Uetersen

„Stadt braucht Radwege und Verkehrskonzept“

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Burkhard Fuchs
„So genial!“: Den Cäcilie-Bleeker-Park findet die freie Kandidatin Anne Dorothea Lamsbach einfach nur schön und „mystisch“.

„So genial!“: Den Cäcilie-Bleeker-Park findet die freie Kandidatin Anne Dorothea Lamsbach einfach nur schön und „mystisch“.

Foto: Burkhard Fuchs

Serie: Die fünf Uetersener Bürgermeisterkandidaten im Porträt. Heute: Anne Dorothea Lamsbach, die trotz CDU-Parteibuch frei kandidiert.

Uetersen. „Ich finde diesen Park so genial“, schwärmt Anne Dorothea Lamsbach. „Er hat etwas Mystisches“, sagt die 36 Jahre junge Bürgermeisterkandidatin über den Cäcilie-Bleeker-Park, der bis zum Jahr 1965 rund 130 Jahre lang als Friedhof in Uetersen genutzt wurde und nach der Ehrenbürgerin Uetersens benannt ist. Bleeker hatte das Krankenhaus gestiftet, das nebenan vor 15 Jahren geschlossen wurde.

Der alte Baumbestand, die historischen Grabsteine, die verwunschene Natur haben es ihr angetan, sagt Lamsbach. „Dieser Park könnte zu einem idealen dritten Ort für Familien werden, wo sich die Menschen begegnen, picknicken, zusammen grillen.“ Ein Atrium und kleine Chorkonzerte könnte sie sich hier sehr gut vorstellen.

Die vierfache Mutter aus Reutlingen, die mit ihrem Mann und den fünf bis elf Jahre alten Kindern erst vor vier Jahren nach Uetersen gezogen ist, ist die einzige Frau unter den fünf Bürgermeisterkandidaten für die Wahl am 25. Oktober. „Wir sind total glücklich hier in Uetersen.“

Sie gehört seit elf Jahren der CDU und seit drei Jahren der Ratsversammlung an, ist aber freie Kandidatin und hat sich mit 148 Unterschriften von Wahlberechtigten für die Wahl qualifiziert. Das habe sie auch so gewollt, um „nicht an eine Partei gebunden zu sein“, sagt die „Vollblut-Demokratin“, wie sie sich selbst bezeichnet.

Auf diese Weise müsse sie aber auch den Wahlkampf alleine finanzieren. Sie stellt als einzige Bewerberin keine Wahlplakate auf, wirbt stattdessen nur mit Postwurf-Flyern und auf ihrer Homepage für ihre Kandidatur. Auf Hausbesuche, wie einige Mitbewerber es tun, habe sie wegen der nach wie vor schwierigen Corona-Lage verzichtet. Sie sagt: „Ich bin gegen Wahlversprechen.“

Die gelernte Krankenschwester studiert zurzeit an einer privaten Uni in Hamburg „Expressive Arts in Social Transformation“ und gibt Poesie-Kurse in ihrer Schreibwerkstatt in der Mühlenstraße, wo sie quasi auch ihr Wahlkampfbüro hat.

Als Bürgermeisterin würde sie sich der Agenda 2030 verpflichtet fühlen, die die Vereinten Nationen 2015 beschlossen haben, um Hunger und Armut auf der Welt zu beseitigen und ein nachhaltiges Wirtschaften zu gewährleisten. Auf kommunaler Ebene sei dies mit einer „Gemeinwohl-Ökonomie“ möglich, deren Ziel „ein nachhaltiges Wirtschaften in einer intakten Natur und eine hohe Lebensqualität für alle Menschen“ sei, erklärt Lamsbach. Darum wäre ihr erstes Projekt als Bürgermeisterin, „eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen zu lassen.“

Als Bürgermeisterin wäre „mein Spielfeld extrem groß, der Spielraum aber extrem klein“, sagt sie und meint damit die vielen Aufgaben einer Verwaltungschefin bei knapper Kasse, diese in vollem Umfang wahrzunehmen. Räumlich könnte die Stadt Uetersen nicht expandieren. Darum müsse man sich genau überlegen, „wie wollen wir in Zukunft leben?“, fragt Lamsbach in Richtung Bürgerschaft.

Zusammen mit der Politik und den Bürgern, die sie verstärkt in die Entscheidungsprozesse einbinden möchte, sollten dafür Ziele gesetzt und alle möglichen Fördertöpfe angezapft werden. „Das erfordert die Fähigkeit kreativen Denkens, Durchhaltevermögen, Teamgeist, Wissensdurst sowie die Bereitschaft und den Mut, neue und vielleicht auch unkonventionelle Wege zu gehen. Diese Anforderungen erfülle ich.“

Dazu zähle sie solche Vorschläge wie jenen, die Parkpalette nicht abzureißen, sondern stattdessen darüber Stockwerke mit Wohnungen zu setzen. „Ich bin pragmatisch, geradlinig und authentisch“, sagt Lamsbach und genau so sehe sie die Uetersener, die sich „kein X für ein U vormachen“ ließen.

Anne Lamsbach will die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden verbessern. „Da habe ich keine Berührungsängste“, sagt sie. Wenn der Dialog geführt und die Beziehungen gut gepflegt werden, ließen sich auch die Kosten besser teilen. „Das hilft uns allen.“

Jugendliche sollten „einen pädagogisch unbespielten“ Raum erhalten, wo sie sich ausleben können. Auch „eine Skaterbahn fände ich toll“, sagt Anne Lamsbach. Zudem brauche die Rosenstadt „bessere Radwege und ein sinnvolles Verkehrskonzept“. Junge, nachhaltige Start-up-Unternehmen sollen die Digitalisierung und die Wirtschaft in Uetersen voranbringen. Diese könnten zum Beispiel in „tiny houses“ am Stichhafen untergebracht werden – ein Entwicklungsgebiet der Stadt.

Das kulturelle Leben, das durch die Corona-Krise zum Erliegen kam, möchte die Bürgermeisterkandidatin mit Konzerten, Theateraufführungen und Stadtfesten wiederbeleben, kündigt sie an.

Alles in allem sei Uetersen mit Rosarium, Langes Tannen, dem Klosterviertel, ihrem geliebten Bleekerpark, den Chören und sieben Kindergärten „eine sehr vielfältige Stadt“, findet die gebürtige Baden-Württembergerin. „Es ist so viel da.“

Die Bürgermeisterwahl ist am Sonntag, 25. Oktober. Wahlberechtigt sind 14.817 Bürger. In der nächsten Folge (nach dem Alphabet): Bernd Möbius

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