Pinneberg

Kein Weihnachtsdorf: „Sehr traurig für Stadt und Handel“

Das Pinneberger Weihnachtsdorf 2019(Archivbild).

Das Pinneberger Weihnachtsdorf 2019(Archivbild).

Foto: kölln

Nachdem die Veranstaltung wegen Corona abgesagt ist, sind viele Kaufleute geknickt. Sie wollen das Beste aus der Situation machen.

Pinneberg.  Irgendwie hatten die meisten schon erwartet, dass es mit dem Weihnachtsdorf nichts wird. Traurig sind die umliegenden Einzelhändler und viele Pinneberger Bürger trotzdem, aber den Kopf in den Sand zu stecken – „dazu gibt es doch keinen Grund“, sagt Anke Marckmann, Inhaberin des Bücherwurms. Sie will trotz aller Einschränkungen Optimismus verbreiten: „Wir machen das Beste daraus und versuchen, den Humor nicht zu verlieren.“

Diese Woche werden im Bücherwurm die Weihnachtsartikel aufgebaut: „Wir haben das Gefühl, dass die Kunden die jetzt schon kaufen, weil sie danach fragen. Denn niemand weiß ja genau, was in den nächsten Wochen passiert.“ Einen Weihnachtsmarkt ohne Glühwein und mit Abstandsvorschriften mag sie sich nicht vorstellen: „Wie kommt denn da Stimmung auf?“

Rentnerin Regine Neunherz (80) aus Pinneberg geht trotzdem weiter in die Innenstadt zum Einkaufen. Sie mag den Weihnachtsmarkt, aber „ich finde die Absage angemessen, da zwangsläufig viele Menschen zusammentreffen würden. Das können wir uns im Moment nicht leisten.“ Das geht Josef Korsa (78), Rentner aus Uetersen, genauso. „Seit Beginn der Corona-Krise treffen wir uns privat nur noch mit maximal vier Personen.“

Organisator Jens Stacklies hält es für sinnvoll, auszusetzen

Alexandra Schütt (38), Heilerziehungspflegerin aus Berlin, mag die Weihnachtliche Atmosphäre im Weihnachtsdorf. Sie findet die Absage vor allem für Kinder sehr schade: „Den Glühwein könnte man dieses Jahr doch weglassen. Dann sollten auch die Abstandsregeln besser eingehalten werden.“ Wehmütig ist es Anita Kurz (26), arbeitssuchend, zumute: „Die Feste fehlen in Pinneberg. Es ist nicht das, was es einmal war. Vor Kurzem war ja auch der Biergarten hier. Da hat das Thema Corona kaum einer ernst genommen.“

Unternehmer Jens Stacklies, der den Biergarten zünftig dekoriert im Sommer aufgebaut hatte, ist auch für das Weihnachtsdorf verantwortlich. Er hat alle Optionen aufwendig durchgeprüft und sieht keine Möglichkeit, ein haltbares, genehmigungsfähiges und sicheres Konzept zu erstellen und dadurch die Gesundheit aller zu schützen: „So gern wir das Weihnachtsdorf auch durchführen würden – in diesem Jahr halten wir es für sinnvoll, auszusetzen“, sagt er.

Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis

Weder stehe die komplette Überdachung des Dorfes im Verhältnis zu Aufwand und Umsatz, noch sei die Genehmigung des Alkoholausschankes gewiss.

Nicole Bastein, Centermanagerin der Rathauspassage, findet es „sehr traurig für die Stadt und den Handel. Das Weihnachtsdorf hätte viel mehr Menschen in die Stadt gelockt. Das wäre dann aber ein Balanceakt geworden, dass es nicht zu viele werden.“ Sie und ihr Team stecken derzeit mittendrin in den Planungen für die Adventszeit. Das meiste, was sie bisher an Aktionen gemacht haben, fällt aus. Weder dürfen dicht an dicht Kekse gebacken werden, noch darf der Weihnachtsmann Geschenke verteilen oder den Kindern etwas vorlesen. Auch die Jungmusiker aus der Musikschule dürfen nicht in der Rathauspassage auftreten, wie sie es sonst getan haben. „Vielleicht können wir einen Klavierspieler engagieren“, überlegt Nicole Bastein. Geplant sind außerdem ein Kundencouponheft und die Aufstellung eines Wunschbaumes für Kinder.

Weniger Sorgen macht sich Jürgen Wulf, Inhaber von Leder Homann. Dass das Weihnachtsdorf ausfällt, findet er schade, aber „unsere Beobachtung ist, dass die Leute sowieso eher abends kamen, als die Geschäfte schon zu waren. Wir haben also nicht unbedingt davon profitiert.“ Ihm ist aber wichtig, dass die Weihnachtsbeleuchtung aufgebaut wird.

Eine Chance für Gastronomen vor Ort?

Dafür garantiert Claudia Patt von der Wirtschaftsgemeinschaft: „Die Weihnachtsbeleuchtung kommt definitiv“, sagt sie. Dass das Weihnachtsdorf ausfällt, findet sie bedauerlich, „aber Gesundheit geht vor. Ich denke, Herr Stacklies hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.“

Es sei ein weiterer Schlag für den Handel, wie es schon der Lockdown und die Kontaktbeschränkungen waren, „das macht dem Handel zu schaffen“, so Patt. „Wenn wir Aktionen planen, ist die Frage, was erlaubt ist. Wir müssen täglich gucken, ob der Landeserlass noch der gleiche ist.“ Im Unterschied zu den großen Städten wie Hamburg seien die Pinneberger Läden aber gut besucht.

Und Händler wie Anke Marckmann hat die Not erfinderisch gemacht: Ist der Laden zu, erhalten jeweils fünf bis sechs Kunden nach Absprache die Möglichkeit, sich einschließen zu lassen und zwischen 18 und 21 Uhr ganz in Ruhe zu stöbern und zu schmökern, um Geschenke zu finden. „Und viele ältere Kundinnen, denen es zu gefährlich ist, in die Stadt zu kommen, beliefern wir zweimal pro Woche persönlich. Man kann kreativ werden. Dann läuft doch alles.“

City-Managerin Birgit Schmidt-Harder hat bereits die Fühler in Richtung der ortsansässigen Gastronomen ausgestreckt: „Wir überlegen, ob und welche Einzelaktionen möglich sind. Das braucht aber noch etwas Zeit.“