Kreis Pinneberg

Schweinezüchter in der Region fürchten die Seuche

Ein Überspringen der Seuche auf Hausschweine wäre fatal (Symbolbild).

Ein Überspringen der Seuche auf Hausschweine wäre fatal (Symbolbild).

Foto: Sina Schuldt / dpa

Nach ersten Fällen in Deutschland wird die Afrikanische Schweinepest zur realen Bedrohung für 15.000 Nutztiere in der Region. Der Krisenplan.

Kreis Pinneberg. Eine Seuche ist auf dem Vormarsch, doch das Veterinäramt des Kreises sieht sich für den Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest, kurz ASP, gut gerüstet. Mit dem Tierseuchenreferat im Umweltministerium und der Kreisjägerschaft bereite sich das Amt bereits „seit mehreren Jahren“ für den Ernstfall vor, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Spätestens nach dem ersten Fall in Deutschland ist die Bedrohung real. Die ASP war vor gut zwei Wochen in Brandenburg ausgebrochen. Mittlerweile ist die Tierseuche dort bei 34 toten Wildschweinen nachgewiesen worden. Obwohl die Schweinepest für den Menschen ungefährlich ist, wäre ein Ausbruch bei Hausschweinen fatal. Zur Präventionsstrategie des Kreises gehöre deshalb unter anderem, verstärkte Maßnahmen zur Früherkennung in der Wildschweinpopulation und den Hausschweinebeständen zu treffen.

Inzwischen intensivieren die Behörden bundesweit ihre Notfallpläne. Bei einem Ministertreffen haben sich Bund und Länder gegenseitige Unterstützung zugesichert. „Es ist eine nationale Herausforderung“, sagte der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, Saarlands Ressortchef Reinhold Jost (SPD). In einem 17-Punkte-Katalog wurde unter anderem beschlossen, ein Modell zur „solidarischen Finanzierung“ für Wildschweinzäune zu prüfen und die Jagd auf Wildschweine deutlich zu verstärken. Betroffene Zuchtbetriebe sollen finanziell unterstützt werden.

Auswirkungen hatte der Ausbruch für den Kreis Pinneberg bisher „nur“ in der Fleischwirtschaft. Drittländer haben Importstopps verhängt, der Absatz von Lebendvieh und Schweinefleisch ist eingebrochen. Der Kreis weise mit 63 Betrieben und etwa 15.000 Schweinen im Vergleich eine geringe Dichte an Hausschweinebeständen auf. Nur elf Betriebe zählten mehr als 500 Tiere. Auch die Anzahl der Wildschweine sei gemessen an den erlegten Tieren gering.

Dennoch wären bei einem Ausbruch im Kreis die gleichen harten Maßnahmen zur Bekämpfung erforderlich, wie in tierreichen Gegenden. Bei Wildschweinen müsse etwa die unverzüglichen Eingrenzung des Ausbruchs mit der Jägerschaft und den Forsten veranlasst werden. Dazu gehören Sperrzonen, Nutzungsbeschränkungen, verstärkte Proben und eine Überwachung in Mastbetrieben – im Zweifel auch Zäune.

Für diesen Fall sei die Jägerschaft bereits eingebunden. Bergematerial ist verteilt worden. Zudem wurden Sammelstellen für Kadaver eingerichtet, der Sonderplan „Tierseuchenbekämpfung“ im Katastrophenschutzplan wurde aktualisiert. Erste Ausbrüche der ASP traten in der EU im Jahr 2014 bei Haus- und Wildschweinen im Baltikum auf. Seither breitet sich die Seuche Richtung Westen aus. Es gab Fälle in Polen, Belgien, Tschechien, Ungarn, Griechenland und Rumänien.