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Pinneberg versteigert altes DRK-Heim für Wohnungsbau

Abrisskandidat in bester Lage: das ehemalige DRK-Heim in Pinneberg, hier mit einem starken Filter fotografiert.

Abrisskandidat in bester Lage: das ehemalige DRK-Heim in Pinneberg, hier mit einem starken Filter fotografiert.

Foto: Nico Binde / HA

In offenem Bieterverfahren soll ein Investor gefunden werden. Hoffnung auf Millionen-Erlös. Aber es gibt auch Kritik.

Pinneberg. Vom vergessenen Ort zum Hoffnungsträger: Diesen Plan verfolgt die Stadt Pinneberg mit dem abrissreifen DRK-Heim im Rehmen 89. Das 12.700 Quadratmeter große Grundstück im Stadtwald soll in einem Bieterverfahren an einen Investor versteigert werden. Laut Plan ist in bester Lage neuer, bis zu viergeschossiger Wohnungsbau vorgesehen. Schon Ende des Jahres könnte die Auktion beginnen.

Die Kreisstadt dürfte sich vom Verkauf der DRK-Ruine nicht nur neue Wohnungen erhoffen. Angesichts der aktuellen Grundstückspreise könnten in dem „offenen Bieterverfahren“, wie es die Stadt anstrebt, auch Einnahmen in Millionenhöhe möglich sein. Der Modus sehe vor, dass Stadt und Politik am Ende das beste Konzept frei wählen können. Es bekomme nicht automatisch der Höchstpreis den Zuschlag.

1964 gebaut, seit 2016 in städtischem Eigentum

Bekanntlich hatte die Stadt das Gelände mit dem 1964 erbauten Seniorenheim im Jahr 2016 in ihren Besitz gebracht. Nun soll das Areal an einen Investor verkauft werden. Die arg von Vandalismus in Mitleidenschaft gezogenen Bestandsgebäude, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt, „sind sämtlich abbruchreif“. Feuer, Graffiti, eingeschlagene Scheiben und illegale Partys prägten die jüngste Vergangenheit der Häuser.

Der Bebauungsplan sieht im Entwurf eine „aufgelockerte Bebauung“ um einen offenen Platz herum vor. Erlaubt sind demnach bis zu sieben Geschosswohnungsbauten mit drei Etagen samt Staffelgeschoss. Stellplätze in einer Tiefgarage sind geplant. Daher sei anzustreben, wie es in dem Papier der Stadt heißt, „das Gesamtgrundstück von einem einzigen Erwerber“ übernehmen und bebauen zu lassen. Aber auch andere Konzepte wie Eigentumswohnungen werden nicht ausgeschlossen. Bedingung: 50 Prozent der Wohnungen sollen geförderte, erschwingliche Mietwohnungen sein.

Stadt soll Vorschlagsrecht für Mieter haben

Der Stadt soll bei den geförderten Wohnungen ein Vorschlagsrecht für Mieter obliegen, Pinneberger bevorzugt. Um zu vermeiden, dass vorzeitige Ablösungen der Förderdarlehen auch zu einem vorzeitigen Wegfall der Sozialbindung führen, sollen die Verträge langfristig geschlossen werden.

Der CDU ist das nicht konkret genug. In einem am Dienstag angenommenen Antrag fordert Carl-Eric Pudor, die Zahl der Sozial- oder Studentenwohnungen auf 30 festzuschreiben, um ein geplantes Wohnprojekt an dieser Stelle zu verwirklichen. Insgesamt hält die CDU auf dem Gelände maximal 70 Wohnungen für vertretbar. Die Grünen bemängeln das Verfahren grundsätzlich, dass es noch keinen Bebauungsplan sowie Bedenken der Naturschutzbehörde gebe. Das Amt drängt auf einen Biotopverbund und den Verzicht einer Bebauung.

Auch Hospiz oder Seniorenanlage sind Optionen

Die Stadt und Bauamtsleiter Klaus Stieghorst sehen darin kein Problem für ein Bieterverfahren. An dem Plan zur Bebauung soll festgehalten werden, nachteilige Umweltauswirkungen würden im Planverfahren kompensiert.

Da es bereits Interessenten gab, die das Gelände als Hospiz oder Seniorenanlage nutzen wollten, soll auch diese Option bestehen bleiben und bei entsprechenden Geboten abgewägt werden, heißt es vonseiten der Stadt. Eine Gemeinbedarfsfläche ist dagegen eher unwahrscheinlich, denn im geplanten nahen Wohngebiet ist bereits der Bau einer Kita vorgesehen. Unmöglich soll ein solcher Bau auf dem DRK-Gelände aber auch nicht sein. Wohnraum für Studenten oder ähnliche Personengruppen – wie die CDU fordert – sei auch zulässig.

Um den Grundstückswert gab es einen Rechtsstreit

Der Verkauf des Grundstücks soll im Internet auf Immobilienportalen inseriert werden, auch auf der Internetseite der Stadt wird das Areal angeboten. Die Stadt entscheide, ob ein Bieter den Zuschlag bekommt oder weitere Bieterrunden folgen. Meist ergebe sich durch mehrere Bieterrunden ein „deutlich gesteigerter“ Kaufpreis, heißt es. Das benachbarte Grundstück gehöre ebenfalls der Stadt, soll aber nicht mit veräußert werden, sondern wegen der Biotope und der Überflutungsfläche als öffentliche Grünfläche erhalten werden.

Das 1964 gebaute DRK-Haus, in dem lange Zeit bis zu 120 Senioren lebten, war zuletzt 2015 in den öffentlichen Fokus gerückt. Als die Flüchtlingskrise akut drängte, war das Gebäude kurz als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch. Zuvor hatte die Kreisstadt dem DRK das Gelände vor fast 60 Jahren überlassen. Seit 2012 steht es leer, weil die Senioren fehlten, die das Heim bewohnen sollten. Nach einem Rechtsstreit mit dem DRK über den Wert besitzt Pinneberg das Gelände seit 2016 wieder – und will es nun gewinnbringend versteigern.