Kreis Pinneberg

Ein großer Sohn Pinnebergs hat am 1. Oktober Geburtstag

Dieses historische Bild zeigt den in Pinneberg geborenen Geologen Ludwig Meyn. Er lebte von 1820 bis 1878.

Dieses historische Bild zeigt den in Pinneberg geborenen Geologen Ludwig Meyn. Er lebte von 1820 bis 1878.

Foto: Pinneberg Museum

Der Pionier der Erdölförderung wurde vor 200 Jahren im Kreis Pinneberg geboren: der Geologe Ludwig Meyn.

Pinneberg.  Entschlossenheit und Tatkraft sind in seinen Augen zu lesen. Seinen Mund umgibt auf dem vergilbten Foto ein üppiger Rauschebart: Ludwig Meyn (1820–1878), einer der berühmtesten Söhne der Städte Pinneberg und Uetersen. Am morgigen 1. Oktober jährt sich der Tag seiner Geburt zum 200. Mal. Heute erinnern nur noch ein Denkmal und eine Plakette an das Wirken dieses einst so unermüdlichen Wissenschaftlers, und das Uetersener Ludwig-Meyn-Gymnasium trägt seinen Namen.

Nicht locker lassen und weiter lernen. In der Praxis scheitern und dennoch weiter forschen. Versuchsballons starten, Geld verdienen, Geld verlieren und neue Financiers suchen: Das alles war Ludwig Meyn. Im Laufe seines Lebens – er wurde nur 58 Jahre alt – wurde er zum bedeutendsten schleswig-holsteinischen Geologen und Chemiker des 19. Jahrhunderts, der weit über die Grenzen seines Landes hinaus lernte und lehrte und mit Sicherheit zu den ersten Männern weltweit gehörte, die nach Erdöl gebohrt haben.

Meyn war ein aufsässiger Schüler

Ganz so glatt lief das aber nicht an, denn Meyn war ein aufsässiger Schüler, der „sich Mangel an Achtung gegen Lehrer und ihre Vorschriften und mutwillige Störungen des Unterrichts zuschulden kommen ließ, sodass die strengsten Verweise und Schulstrafen angewandt werden mussten“, heißt es in seinem Abgangszeugnis, das ihm am 11. Oktober 1839 ausgestellt wurde. Sogleich relativierte die Lehrerschaft dieses vernichtende Urteil, indem sie „diesen Jüngling“ mit dem Wunsch entließ, „dass er fortan der edlen Wissenschaft seine ganze geistige Kraft zuwenden möge, damit er das schöne Ziel erreiche, welches die göttliche Güte ihm durch Verleihung ausgezeichneter Talente gesteckt hat“.

Sein Widerspruchsgeist war es wohl auch, der ihn immer weiter auf die Suche schickte, wenn andere abwinkten. Ausführlich geht ein Aufsatz von Siegfried Zimmermann im 1968er-Jahrbuch für den Kreis Pinneberg auf das Leben und Wirken des bedeutenden Geologen ein. Nebenbei schrieb Meyn übrigens noch Gedichte, ein Lustspiel in fünf Akten floss ihm aus der Feder, und im Ganzen war er ein sozialer Mensch, der die Fertigstellung des Uetersener Krankenhauses (Bleeker Stift) unterstützte und mit finanzierte.

Ludwig Meyn studierte in Kiel, Berlin, Kopenhagen und Wien und war im Laufe seiner Wissenschaftler-Laufbahn an der Gründung vieler Gesellschaften beteiligt. Neben der systematischen mineralogischen Erforschung der Böden in Schleswig-Holstein fesselten ihn die Neuerungen in der Agrikulturchemie: Nachdem Justus von Liebig den Kunstdünger erfunden hatte, gründete Meyn 1860 Schleswig-Holsteins erste Kunstdüngerfabrik. Mit Liebig legte er sich aber später an, weil er den Bauern eben auch empfahl, heimisches Knochenmehl statt teuer importierten Guano zu verwenden. Das Denken in engen Grenzen kann ihm also nicht gelegen haben.

