Kreis Pinneberg

Wer die Verkehrsregeln kennt, fährt sicherer

Unfälle mit verletzten Radfahrern nehmen überproportional stark zu. Ein Grund: Verkehrsteilnehmer wissen nicht, wie sie sich verhalten müssen.

Kreis Pinneberg.  Die Zahl der Unfälle im Kreis Pinneberg, bei denen Fahrradfahrer zu Schaden kommen, steigt. Und zwar stark. Ein Plus von 8,8 Prozent hat die Polizei 2019 innerhalb nur eines Jahres registriert, genau 546. Bei insgesamt 1161 Verkehrsunfällen mit Verletzten im selben Zeitraum bedeutet das: Nahezu jeder zweite Verletzte war ein Radfahrer.

Der Kreis Pinneberg verzeichnet damit den dritthöchsten Anstieg in Schleswig-Holstein bei Unfällen unter Beteiligung von Fahrradfahrern. Nur in den Kreisen Nordfriesland (11,9 Prozent) und Rendsburg-Eckernförde (11,3 Prozent) gab es mehr Unfälle mit Fahrradbeteiligung. Landesweit wurden im vergangenen Jahr 4591 Unfälle mit Fahrradbeteiligung gezählt. Im Vergleich zu 2018 ist das ein Anstieg um 2,1 Prozent.

Auffallend ist über die letzten Jahre der stetige Anstieg der Unfälle, in die Pedelec- und E-Bike-Fahrer involviert sind. Der landesweite Anstieg ist sogar vollständig darauf zurückzuführen; die Zahl der Verkehrsunfälle mit konventionellen Fahrrädern sank hingegen leicht. Im Kreis Pinneberg verunglückten 2016 lediglich 25 Fahrer dieser Räder mit Elektrohilfsmotor. 2019 waren es schon 67. Tendenz: weiter steigend. Allerdings hänge dieser Anstieg auch mit der weiteren Verbreitung der Elektroräder zusammen, sagt der Pressesprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg, Lars Brockmann. Dass die Fahrer mit einem E-Bike oder Pedelec schneller unterwegs seien als mit einem herkömmlichen Fahrrad, „dürfte erfahrungsgemäß eine geringere Rolle spielen“, meint er.

Alle tödlich verunglückten Elektroradler waren Senioren

Aber vielleicht das Alter der Fahrer, wie landesweite Zahlen vermuten lassen. 16 Menschen, zwölf davon Senioren über 65 Jahre, verloren 2019 in Schleswig-Holstein ihr Leben bei einem Verkehrsunfall auf dem Fahrrad. Sieben davon waren E-Bike-Fahrer – und alle sieben Senioren.

Im Kreis Pinneberg weisen die 45 bis 65-Jährigen den höchsten Anteil bei Fahrradunfällen auf. Sie sind auch die Altersgruppe, die überwiegend auf Elektrorädern fahren. Allerdings stellen sie in der Gesamtbevölkerung des Kreises auch den höchsten Anteil dar.

Ulf Brüggmann vom ADFC beobachtet auch, dass es vermehrt zu Unfällen komme, bei denen beide Beteiligten Radfahrer sind. Die Polizei führt über diese Konstellation noch keine Statistik.

Im ersten Halbjahr 2020 zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Bisher seien in 271 Fällen Radfahrer an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt gewesen. In den letzten fünf Jahre ist das der niedrigste Wert. 2017 waren es im selben Zeitraum 342 Fälle. Eine mögliche Erklärung: Während des Corona-Lockdowns waren weniger Menschen als sonst unterwegs, und bis heute entfällt für viele immer noch der Weg ins Büro, weil sie im Homeoffice tätig sind.

Auf jeden Fall lässt sich laut Polizeisprecher Brockmann aus den Zahlen nicht ablesen, dass das Rad in der Corona-Zeit häufiger als sonst genutzt worden wäre.

Wenn es im Kreis Pinneberg zu einem Unfall mit Fahrradfahrern kommt, ist nach Einschätzung der Polizei eine der häufigsten Ursachen die falsche Fahrwegnutzung. Ulf Brüggmann vom ADFC sieht das ähnlich, er vermutet oft allerdings auch schlicht Unwissenheit denn Vorsatz. Und die neuen Regeln vom April in der Straßenverkehrsordnung verwirrten die Menschen zusätzlich. „Die Nachfragen bei der Polizei sowie beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub häufen sich“, sagt der ADFC-Mann.

ADFC, Polizei und das Hamburger Abendblatt haben deshalb einmal zusammengestellt, was häufig falsch gemacht wird und wie es richtig geht. Ulf Brüggmann hat da seine ganz eigene Formel: „Es ist ganz einfach: Rechts fahren, Schilder beachten. Und mit Rücksicht und Verständnis aller Verkehrsteilnehmer untereinander sind alle sicher und komfortabel unterwegs.“

In Ihrer Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg erklären ADFC, Polizei und das Hamburger Abendblatt , was die häufigsten Fehler und Missverständnisse sind – und wie es richtig geht.