Pinneberg

Wie gefährlich sind die Fußwege im Quellental?

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Katja Engler und Annika Bürck
Richard Ridder (40) ist oft im Hätschenkamp unterwegs, in dem es keine Fußgängerwege gibt..

Richard Ridder (40) ist oft im Hätschenkamp unterwegs, in dem es keine Fußgängerwege gibt..

Foto: Annika Bürck

Anwohnerinitiative kämpft für mehr Verkehrssicherheit im gesamten Viertel und lädt Entscheider zur Begehung ein.

Pinneberg.  Die Anwohner-Initiative Quellental, in der sich im vergangenen Jahr rund 200 Menschen versammelt hatten, hat am gestrigen Dienstagnachmittag einen erneuten Vorstoß gewagt, hat Pinneberger Politiker und die Verwaltung zu einer Begehung eingeladen. Denn es ranken sich zwar große Pläne um die dortige Verkehrssituation. Konkret passiert ist bis jetzt aber fast nichts. „Wir wollen, dass der Straßenraum so sicher gestaltet wird, dass Unfälle von vornherein vermieden werden“, sagt Irene Thelen-Denk, Sprecherin der Anwohnerinitiative und von Beruf Lehrerin am Schulzentrum Nord.

Sie sagt das mit Blick auf die traurige Bilanz der vergangenen Monate, wo vier Kinder auf dem Schulweg angefahren wurden, „hier muss zeitnah etwas passieren.“ Den engagierten Bürgern liegt zurzeit besonders der Hätschenkamp am Herzen, „der ist bei dem Verkehrsgutachten Quellental durch das Rost gefallen“, sagt Irene Thelen-Denk, „zu der gefährdenden Situation dort haben sich die Gutachter nämlich nicht geäußert.“

Fahrbahn ist nur 4,50 Meter breit, einen Fußweg gibt es nicht

Der Weg, den viele Autofahrer als Abkürzung und Schleichweg zum Thesdorfer Weg und zur Autobahnauffahrt benutzen, ist nur 4,50 Meter breit und hat keine Fußwege. Menschen, die mit Kinderwagen oder Rollator unterwegs sind, fühlen sich gefährdet: Frührentner Richard Ridder (40) beispielsweise ist am Hätschenkamp öfters mit dem Kinderwagen unterwegs. Er wohnt an der Richard-Köhn-Straße und sagt, dass im Hätschenkamp gern mal gerast werde. In einem der Stadtentwicklungsausschüsse äußerte ein Anwohner, Autos seien dort regelmäßig zu schnell unterwegs. Eine Messung der Stadt hat aber ergeben, dass nur fünf Prozent zu schnell waren.

Die Anwohnerinitiative will, dass das Gerase aufhört: Bereits vor einigen Monaten hat sie der Verwaltung kostengünstige Vorschläge gemacht, um die Situation zu entschärfen, etwa durch die Erneuerung von verschwundenen Piktogrammen oder das Aufmalen eines weißen Streifens zur Abgrenzung des Sandweges. „Hier sind viele Familien mit Kindern hergezogen. Am Großen Reitweg haben die Gutachter die Gefahren klar erkannt und sich für Verschwenkungen ausgesprochen“, sagt Irene Thelen-Denk. „Wir wünschen uns, dass das Gesamtkonzept für das Quellental, das im September wieder mal vertagt wurde, endlich beschlossen und umgesetzt wird, gerade auch im Hinblick auf die Klima-Krise.“ Und noch etwas drücke auf die Stimmung: „Die ersten Wohnungen im ILO-Park werden 2021 fertig. Das hängt wie ein Damoklesschwert über uns, denn viele werden zusätzlich durch das Quartier fahren, weil die Strecke zur Autobahn kürzer ist als über die Westumgehung“, sagt die Sprecherin.

Politik muss noch übers Verkehrskonzept entscheiden

Noch hat die Politik nicht über das Verkehrskonzept im Quellental entschieden. „Daher sind die dort vorgeschlagenen Maßnahmen noch nicht im Haushalt veranschlagt und nicht begonnen worden“, sagt Stadtsprecherin Maren Uschkurat. Einzelne Maßnahmen sollten nicht vorgezogen werden.

360 Wohneinheiten entstehen neben dem Bahnhof, die zusätzlichen Verkehr ins Viertel tragen. Thelen-Denk: „Wir wünschen uns, dass wie in Wedel die Stelle eines Mobilitätsmanagers geschaffen wird, sodass mehr Leute motiviert werden, mit dem Rad zu fahren.“

Als Gegenmaßnahmen hatten die Gutachter 2019 vorgeschlagen, die Osterholder Allee/Manfred-von-Richthofen-Straße zur Fahrradstraße zu erklären und eventuell bis zur Straße An der Mühlenau zu verlängern, den Bahnhofsvorplatz umzugestalten und generell die Schulwege sicherer zu machen durch Schilder, Symbole oder Piktogramme, die auf Kinder hinweisen. Mittelfristig könne auf diesem Wege die Zahl der Elterntaxis reduziert werden, weil mehr Schüler zu Fuß oder mit dem Rad kämen.

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