Kreis Pinneberg

Zehn Gemeinden bauen sich ein Super-Rathaus

Rainer Jürgensen (Mitte), Amtsdirektor des Amtes Geest und Marsch Südholstein, sowie die Vorstände der Raiffeisenbank Elbmarsch, Sönke Hahn (l.) und Torsten Wölm, auf der Baustelle.

Rainer Jürgensen (Mitte), Amtsdirektor des Amtes Geest und Marsch Südholstein, sowie die Vorstände der Raiffeisenbank Elbmarsch, Sönke Hahn (l.) und Torsten Wölm, auf der Baustelle.

Foto: Thomas Pöhlsen

Viel Platz, moderne Arbeitsplätze: Der Verwaltungsbau in Heist, den die Raiffeisenbank Elbmarsch erstellt, nimmt Gestalt an.

Heist/Moorrege.  „Das wird das modernste Rathaus im Kreis Pinneberg“, sagt Rainer Jürgensen, Amtsdirektor des Amtes Geest und Marsch Südholstein. Er freut sich. An der B 431 in Heist entsteht zurzeit der neue Sitz der Amtsverwaltung. Das zukünftige „Rathaus für die zehn amtsangehörigen Gemeinden“, so die Selbstdarstellung, wird allerdings nicht vom Amt gebaut, sondern von der Raiffeisenbank Elbmarsch, die es dann an die Behörde vermietet. Zufrieden zeigen sich bei einer Baubesichtigung auch die beiden Vorstände der Genossenschaftsbank, Torsten Wölm und Sönke Hahn.

Die Büros sind nach neuesten arbeitsökonomischen Gesichtspunkten gestaltet. Und die Mitarbeiter können sich durch Fluchttüren vor aggressiven Bürgern in Sicherheit bringen. Übergriffe gebe es leider immer häufiger, so der Verwaltungsleiter. Diese Fluchtmöglichkeiten gibt es im jetzigen Domizil nicht.

Das alte Verwaltungshaus ist zu klein geworden

Das alte Verwaltungshaus an der Moorreger Amtsstraße ist zu klein für die mittlerweile 110 Mitarbeiter geworden. Immer neue Aufgabe sorgten für ein Wachsen des Verwaltungskörpers. Teile der Belegschaft müssen deswegen ausgelagert in Haseldorf arbeiten. Eine kostenträchtige Sanierung wäre nötig gewesen. Ein Erweiterungsbau stieß auf massiven Widerstand der Nachbarn.

Auf der Fläche im Kreuzungsbereich von Wedeler Chaussee, Hauptstraße und Heideweg, auf der sich früher eine Gärtnerei befand, entsteht nun ein Gebäude mit drei Vollgeschossen. Die Bürofläche beträgt gut 3000 Quadratmeter bei einer Gesamtnutzfläche von 5350 Quadratmetern. Es gibt 91 Räume plus Sitzungssaal. Für Besucher und Mitarbeiter werden 48 Parkplätze vor und neben dem Haus sowie 42 Parkplätze in der Tiefgarage geschaffen.

Auch eine Bankfiliale wirdin den Neubau einziehen

In den Gebäudekomplex soll zudem die Filiale der Raiffeisenbank in Heist einziehen. Derzeit befindet sie sich am Großen Ring „doch etwas abseits“, wie Hahn sagt. Mit dem Umzug an die stark befahrene Bundesstraße will die Bank ihren Kunden kürzere Wege und besseren Service bieten. Was mit der dann nicht mehr gebrauchten Immobilie am Großen Ring passieren soll, haben die Banker noch nicht entschieden.

2019 begannen die Arbeiten mit dem Bau einer Abbiegespur, über den der Verkehr von und zu dem Gebäudekomplex stressfrei abgewickelt werden soll. Erste Erschließungsarbeiten auf dem Grundstück starteten im Februar 2020. Der erste Spatenstich für das Gebäude musste Corona-bedingt ausfallen. Der Grundstein wurde im Juli in kleinem Rahmen gelegt. Mit den Arbeiten wurden Unternehmen und Handwerker aus der Region beauftragt, die in der Regel auch geschäftlich mit der Marsch-Bank verbunden sind.

Das neue Amtsgebäude soll im Herbst 2021 fertig sein

Aktuell liegt der Bau zwei bis drei Wochen hinter dem Zeitplan. Die Verzögerungen rühren von Rammarbeiten in der Anfangsphase her. Mehrere Dutzend Steine mit einem Durchmesser von bis zu eineinhalb Metern lagen versteckt im Erdreich und mussten zeitaufwendig geborgen werden. Die Planer vermuten, dass es sich um Steine ähnlich des bei den Bohrungen für die vierte Elbtunnelröhre entdeckten und jetzt am Strand von Övelgönne liegenden „Alten Schweden“ handeln dürfte, der in der Eiszeit vor mehr als 320.000 Jahren seine Reise aus dem hohen Norden antrat.

Die Fertigstellung des Amtsgebäudes ist für den Herbst 2021 vorgesehen. Das Amt mietet das Amtshaus für 25 Jahre von der Bank. Mieten sei billiger als selbst zu bauen, so das Argument der Mehrheit im Amtsausschuss, die das Projekt im Dezember 2018 abgesegnet hatte. Eine komplizierte Rechnung haben die Bankvorstände mit dem Amtsdirektor ausgehandelt. Das Amt zahlt anfangs rund 400.000 Euro jährlich an Miete. In das Vertragswerk wurden allerdings Steigerungen eingebaut. So wurde eine Staffelmiete vereinbart. Ab dem elften Jahr greift eine weitere Erhöhung.

Die Bank darf dann die Inflationsrate des jeweils vergangenen Jahres aufschlagen. Die Kosten für das Amt könnten aber noch steigen. Sollten die tatsächlichen Baukosten höher als die damaligen Kalkulationen liegen, kann das Geldinstitut Nachschlag fordern. Wie viel die Miete die zehn amtsangehörigen Gemeinden gekostet hat, steht damit erst 25 Jahre nach dem Einzug der Verwaltung fest. Das Amt hatte 2018 Baukosten zwischen 15 und 17 Millionen Euro geschätzt, wenn das Amtshaus in Eigenregie errichtet worden wäre.