Kreis Pinneberg

Dealer wollte mit Drogenhandel Opas Häuschen retten

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Der Eingang des Landgerichts Itzehoe. Ich muss sich der Dealer aus Wedel verantworten. Foto: Carsten Rehder dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Eingang des Landgerichts Itzehoe. Ich muss sich der Dealer aus Wedel verantworten. Foto: Carsten Rehder dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Geht es nach der Staatsanwältin, soll der Wedeler mehr als sechs Jahre in Haft. Warum sie die Geschichte des 28-Jährigen nicht glaubt.

Wedel/Itzehoe.  Marcel S. hatte am Montag Geburtstag. Viel zu feiern gab es für den nunmehr 28-Jährigen nicht. Seinen Ehrentag verbrachte der Wedeler in Untersuchungshaft – und vor dem Landgericht Itzehoe, wo er sich seit Mitte September unter anderem wegen bewaffneten Handeltreibens mit Drogen in nicht geringer Menge verantworten muss.

Und auch die Staatsanwältin hatte am insgesamt vierten Verhandlungstag keine Präsente mitgebracht. Im Gegenteil – sie stellte am Ende ihres Plädoyers einen knallharten Strafantrag. Demnach soll das Geburtskind für sechs Jahre und acht Monate hinter Gitter. Ein Antrag, der beim Angeklagten sichtbar für eine entsetzte Miene sorgte.

Anklagevertreterin Hader hält es für erwiesen, dass der 28-Jährige aus dem Haus seines Opas heraus einen schwunghaften Drogenhandel betrieb – und das er für den Fall des Falles mehrere Schuss-, Schlag- und Stichwaffen bereithielt. So habe der Angeklagte gestanden, im Herbst 2019 zu einem Drogendeal nach Hamburg gefahren zu sein. Details seien über ein präpariertes Handy mittels Ecrochat abgestimmt gewesen. „Zur Übergabe kam es jedoch nicht, weil die Tätergruppierung vorher festgenommen worden war.“

Geschichte mit Opas Häuschen „eine Schutzbehauptung“

Am 1. April seien dann bei der Durchsuchung des Hauses des Opas sowie einer weiteren Wohnung in Wedel, die der Angeklagte als Bunker nutzte, 5,5 Kilogramm Cannabisblüten, 1,3 Kilo Amphetamine sowie mehr als 380 Gramm Kokain sichergestellt worden. „Laut dem Geständnis hat er die Stoffe in unterschiedlichen Teilmengen erworben.“

Seine Einlassung, er habe sich neben seinem legalen Job nur als Dealer betätigt, um die Schulden seines Opas zahlen und dessen Haus vor der Zwangsversteigerung bewahren zu können, hält die Staatsanwältin für eine Schutzbehauptung. Und auch seine Angaben zu mehreren im Haus gefundenen Schusswaffen, die laut Marcel S. teils Erbstücke sind beziehungsweise die er für einen Freund aufbewahrte, hält die Anklagevertreterin für unglaubwürdig.

Schließlich habe der Angeklagte in einem abgehörten Telefonat damit geprahlt, „über eine Wumme zu verfügen“, und bereits 2018 sei bei ihm im Wagen außer Drogen eine geladene Schreckschusspistole sichergestellt worden. Die zwei Langwaffen, eine Pistole, eine Machete mit geschliffener Klinge sowie ein Schlagring seien für den Angeklagten griffbereit und in sehr kurzer Zeit auch einsatzbereit gewesen.

Gesetz sieht fünf Jahre Mindeststrafe vor

Für bewaffnetes Handeltreiben mit Drogen in nicht geringer Menge gilt eine Mindeststrafe von fünf Jahren. Ist nur das Handeltreiben angeklagt, liegt die Mindeststrafe lediglich bei einem Jahr. Kein Wunder, dass der Verteidiger Aslan Taheri die Bewaffnung des Angeklagten herunterspielte. „Mein Mandant steht zum Handeltreiben, er steht zum Verstoß gegen das Waffengesetz. Aber von ihm ging nie eine Gefahr aus, es ist gänzlich ausgeschlossen, dass er die Waffen einsetzen wollte.“

Sie seien in geschlossenen Behältnissen und teils auch getrennt von der Munition aufbewahrt worden, sodass es an der Griffbereitschaft gefehlt habe. Marcel S. habe hobbymäßig Waffen und Munition gesammelt, jedoch nie einen Kunden in den von ihm bewohnten Kellerräumen im Haus des Opas empfangen. Taheri: „Wir haben auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er überhaupt in der Lage ist, eine Waffe in kurzer Zeit scharf zu machen.“

Keine teuren Vermögensgegenstände besessen

Der 28-Jährige habe jeden Cent, den er mit dem Drogenhandel verdiente, dafür gespart, „um die Schulden der Familie zu tilgen“. Er habe keine teuren Vermögensgegenstände besessen und werde solche Taten nie wieder begehen. „Er ist nicht der kriminelle Dealer, der in Handschellen abgeführt werden muss.“ Daher sei eine Haftstrafe von drei Jahren völlig ausreichend.

Marcel S., der zu Beginn des Prozesses von seiner schweren Kindheit mit einer drogenabhängigen Mutter berichtet hatte, räumte in seinem letzten Wort ein, einen schlimmen Fehler gemacht zu haben. Er sei „auf die falschen Personen hereingefallen, als ich den Menschen helfen wollte, die mir am nächsten stehen.“ Die sechs Monate in der U-Haft hätten ihm gezeigt, was auf dem Spiel stehe – sein Job, seine Frau. „Ich will mein Geld wieder ausschließlich auf legale Weise verdienen und hoffe, dass mir das Gericht eine zweite Chance gibt.“ Ob er auf ein mildes Urteil hoffen kann, erfährt der 28-Jährige am heutigen Dienstag bei der Urteilsverkündung.

( kol )

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