Kreis Pinneberg

Gewerkschaft besorgt wegen Tourismus-Flaute

Leere Tische vor einem Restaurant. Die Coronakrise und die strengen Hygienevorschriften machen Gastronomen und Hoteliers in der Region zu schaffen (Symbolbild).

Leere Tische vor einem Restaurant. Die Coronakrise und die strengen Hygienevorschriften machen Gastronomen und Hoteliers in der Region zu schaffen (Symbolbild).

Foto: Robert Michael / dpa

Im ersten Halbjahr 2020 kamen 52 Prozent weniger Gäste in den Kreis Pinneberg als im Vorjahr – Angestellte in Tourismusbranche geraten in Not.

Kreis Pinneberg.  Corona sorgt für einen Tourismus-Einbruch: Im ersten Halbjahr haben rund 62.500 Gäste den Kreis Pinneberg besucht – das sind 52 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen sank um 48 Prozent auf etwa 156.000 – bezogen auf alle Beherbergungsbetriebe ohne Campingplätze. Diese Zahlen teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG beruft sich dabei auf Daten des Statistischen Landesamtes.

„Die Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants über viele Wochen ganz schließen. Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Silke Kettner, Geschäftsführerin der NGG-Region Hamburg-Elmshorn. Sie fordert mehr Hilfe von der Politik.

Denn unter der Situation litten nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, sagt Kettner. Nach dieser „Durststrecke“ blickten viele Beschäftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe im Kreis Pinneberg rund 4.600 Menschen.

„Viele Beschäftigte haben aufgrund der monatelangen Kurzarbeit große finanzielle Sorgen. Mieten, Kredite und andere Zahlungsverpflichtungen können zwar für eine Zeit verschoben werden, aber nicht für immer“, sagt Kettner. Für Menschen, die selbst mit ihrem normalen Einkommen kaum über die Runden kämen, werde die Rückzahlung zu einem finanziellen Kraftakt, den nicht jeder stemmen könne.

Zwar habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können. Doch litten viele Beschäftigte weiter unter Job-Angst, da nicht absehbar sei, ob und wie die Betriebe wieder ins Laufen kämen, sagt die Gewerkschafterin.

Und weiter: „Die Gastronomie ist ein ausgewiesener Niedriglohnbereich und leidet seit Jahren unter einem eklatanten Fachkräftemangel. So verdienen ausgebildete Fachkräfte in Schleswig-Holstein nur 10,69 Euro pro Stunde. Wichtig für Beschäftigte und Unternehmen wäre insofern eine kontinuierliche Lohnentwicklung, um die Branche aus dem Niedriglohnsektor herauszuholen. Wegen der Corona-Krise dürfte das aber schwer werden.“

Die Politik sei aufgefordert, die Beschäftigten in der Branche stärker finanziell zu unterstützen und sie vor einem weiteren Abdriften in die Armut zu bewahren. Finanzielle Hilfen für die Betriebe müssten davon abhängig gemacht werden, dass auch bei den Beschäftigten mehr davon ankomme.

Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts, auf das sich die NGG beruft, waren im August bundesweit 377.000 Beschäftigte des Hotel- und Gaststättengewerbes in Kurzarbeit – das ist gut jeder dritte Arbeitnehmer. Dabei sind die vielen Minijobber nicht mitgerechnet, die keinen Anspruch auf Hilfen haben.