Pinneberg

Mittags auf dem Markt gibt es nur ein Thema

Michael Sabin (47) und Anja Rüberg (41) aus Pinneberg: „Es kommt bestimmt eine dritte Welle, nachdem alles wieder gelockert worden ist.“  

Michael Sabin (47) und Anja Rüberg (41) aus Pinneberg: „Es kommt bestimmt eine dritte Welle, nachdem alles wieder gelockert worden ist.“  

Foto: Annika Bürck

Angemessen oder nicht? Was die Menschen in Pinneberg vom zweiten Lockdown halten. Annika Bürck hat sich umgehört.

Pinneberg.  Ein Donnerstag wie jeder vor der Drostei in Pinneberg. Es ist Markt, die Händler sind alle da, die Kunden auch. Und doch wirkt das, was von ihren Gesichtern noch zu sehen ist, sorgenvoller als sonst. Viele haben das Bedürfnis zu reden – über das, was der November nun bringt. Lockdown, schon wieder! Musste das sein? Wie konnte es so weit kommen? Gastronomie und Kultur – geschlossen. Ist das richtig oder falsch? Angemessen oder überzogen?

Ja und nein. Viele Menschen sind ambivalent in ihrer Einschätzung, sehen den Ernst der Lage, aber finden die von der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch getroffenen Entscheidungen dennoch zum Teil nicht nachvollziehbar. „Es ist doch so, dass sich die Menschen nicht hauptsächlich in Restaurants, Cafés und kulturellen Einrichtungen infizieren, sondern im privaten Raum“, sagt etwa der 22 Jahre alte Azubi Lukas Riese aus Itzehoe.

„Es ist jetzt so, und da müssen wir jetzt durch“

Viele Passanten machen sich große Sorgen um die Gastronomiebranche. „Die Restaurants haben so viel Energie in gute Hygienekonzepte gesteckt und eine Menge investiert“, sagt Matthias Jungnickel (33), Erzieher aus Pinneberg. Dass die Gastronomen nun erneut die Leidtragenden seien, ärgert viele und sorgt für eine traurige Stimmung unter den Menschen in Pinneberg.

Doch die meisten von ihnen haben es wohl kommen gesehen, so wie Christine Repenning. Die 57 Jahre alte Arzthelferin meint, dass die Fallzahlen der letzten Wochen schon auf einen zweiten Lockdown hingewiesen hätten: „Es ist jetzt so, und da müssen wir jetzt durch“, meint die Pinnebergerin.

Wie wird es im nächsten Jahr weitergehen? Vor allem um die Selbstständigen macht sich Melanie Lukas aus Elmshorn Sorgen. „Viele Bekannte von mir haben darauf hingearbeitet, sich selbstständig zu machen und ihr Leben darauf aufgebaut. Sie könnten nun pleite gehen und alles verlieren“, sagt die 39 Jahre alte Erzieherin. Sie hat Angst vor einer Insolvenzwelle im nächsten Jahr.

Weitere Stimmen zu den Corona-Maßnahmen lesen Sie in Ihrer Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg.