Kreis Pinneberg

Grabfelder sind viel mehr als nur Trauerspiel

Bürgermeister Volker Hatje, Gabriele Rausch, Ulrich Hitzler, Jürgen Kölln und Hermann Stieler am Eingang des Friedhofsbüros mit dem neu angebrachten Schild, das den Städtischen Friedhof Kölln-Reisieck als Kulturraum ausweist.

Bürgermeister Volker Hatje, Gabriele Rausch, Ulrich Hitzler, Jürgen Kölln und Hermann Stieler am Eingang des Friedhofsbüros mit dem neu angebrachten Schild, das den Städtischen Friedhof Kölln-Reisieck als Kulturraum ausweist.

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Für den bundesweiten Tag des offenen Friedhofs am 20. September sind in Elmshorn Führungen über das „immaterielle Kulturerbe“ geplant.

Elmshorn.  Diesmal ohne Kaffee und Kuchen, ohne Live-Band und ohne Ausstellungsstände: Zum bundesweiten Tag des offenen Friedhofs am Sonntag, 20. September, gibt es auf dem Städtischen Friedhof Kölln-Reisiek in Elmshorn nur ein „abgespecktes“ Programm, wie Friedhofschef Hermann Stieler enttäuscht kundgibt. „Corona bedingt können wir nur kostenlose Führungen über das Gelände anbieten“, sagt der Verwalter. Das sei aber keinesfalls ein Grund zur Trauer.

Stieler hofft, dass trotzdem viele Besucher kommen. Denn die Begräbnisstätte an der Stabeltwiete ist nicht nur eine schöne Parkanlage, sie sei auch „offen für Alles, offen für Neues“. Ob Urnenwand oder Grab, Bestattungswald, ein Muslimisches Gräberfeld, eine anonyme Beisetzung, Grabfelder für die Beisetzung nach jüdischen Begräbnisriten oder die Bestattung des geliebten Haustieres: „Wir können in Elmshorn alles anbieten“, sagt Bürgermeister Volker Hatje.

Auszeichnung als Kulturraum des immateriellen Erbes Friedhofskultur

Der Tag des offenen Friedhofs soll sich in Elmshorn aber nicht nur um das Thema Bestattungen drehen „Völlig untergegangen ist, dass das Friedhofswesen in Deutschland im März diesen Jahres als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde“, erklärt Jürgen Kölln, Betriebshof-Sachgebietsleiter. Auch auf dies wird während des Aktionstages aufmerksam gemacht, schließlich ist der Eingang zum Park mit einem Schild als Kulturraum des immateriellen Erbes Friedhofskultur gekennzeichnet.

Diese Auszeichnung hat die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission am 20. März dieses Jahres vergeben, dem Tag des pandemiebedingten Lock Downs. Die Aufmerksamkeit für das Thema war dementsprechend in den Hintergrund gerückt.

Das immaterielle Erbe umfasst nicht die Friedhöfe an sich, sondern die „lebendigen Ausdrucksformen, die von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden“, wie es die deutsche Unesco-Kommission formuliert. In Bezug auf die Friedhofskultur betrifft dies zwei große Themenfelder: Zum einen geht es darum, was auf dem Friedhof getan wird: trauern, erinnern und gedenken sowie gestalten, pflegen und bewahren. Zum anderen würdigt die Ernennung zum Erbe den vielfältigen Wert der Friedhofskultur für die Gesellschaft: kulturell, sozial oder historisch, aber auch in Bezug auf Klima- und Naturschutz, gesellschaftliche Integration oder nationale Identität.

Erste Bestattung im Oktober 1969

Die individuelle Gestaltung der Gräber in Deutschland als gärtnerische Anlage verbunden mit steinbildhauerischen Elementen – eingebunden in eine Parklandschaft – sei einzigartig und unterscheidet sich beispielsweise deutlich von mediterranen oder osteuropäischen Traditionen. Auch auf dem Städtischen Friedhof, einem zwölf Hektar großen Areal, sind Grabstätten zu finden, „die wie kleine Gärten von den Nachkommen gehegt und gepflegt werden“, erläutert Kölln. Und: „Wir haben viele Besucher, die unseren Friedhof als ein kleines Naherholungsgebiet sehen“, so Stieler.

Der städtische Friedhof der Stadt Elmshorn liegt in der Nachbargemeinde Kölln-Reisiek. Die Stadt hatte die Flächen damals gekauft, weil innerhalb der Stadtgrenzen keine geeigneten Areale gefunden worden waren. 1969 wurde er als Rasenfriedhof eingeweiht. Er zeichnet sich durch einen großen Baumbestand und viele Grünzonen aus. Die erste Beisetzung fand Anfang Oktober 1969 statt. Heute gibt es 7862 Grabstellen.

Orte der Stille und Erinnerung

Friedhöfe sind vor allem bekannt als Orte der Stille und Erinnerung, aber auf ihnen finden auch Begegnungen und Gespräche statt oder sie werden als außerschulische Lernorte von Schülern erkundet. Friedhöfe haben aber auch einen Wert für Tiere, Pflanzen und Menschen. Der Tag des offenen Friedhofs soll genau auf diese Vielfältigkeit hinweisen.

2001 wurde er in Deutschland erstmals veranstaltet. Initiatoren waren der als Verein organisierte Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im Zentralverband Gartenbau gemeinsam mit zahlreichen bundesweit tätigen Friedhofsgärtnern, Steinmetzen, Bestattern und Floristen, aber auch mit etlichen Städten und Kommunen, verschiedenen Religionsgemeinschaften und Vereinen.

Zum Aktionstag in Elmshorn präsentieren sich der Städtische Friedhof und der kirchliche Friedhof an der Elmshorner Friedensallee 39 im jährlichen Wechsel.