Uetersen

Bernd Möbius: „Auch mal verrückt denken“

Bernd Möbius (Grüne), der als unabhängiger Kandidat antritt, kommt auf dem neuen Friedhof der Stadt zur Ruhe. Mit dem alten Mausoleum hat der Informatiker konkrete Pläne.

Bernd Möbius (Grüne), der als unabhängiger Kandidat antritt, kommt auf dem neuen Friedhof der Stadt zur Ruhe. Mit dem alten Mausoleum hat der Informatiker konkrete Pläne.

Foto: Burkhard Fuchs

Serie: Die fünf Kandidaten für den Posten des Uetersen Rathauschefs im Porträt. Heute: Bernd Möbius, der als unabhängiger Kandidat antritt.

Uetersen.  Er ist der einzige waschechte Uetersener unter den fünf Bürgermeisterkandidaten für die Wahl am 25. Oktober. Bei einer Hausgeburt kam Bernd Möbius 1959 in der Rosenstadt auf die Welt. Hier hat er Raumausstatter gelernt. Jetzt will der Diplom-Informatiker, der seit 2013 der Ratsversammlung und als Mitglied der Grünen dem Kreistag angehört, als freier Kandidat den Sprung auf den Chefposten im Rathaus schaffen. Dort wäre dann seine erste Amtshandlung, das Bürgermeisterbüro vom vierten Stock ins Erdgeschoss zu verlegen. „Ein Bürgermeister muss aus dem Elfenbeinturm heraus und darf sich nicht über die Bürger stellen. Das Rathaus ist für die Bürger da.“

Entsprechend transparent, offen, direkt und barrierefrei würde der Zugang zu ihm sein. Möbius will „das Produkt Verwaltung ins 21. Jahrhundert“ hieven, Bürgerservice online anbieten und Streaming-Dienste einführen. „Dann können sich alle daran beteiligen“, sagt er. Möbius sprüht nur so vor neuen Ideen für die Stadt, „für die ich brenne“. Sie sind oft unkonventionell. Er präsentiert sich so, wie er sei: „bunt, vielfältig, innovativ, anders, für alle wählbar“. Darum sind seine Wahlplakate vielfarbig und kleinteilig. Sie zeigen den Kandidaten Möbius aus allen möglichen Blickwinkeln.

Dem Leerstand in der „Fuzo“ müsse man kreativ begegnen. „Da darf auch mal großklotzig gedacht werden“, meint Möbius und schlägt vor, die „Fuzo“ großflächig zu überdachen. „Wir müssen weg vom reinen Einkaufen, hin zum Erlebnis-Flanieren.“ Das wäre dann überdacht überall trockenen Fußes möglich. Außer den Geschäften sollte es mehr Bars und Bistros geben. Die Parkpalette müsste allein schon deshalb stehen bleiben, um bei einer möglichen Reaktivierung des Bahnanschlusses in der Zukunft als Park-and-ride-Fläche zur Verfügung zu stehen, sagt Möbius. Wenn sich dort kein großer Verbrauchermarkt als Ankergeschäft ansiedeln ließe, würde er vorschlagen, das Sortiment zu teilen: Ein- und derselbe Markt hätte zwei Standorte, auf jeder Seite der City einen, einen mit Lebensmitteln und einen ohne.

Auch die Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden würde Möbius größer denken. In den Schulzweckverband mit Tornesch, der zurzeit nur für die Klaus-Groth-Schule gilt, würde er auch das Ludwig-Meyn-Gymnasium und alle anderen Schulen einbringen wollen und möglichst Moorrege, Heidgraben und Groß Nordende miteinbeziehen. Auch die Jürgen-Frenzel-Schwimmhalle und das Freibad in Moorrege sollten darunter zusammengefasst werden. „Das entlastet den Haushalt“, sagt Bernd Möbius.

Er würde auch den Gedanken einer Fusion mit Tornesch ein drittes Mal politisch ins Gespräch bringen wollen. „Als Bürgermeister muss man Visionen haben und auch mal verrückt denken“, ist seine Devise. Mit 35.000 Einwohnern hätte diese „Neustadt an der Pinnau“, wie er sie zu nennt, ein ganz anderes Gewicht. Plötzlich könnte die dann als drittgrößte Stadt im Kreis wirtschaftlich viel besser auftrumpfen, Betriebe anlocken, an die sonst im Traum nicht zu denken wäre. Wirtschaftsförderung, die bei ihm Chefsache wäre, bekäme ganz neue Spielräume. „Wir müssen den Bürgern vermitteln, dass eine Fusion für sie einen konkreten Mehrwert hätte.“ Übergreifend versteht er auch die Verbesserung der Infrastruktur und des Sportangebots. Warum sollten unbedingt neue Sportplätze gebaut werden statt die vorhandenen wie das Rosenstadion zu sanieren? Da könnten gleich Landeszuschüsse hineinfließen und Vereine sich zusammentun, um gemeinsam neue Sportangebote zu schaffen.

Das weitgehend leer stehende Hatlapa-Gelände würde Möbius, der auch das Woodrock-Festival ins Leben gerufen hat, zu einer „Event-Location“ umwandeln. Ein Unternehmer etwa, der mit seiner Idee von einer Brauerei in Pinneberg gescheitert sei, könnte sich dort verwirklichen. Ein Weinhandel könnte etabliert, „Smart-Factory“-Angebote - das beschreibt die Forschung im Bereich der Fertigungstechnik – könnten angesiedelt werden. Auch eine große Stadthalle ließe sich dort in den riesigen Hallen einrichten. „Das Ruhrgebiet lebt es uns vor.“

Den Stichhafen, der als notwendiges Überschwemmungsgebiet ohnehin nicht bebaut werden darf, würde ein Bürgermeister Möbius zuschütten lasen. „Dann hätten wir mehr Platz für Flohmärkte und Jahrmärkte mit Auto-Scooter und Kettenkarussells.“

Zur Ruhe kommt Kandidat Möbius am ruhigsten Ort der Stadt, dem neuen Friedhof. „Ich mag den alten Baumbestand, die Ruhe und die Vögel dort“, sagt er. Und vor allem das alte Mausoleum hat es ihm angetan, das er unbedingt „erhalten und retten möchte“ – indem er dort eine neue Art der Bestattungskultur einführen würde. So könnte es als ein Kolumbarium dienen, um oberirdisch Urnen aufzubewahren.