Kreis Pinneberg

Museum Rantzau wird zum Gedächtnis der Region

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Burkhard Fuchs
Eine Chronik mehr: Verwaltungsdirektor Matthias Bagger übergibt die Dorfchroniken des Amtes Rantzau an Ernst-Thilo Roetger (l.) und Michael Theilig (r.) vom Vorstand des Museumsvereins Grafschaft Rantzau.

Eine Chronik mehr: Verwaltungsdirektor Matthias Bagger übergibt die Dorfchroniken des Amtes Rantzau an Ernst-Thilo Roetger (l.) und Michael Theilig (r.) vom Vorstand des Museumsvereins Grafschaft Rantzau.

Foto: Burkhard Fuchs

Mit Dorfchroniken und Hofkataster mausert sich das Haus zum Forschnungszentrum für Lokalgeschichte.

Barmstedt.  Das Museum Grafschaft Rantzau auf der Barmstedter Schlossinsel ist auf gutem Weg, zu einem Forschungszentrum für regionale Geschichte zu werden. Die 30 aktiven Mitglieder des neuen Museumsvereins haben mit dem „Geld des Grafen“ und „Wölfe bei uns – früher und heute“ nicht nur die ersten viel beachteten Ausstellungen organisiert.

Es ist jetzt auch in den Räumen des ehemaligen preußischen Amtsgerichts eine Präsenz-Bibliothek mit 1000 Bänden eingerichtet worden, die Schüler, Studenten und andere Bürger zu Forschungszwecken für die Heimatgeschichte bald auch vollständig digital nutzen können. Dazu gehören auch das Kataster von mehr als 1000 Bauernhöfen, das bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, 250 niederdeutsche Schriften sowie die umfangreiche Sammlung historischer Frauen-Hauben, „die landesweit einmalig ist“, schwärmt Michael Theilig vom Museumsvorstand.

Ganz neu ist jetzt auch, dass die zehn Gemeinden des Amtes Rantzau ihre Dorf- und Ortschroniken dem Museum zur Verfügung stellen. Bis auf Groß-Offenseth-Aspern, wo nur noch ein letztes Exemplar dieser Schrift vorhanden sei, würden die Ortschroniken aller anderen neun Gemeinden hier nun zum Lesen, Kaufen und Nachschlagen zur Verfügung stehen.

Die meisten dieser Chroniken seien nach 1980 entstanden, als die Auseinandersetzung mit der Regionalgeschichte überall im Land eine „Wiederbelebung“ erfuhr, sagt Rainer Adomat vom Heimatverband des Kreises Pinneberg. Die erste Welle dieser Heimatforschung war Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, die mit dem zweiten Weltkrieg ein jähes Ende fand.

Aber die Bürger sollen die Bände nicht nur anfassen und lesen können. Bald würden die Texte auch digital zu bearbeiten, nach Schlagworten zu durchsuchen und untersuchen sein, kündigt Theilig an. „Wir werden alle Bücher zu E-Books machen und unser Archiv systematisch digitalisieren, so dass hier eine Art Gedächtnis für Barmstedt und das Umland entsteht. Es soll ein regionalgeschichtliches Zentrum werden.“

Denn wie damals auch die Grafschaft Rantzau von hier aus 76 Jahre lang bis 1726 nach Elmshorn, Itzehoe, Ellerau und Alveslohe reichte, versteht sich der Museumsverein als überörtliche Institution zur regionalen Geschichtsforschung.

2800 kostbare Exponate wurden dem Haus geschenkt

Großen Anteil daran hat Museumsfreund Gerhard Glismann, der die Aufzählungen und detaillierten Beschreibungen aller Höfe im Amt Rantzau, die Ernst Christian Mohr und Max Ruge bereits vor fast 100 Jahren gemacht haben, bis in die Neuzeit weitergeführt hat. 1084 Bauernhöfe habe es hier seit dem 16. Jahrhundert gegeben, berichtet Glismann. „Ich habe viele Gespräche geführt, Adressen, Bilder und Infos bekommen, Geburtsdaten und die Zahl der Kinder erfasst und geschaut, wann die Höfe übergeben oder aufgegeben wurden.“

Mit den plattdeutschen Texten hat sich Museums-Mitglied Claus-Peter Jessen befasst. Das sei „ein Spezialgebiet“ des früheren Museumsleiters Jochen Proll gewesen. „Diese Bände sind oft total zerfleddert, weil sie tausend Mal gelesen wurden.“ Das älteste Exemplar stamme von 1827.

Eine alte Bestandsliste noch in Sütterlinschrift besagt, dass 2800 Exponate dem Museum geschenkt worden seien, ein Drittel davon aus dem Umland, sagt der ehemalige Geschichtslehrer Theilig. Dazu gehörten die Hauben-Sammlung, ein originales Schulheft von 1783 oder ein altes Kanonenrohr.

„Aber wir können von all den vielen Fundstücken erst einen Bruchteil ausstellen, weil die Regale auf dem düsteren Dachboden so verstaubt, eng und vollgestellt sind. Das müssen wir Stück für Stück abtragen.“ Die historische Aufarbeitung grenze fast an eine „archäologische Arbeit“, sagt Museumsvereinsvorsitzender Ernst-Thilo Roetger.

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