Rellingen

Politik empört – CDU lehnt Azubi in Kita ab

ARCHIV - 24.04.2019, Brandenburg, Wandlitz: Kinderrucksäcke hängen im Eingangsbereich eines Kindergartens. (Zu "Kitas in Brandenburg sollen wieder für alle Kinder öffnen") Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 24.04.2019, Brandenburg, Wandlitz: Kinderrucksäcke hängen im Eingangsbereich eines Kindergartens. (Zu "Kitas in Brandenburg sollen wieder für alle Kinder öffnen") Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Die Christdemokraten in Rellingen haben nach ihrer Aussage gute Gründe. Die versprochene Finanzierung sei unklar. Grüne sind enttäuscht.

Rellingen. Weil Erzieher knapp sind und die nahe Großstadt Hamburg viele junge Erzieher anlockt, hat das Land Schleswig-Holstein vor Kurzem das Programm PiA (Praxisintegrierte Ausbildungsform) aufgelegt. Die Finanzierung dieses Programms, das junge Erzieher im Land halten soll und deshalb finanzielle Anreize bietet, ist jedoch noch immer unklar. Deshalb hat die Rellinger CDU jetzt im Ausschuss für Kinder, Jugend und Sport abgelehnt, dem Antrag der WABE auf solche Zuschüsse für die Ausbildung einer Erzieherin zu folgen. „Wir sind wie vor den Kopf gestoßen“, sagt der Ausschuss-Vorsitzende Achim Diekmann (Grüne). „Das war noch bis Januar Konsens im Ausschuss!“

Noch im Mai 2019 sei ein vergleichbarer Antrag der DRK-Kita in Egenbüttel positiv beschieden worden. „Der Personalmangel im Erzieherbereich ist schon jetzt dramatisch“, sagt Diekmann. Viele Verrentungen stünden vor der Tür, ab August würde durch das Kita-Gesetz der Personalschlüssel erhöht, und ab 2024 gebe es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Alles Argumente dafür, sich dem PiA-Ausbildungsprogramm anzuschließen, dessen praktischer Teil bereits in einer festen Kita stattfindet.

„Keine Fraktion ist davon ausgegangen, dass die CDU das ablehnen würde“, sagt Diekmann. „Die wollen jetzt Geld sparen. Aber so wird am falschen Ende gespart.“ Auf die Abendblatt-Anfrage hin legt Martin Claussen (CDU) den Finger in die Wunde: „Die Kitareform von Land und Bund ist mit Auflagen verbunden. Unklar ist nach wie vor, wie das Land sich da beteiligt. Wenn das den Kommunen aufs Auge gedrückt wird, sehen wir das nicht ein.“

Auf Kreis und Land könne man sich nicht verlassen, sagt Claussen: „Es ist grotesk, wie da mit den Kommunen verfahren wird.“ Rellingen unterhält sieben Kindergärten unterschiedlicher Träger, alle mit anerkannt hohen Standards, so Claussen. Dies sei der zweitgrößte Haushaltsposten in der Gemeinde, das jährliche Defizit liege bei knapp drei Millionen Euro. Die Rellinger CDU sei nicht grundsätzlich dagegen, einen solchen Erzieher-Ausbindungsplatz mit zu finanzieren. „Aber coronabedingt kommen verringerte Einnahmen auf uns zu. Wir werden weniger Gewerbesteuern und weniger Einkommenssteuern einnehmen“, sagt Claussen.

Die Entscheidung gegen die Finanzierung sei wohlüberlegt gewesen, „die momentane Situation erlaubt es uns nicht, noch mehr Kosten zu verursachen. Das ist dem Steuerzahler gegenüber unverantwortlich.“ Ende 2019 sei dagegen eine „total andere Situation“ gewesen. „Da konnten wir uns das noch leisten.“

So liegen die Fakten: Die Ausbildung an der Berufsschule des Kreises in Pinneberg dauert drei Jahre und gliedert sich in theoretische und praktische Ausbildungsteile. Der jeweilige Träger zahlt dann dem oder der Auszubildenden eine Vergütung. Ursprünglich hatte der Bund mit seiner Fachkräfte-Offensive für Erzieher finanzielle Zusagen gemacht. Die wurden dann wieder einkassiert.

Da inzwischen klar ist, dass auch vom Land kein Geld dafür kommt, hat die Rellinger Verwaltung empfohlen, für die drei Ausbildungsjahre bis zu 60.000 Euro einzustellen. Das war der CDU zu heiß. Immerhin will der Fachdienst Jugend und Bildung des Kreises die Kommunen zu einem Meinungs- und Erfahrungsaustausch einladen.