Kreis Pinneberg

Künstlerischer Aufbruch aus der Corona-Starre

Michaela Berbner empfindet ihr Bild der Frau mit fliegenden Haaren als Inbegriff von Freiheit.

Michaela Berbner empfindet ihr Bild der Frau mit fliegenden Haaren als Inbegriff von Freiheit.

Foto: Katja Engler

Die Jahresausstellung der Künstlergilde Pinneberg in der Drostei macht den Anfang neuer Aktivitäten nach der Zwangspause zum Thema.

Pinneberg.  „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ Diese Frage, die aus dem Mund des Malers Vincent van Gogh stammen soll, hat die Fotografin Claudia Schnack dem Foto eines jugendlichen Wellenreiters beigefügt, der sichtliches Vergnügen an eben diesem Risiko hat. Es gehört zu der neuen Ausstellung der Künstlergilde in der Drostei, die am Sonnabend mit 24 Bildern und sieben Skulpturen von elf Künstlern eröffnet wird.

Wie der junge Surfer hat auch die Frau nebenan den Kopf in den Wolken, so dass ihre Haare hoch hinauf fliegen. Das Bild in Mischtechnik stammt von Michaela Berbner, die damit die Aufforderung verbindet, sich im Augenblick zu finden und die Fantasie spielen zu lassen: „Dieses Gefühl der Freiheit ist doch das, was wir alle haben wollen“, sagt sie.

Gegenüber erstrahlen die Traum-Bilder von Freddy Rode, der den Himmel zum Hauptelement macht. Auf dem einen schwebt ein meditierender Mönch in der Luft, auf dem anderen reitet ein Mensch im königlichen Mantel auf einer Schnecke durch eine Wüste, indem er das langsame Tempo hinnimmt und sich fügt. Beide realistisch gemalten Bilder strahlen durch die Weite des Raumes Freiheit und Leichtigkeit aus.

Einen zerklüfteten Berg, in ebenso zerklüfteter Spachteltechnik entstanden, tituliert Bettina Jungmann mit „Schritt für Schritt bergauf.“ Es handelt sich um ein Bergmassiv, das nicht leicht zu erklimmen ist. Aufbruch zum Gipfel?

Einen Raum weiter hat die Bildhauerin Gudrun Wolff-Scheel in Sandstein eine „Tanzende“ in einer Nische postiert. Nur noch ein Torso steht dort in unerschütterlicher Ruhe, Bewegung mag man ihr nicht so recht abnehmen. Eher verkörpert ein Holzscheit den „Aufbruch“, der aus einem steinernen Schiff in die Höhe ragt.

Aus einer monochrom grauen Fläche lässt dann Christiane Schedelgarn durch übermalte Faltungen und Fäden fächerförmige Blumen emporwachsen. Martin Musiol präsentiert daneben drei Variationen einer Schreienden. Einmal gemalt auf und unter drei übereinander montierten Glasscheiben, einmal als mit Schraffuren und harten Strichen gezeichnetes Relief und dann, ganz in Weiß belassen und nur die äußeren Linien betonend, ein weiteres Relief, auf dem ausschließlich die Schatten Tiefe erzeugen. Wie ein sich verwandelndes Echo.

Zudem erweitert Gabriele Siebert-Hansen die Fotografie durch Experimente in Malerei mit Farben und Effekten. Gudrun Probst experimentiert mit dem Kontrast zwischen Weich und Hart, wild und geordnet: Ihr „Buch des Lebens“ ist nur scheinbar weich, in Wahrheit aber eisenhart, doch drinnen leuchten emaillebunte Bilder.

Konkret fasst Renate Fürst den „Aufbruch“ auf: Mit recht trockenem Pinsel auf aufgerautem Grund umgibt sie die schemenhaften Umrisse sich entfernender Figuren mit gelbem Licht.

„Brich auf!“ Eröffnung: Sonnabend, 12. September, 16 Uhr nur nach vorheriger Anmeldung mit Angabe der Kontaktdaten unter info@kuenstlergilde-pinneberg.de. Bis 27. September, Drostei Pinneberg, geöffnet Mi-So 11 bis 17 Uhr, Eintritt drei/1,50 Euro.