Am weitreichendsten beschäftigte ihn, wie sich die heimischen Bodenschätze nutzbar machen ließen, um von Importen unabhängiger zu werden. Dank Meyn gehörte das stinkende, rauchende Tranöl in den sogenannten Tran-Funzeln bald der Vergangenheit an, weil er Petroleum produzierte, das heller und fast rückstandsfrei verbrannte. Immer wieder stieß er sich an der „Engstirnigkeit und Rückständigkeit seiner Landsleute“, schreibt Zimmermann. Dagegen zog er als Publizist in den Itzehoer Nachrichten zu Felde, wo er auf 837 Druckbögen sein Wissen allgemeinverständlich zu Papier brachte.

Pinneberger war der Inbegriff eines „Workaholics“

Als Hochschulprofessor, mehrfacher Fabrikbesitzer und Publizist muss Ludwig Meyn unglaublich viel gearbeitet haben. Der Schlüsselsatz zu seiner vielleicht größten Lebensleistung aus Zimmermanns Aufsatz lautet: „Vermutlich war es Ludwig Meyn, der in der Neuzeit als Erster bewusst Bohrungen auf Erdöl betrieb.“ Fest steht, dass amerikanische Forscher sich auf demselben Weg vorwärts bohrten. Meyn begann damit 1858, die Amerikaner ebenfalls, aber von 1865 an waren sie es, die den internationalen Markt mit so günstigem Petroleum überschwemmten, dass Meyns Fabrik in Heide schließen musste.

Aber damit war nicht etwa Schluss. Nach dem Krieg 1870/71 trommelte Ludwig Meyn erneut mutige Unternehmer zusammen, um ihm Geld für die Ausbeutung seiner Ölgrube bei Heide zu geben, die den klangvollen Namen „Hölle“ trug. Mithilfe der Rendsburger Carlshütte wurde die „Hölle“ wieder zum Leben erweckt durch teure Bohrungen. Es ging um einen bis 1200 Fuß nachgewiesenen Kreidesockel mit einem Erdölgehalt von 11 bis 13 Prozent. Außerdem um mit Bitumen angereicherten Sand.

Weil Ludwig Meyn während der Bohrarbeiten starb, blieb ihm die Enttäuschung erspart, die dann folgte, denn die Ausbeute war bescheiden, der Aufwand zu hoch. Die Gesellschaft wurde liquidiert, aber von 1919 bis 1924 machte die Deutsch Petroleum AG wieder einen Versuch und grub einen 100 Meter tiefen Schacht, um daraus 1925/26 rund 12.000 Tonnen Ölkreide zu fördern. Mit der Weiterverarbeitung in der daneben errichteten Raffinerie ging es bis in die 50er-Jahre weiter. Und die Erkenntnisse, die Meyn über die Bodenschätze Schleswig-Holsteins hinterließ, dürften heute, wo alle Welt nach weiteren Rohstoffen sucht, wieder interessant werden.

Plakette, Schaukasten, Denkmal, Schule: Was von Ludwig Meyn blieb

Das Foto zeigt, wie die Plakette an Ludwig Meyns Geburtshaus in der Dingstätte 43 bis 45 in Pinneberg einst montiert war. In den 60er-Jahren wurde das älteste Pinneberger Haus abgerissen und durch einen modernen Zweckbau ersetzt. Die dortigen Bewohner fanden die Plakette in der Werkstatt im Hof und brachten sie wieder an der Fassade an, wo sie heute noch hängt.

Ein Schaukasten an der Seite des Hauses erinnert an den berühmten Sohn der Stadt und an die Schmiede, die in seinem Geburtshaus einst untergebracht war.

Überdies befindet sich am Eingang zum Bahnhofstunnel, den auch Radfahrer benutzen dürfen, ein Denkmal, das an den Geologen erinnert. In Uetersen, wo Meyn zwischenzeitlich wirkte und 1878 starb, wurde das Gymnasium nach ihm benannt.