Kreis Pinneberg

Elmshorner KulturTafel verschenkt Gutscheine

Christiane Bruhn (v.l.), Peter Schaumann und Stephan Peetz mit den Geschenken für die zwei Kinderschutzhäuser in Elmshorn.

Christiane Bruhn (v.l.), Peter Schaumann und Stephan Peetz mit den Geschenken für die zwei Kinderschutzhäuser in Elmshorn.

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Die Elmshorner Initiative ermöglicht mit dieser Aktion Menschen mit niedrigen Einkünften am kulturellen Leben der Krückaustadt teilzunehmen.

Elmshorn . Sie haben fleißig gepackt, die Mitglieder verschiedener Vereine und Verbände in Elmshorn: Geschenke in buntem Papier für hilfsbedürftige Kinder. Es sind Spiele und Bücher für die jungen Bewohner der beiden Kinderschutzhäuser in Elmshorn. Zudem erhalten ab heute die kleinen Bewohner der Häuser zusätzlich auch jeweils zwölf Gutscheine im Wert von 25 Euro. Doch damit nicht genug: 40 Kulturhungrige werden ebenfalls ab heute mit Kulturgutscheinen jeweils in Höhe von 25 Euro beschenkt.

Initiiert wird diese Aktion von der KulturTafel Elmshorn, deren Ziel es ist, kulturinteressierte Elmshorner mit nur wenig Einkommen oder Menschen mit Behinderungen gesellschaftlich zu integrieren und sie am kulturellen Leben in der Stadt teilhaben zu lassen. Daran beteiligt sind verschiedene Sozialpartner wie die Tafel Elmshorn, das Spendenparlament, das Freiwilligenforum, der Kreiskulturverband, die Lebenshilfe und „Engagiert in Elmshorn“ – eine Anlauf- und Beratungsstelle rund um bürgerschaftliches Engagement – unter Begleitung der Stadtpolitik und der Verwaltung.

Die Initiative vermittelt kostenlose Eintrittskarten an Menschen, denen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in der Stadt unter anderen Umständen versagt bliebe. Jeder, der in Elmshorn lebt und über wenig Geld verfügt oder dem aufgrund von Behinderung eine Teilhabe an Veranstaltungen allein nur schwer möglich ist, kann sogenannter Kulturgast werden. Die Idee ist angelehnt an das Prinzip der Lebensmittel-Tafeln. Die nicht verkauften Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen werden an Bedürftige vermittelt.

In einem KulturGast-Anmeldeformular können Kulturwünsche angegeben werden, zum Beispiel ob man gern ins Theater gehen, ein Konzert besuchen oder bei einen Vortrag zuhören wolle. Es können auch ganz konkrete Veranstaltungen genannt werden, die man gern besuchen würde. Das Anmeldeformular und der Nachweis über ein geringes Einkommen müssen bei den Projektpartnern abgegeben werden. Veranstaltungsorte können beispielsweise das Industriemuseum Elmshorn, das Kranhaus oder das Stadttheater sein. Die zur Verfügung gestellten Karten vermittelt dann die KulturTafel. Die Eintrittskarten werden an der Abendkasse auf den Namen des Kulturgastes zur Abholung hinterlegt. In den meisten Fällen werden es zwei Karten sein, sodass eine weitere Person mitgenommen werden kann.

Doch wie soll Kultur vermittelt, wie sollen Karten an die KulturGäste verschenkt werden in Corona-Zeiten, wenn so vieles geschlossen ist oder war? Es war die Lebenshilfe Elmshorn, die die Idee zu der neue Aktion der KulturTafel hatte. Mit einer großzügigen Unterstützung der Bürgerstiftung und einiger Spenden großer Lebensmittelhändler der Stadt erhielt die Lebenshilfe Lebensmittel-Gutscheine in Höhe von 50.000 Euro. „Wir wissen, dass für Bücher und eine schöne Klassik-CD oder einen schönen Spielfilm in den Haushaltskassen immer wenig übrig ist“, sagt Dörte Lippold von der Lebenshilfe. „Für uns war es daher klar, der KulturTafel einen Anteil unserer Gutscheine zur Verfügung zu stellen“, erklärt sie. Das Ganze sei mit dem Wunsch und der Bitte verbunden, dass die Gutscheine für den Kauf einer wertigen, wertvollen Zeitschrift eingesetzt werden. Etwas, was sich mit Natur und Umwelt beschäftigt oder das Hobby unterstützt, stellt sich Lippold vor. Und dies sei eine andere Art des Kulturkonsums, denn auch eine schöne Zeitschrift könne Kultur vermitteln und Freude bereiten.

Gudrun Arlt vom Kreiskulturverband und Christiane Bruhn vom FreiwilligenForum Elmshorn werden nun die Gutscheine an ihre KulturGäste verschicken oder sie telefonisch kontaktieren. Bereits vor ein paar Tagen haben sie sich auch mit Pädagogen der beiden Kinderschutzhäuser getroffen, denn nicht nur Erwachsene sind Gäste der Elmshorner Tafel.

Der Betrieb der KulturTafel scheint wieder anzulaufen. „Es war schwer, die KulturTafel aufrechtzuerhalten“, sagt Eckbert Jänisch vom Spendenparlament Elmshorn, waren doch Besuche bei und in vielen Kultureinrichtungen nicht möglich. „Es wird jetzt wieder losgehen“, hofft Arlt, allerdings werde es Restkarten für Veranstaltungen wohl nur in einem viel kleineren Kontingent geben. So dürfen beispielsweise im Stadttheater nach den aktuell festgelegten Corona-Beschränkungen von den 432 Plätzen nur 98 besetzt sein. Und viele Veranstalter ächzen noch immer unter der Pandemie.

Mitte Dezember 2019 ging die KulturTafel an den Start. Peter Kruse von „Engagiert in Elmshorn“ und Eckbert Jänisch waren es, die vor etwa sechs Jahren die Idee einer Kulturtafel erstmals ins Gespräch gebracht hatten. Die Idee ist nicht neu. Seit einigen Jahren gibt es Kulturtafeln in mehreren deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin, Köln, Dresden und München. Auch in kleineren Städten wie Osnabrück, Neumünster und Schweinfurt hat sich das Konzept bewährt. Im Kreis Pinneberg ist Elmshorn Vorreiter.