung „seiner“ neuen Straße erfreut hatte, kam er am Dienstagabend gerade noch rechtzeitig zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses ins Rathaus. Dort erläuterte er den Politikern, warum plötzlich zusätzliche Kosten von rund 900.000 Euro aufgetaucht sind (wir berichteten). Das, so Lübke, hänge mit der Endabrechnung der Straßenbaukosten zusammen.

Manfred Stache (Grüne/Unabhängige) hatte dies zuvor bereits kritisiert. Ihn ärgert, dass die Fakten schon im Juni bekannt gewesen seien, die Politik aber erst viel später davon erfahren habe und deshalb jetzt gezwungen sei, einen Nachtragshaushalt aufzustellen, was zu einer allgemeinen Verzögerung von Baumaßnahmen im kommenden Jahr führe. Man müsse erst den Überblick haben, sagte Lübke. Es seien Nachträge über eine Million Euro gekommen. Als Beispiel führte er an, allein die Verlegung von Leitungen habe 200.000 Euro extra gekostet, unvorhergesehen seien dann noch 700.000 Euro oben drauf gekommen.

Zeitaufwendige Prüfung der Schlussrechnung

Bauamtsleiter Klaus Stieghorst erklärt dazu, die Schlussrechnung sei zwar im Juni eingegangen, „wir haben sie aber, wie das üblich ist, noch von der Bauleitung und dem Projektsteuerer prüfen lassen. Das ist ziemlich zeitaufwendig. Und es ist dann auch ein erklecklicher Betrag wieder herausgekürzt worden aus der Schlussrechnung.“ Die Gesamtkosten-Prüfung sei im September fertig gewesen, dann habe die Verwaltung die Vorlage erstellt und im Oktober die Mitteilung an die Politik verschickt.

Stache moniert, dass 2020 wieder nur wenig im Straßenbau passiert sei, abgesehen von der Westumgehung: „Schon im letzten Jahr sind keine 200.000 Euro für Radwege ausgegeben worden, und auch 2020 nicht, obwohl das beschlossen worden war. Diese Projekte verschieben sich jetzt um zwei Jahre.“ Wenigstens die Fuß- und Radwege des Schulwegs Vogt-Ramcke-Straße sollen nun zügig saniert werden, weil sie gefährlich seien, stellten die Ausschuss-Mitglieder fest.

Aber zurück zu Pinnebergs neuer, knapp drei Kilometer langer Umgehungsstraße. Warum da jetzt noch mehr Geld fällig ist, liegt an Dutzenden Einzelposten. Allein der Bau von vier Brücken war mit Extras verbunden. Lübke stellte alle Zusatzkosten vor, beschränkte sich also nicht auf die 900.000 Euro plus.

Viele kleine Posten trieben die Kosten hoch

Eine Stützwand an der Siemensstraße etwa musste verlängert und verfüllt werden, zusätzlichen Auflagen der Deutschen Bahn und der EU war zu folgen, der Verkehr musste vermehrt gesichert werden, mehr Boden als geplant aus verschiedenen Entsorgungsklassen musste weggeschafft werden, bei der Brücke An den Fischteichen musste ein Prüfingenieur erneut die Statik klären. Und die Begrünung der dortigen steilen Böschungen hatte sich als notwendig herausgestellt, damit nichts abrutscht. Der Amphibienschutz in der Flussniederung hat rund 200.000 Euro mehr verschlungen, ein temporärer Schutzzaun musste her, und das viele Wasser ringsum schuf zusätzliche Probleme, deren Lösung rund 300.000 Euro kostete.

Dazu gehört, dass das Stauraum-Ausgleichsbecken erweitert werden musste, Rad- und Gehweg brauchten entgegen der Planung noch eine Entwässerung. Der Kanalbau schlug mit mehr als 600.000 Euro zusätzlich zu Buche, weil bis dato unbekannte Leitungen in der Trasse aufgetaucht waren, was zu Umplanungen führte. Weitere Lärmschutzwände kosteten 1,5 Millionen, Lärmschutzwälle gut eine Million Euro plus. Die mit all den Anpassungen und Änderungen begründete Bauzeitverlängerung verschlang rund zwei Millionen Euro extra.

Selbst der Straßenbau wurde 1,5 Millionen Euro teurer: Die Elmshorner Straße etwa war so schadhaft, dass die Ingenieure die Westumgehung nicht mehr an sie anschließen konnten. „Substanz unbrauchbar“, schreibt das Büro.

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