Kreis Pinneberg

Open-Air-Vergnügen: Pinneberg gibt sich ein Konzert

Pinneberg singt, Vorbereitung zum Open Air Konzert mit Heide Hammerschmitt-Klatt (Vfl Pinneberg) und Chorleiter Sören Schröder auf der Kampfbahn B, Pinneberg

Pinneberg singt, Vorbereitung zum Open Air Konzert mit Heide Hammerschmitt-Klatt (Vfl Pinneberg) und Chorleiter Sören Schröder auf der Kampfbahn B, Pinneberg

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

So eine musikalische Mitmachaktion hat es in der Stadt noch nicht gegeben. Bis zu 500 Menschen singen gemeinsam. Wie das geht.

Pinneberg.  „Pinneberg singt!“ Das ist nicht nur eine Tatsache, sondern auch ein Event, das am Sonnabend, 19. September, auf der Kampfbahn B (An der Raa 12) stattfindet. In Zeiten von Corona ist es auch das größte Konzert, das sich die Kreisstadt seit dem Lockdown selbst gibt: 500 Stimmen werden auf dem Sportplatz des VfL Pinneberg zu einem Chor verschmelzen.

„Wir sind so froh, dass wir die Kultur wieder hochholen und hier gemeinsam singen können“ freut sich Chorleiter, Entertainer und Komponist Sören Schröder. Das bestätigt auch Heidi Hammerschmitt-Klatt vom Sportverein VfL Pinneberg, die gemeinsam mit dem Musiker unter akribischer Berücksichtigung aller Vorgaben des Landes ein Open-Air-Konzept erarbeitet hat.

Pinneberg soll wieder Gemeinsamkeit erleben

Über einen Freund, den ehemaligen VfL-Geschäftsführer Sönke-P. Hansen, kamen die Pinneberger Sportlerin und der Elmshorner zusammen. Viele im Verein kennen das musikalische Erfolgsprojekt „Der Norden singt“, das Sören gemeinsam mit seinem Bruder betreut, und waren von der Idee, ein gemeinsames Chor-Event zu starten, begeistert, erklärt Hammerschmitt-Klatt. Denn: „Uns fehlt es, mit vielen Menschen etwas zusammen zu machen. Auch etwas für Pinneberg, etwas, für das der VfL auch steht: Gemeinsamkeit.

Zwei Wochen haben die Ideensuche und der Austausch zwischen dem Chorleiter, dem Verein, dem Ordnungsamt und dem Gesundheitsamt gedauert, bis das Konzept abgesegnet wurde. Der Sportplatz, mit Platz für bis zu 500 Menschen, ist in Parzellen aufgeteilt, sodass ein Mindestabstand von 1,5 Metern in jede Richtung vorhanden ist. Ein Einbahnstraßen-System führt die Gäste zu ihren Plätzen, sodass Laufwege sich nicht kreuzen. Und wie gewohnt werden Masken bis zum Platz getragen. Dort können sie abgenommen werden.

Sitzgelegenheiten muss jeder selbst mitbringen

Die Verordnung fordert zum Sitzen während des Events auf, und daher benötigt jeder Teilnehmer einen Sitzplatz. Vom leichten Hocker, Klappstuhl, Melkschemel über den Holzkoffer, die Wohnzimmercouch bis hin zum Kanapee – alles ist möglich, so der Veranstalter. Auch Getränke müssen mitgebracht werden, ein Ausschank ist untersagt. Es gibt keine aufwendige Bühnentechnik, keine Pyro­show, keine Pausen. „Trink vorher, sing mit und geh zu Hause aufs Klo!“, umschreibt Hammerschmitt-Klatt mit einem Schmunzeln ihre Kurzversion der Verordnung. Sanitäre Einrichtungen sind allerdings vorhanden.

Für die wettererprobten Schleswig-Holsteiner sollte es kein Problem sein, dass der Abend bei jeder Witterung stattfindet. „Hauptsache, die Kultur kommt wieder ins Rollen. Selbst wenn es dafür mal eine Regenjacke oder einen Regenschirm brauchen sollte“, sagt der gebürtige Elmshorner Schröder.

Auch der Kartenvorverkauf ist durchdacht: Den Tickets, die im Bücherwurm und beim VfL gekauft werden, ist ein Kontaktformular beigefügt. Nur wenn dieses ausgefüllt ist, ist der Einlass möglich. „Das erspart das leidige Desinfizieren von Kugelschreibern vor Ort und ein langes Schlagestehen vor dem Einlass“, erklärt Sören Schröder. Nur wer ein Online-Ticket besitzt, braucht kein Kontaktformular, ​da diese Daten bei der Buchung aufgenommen werden.

Erfahrung im Singen ist Nebensache

Mitmachen kann jeder, ganz egal ob jung oder alt, ob im Gesang erfahren oder unerfahren, talentiert oder talentfrei. Bei „Pinneberg singt!“ sind alle willkommen, die gern singen. Mit Sören Schröder am Stagepiano und einer Solistin wird ein buntes Repertoire aus bekannten Songs diverser Genres gesungen. Die Liedtexte werden zum Mitlesen an eine große Leinwand projiziert. Es gibt keine Teilnahmebedingungen, und es ist keine Vorbereitung nötig.

Der Musiker freut sich: „Wir erobern uns mit diesem Konzert ein Stück Musikkultur zurück..“

„Musik mache ich seit Ewigkeiten, kann nicht genau sagen, wann das alles angefangen hat“, antwortet Sören Schröder auf die Frage, wann seine musikalische Laufbahn begann. Es war wohl sein Vater Jörn von der plattdeutschen Musikgruppe Liekedeler, der ihn und seinen Bruder Niels mit dem Virus infizierte. Gemeinsam mit Niels entwickelte der gelernte Bankkaufmann 2013 „Hamburg singt!“, damals ein einzigartiges Chorprojekt, das Menschen und Musik auf die einfachste Art miteinander verbindet und mit dem sie wöchentlich Gemeindesäle füllten. Beim ersten Hamburger Sommersingen mit Stefan Gwildis im Hamburger Stadtpark kamen etwa 3000 Menschen. Regelmäßig waren alle anderen Mitsingevents in Norddeutschland, die die Schröder-Brüder ins Leben riefen, ausverkauft. Doch damit nicht genug: Unter dem Motto „Singen war niemals „out“, aber jetzt machen wir es wieder „in‘“ arbeitet der Autodidakt als Chorleiter verschiedener Chöre, als Vocalcoach und Musical Director. ​ Als Leiter professioneller Künstlerchöre stellte Schröder bereits den Backgroundchor für die Deutschlandtournee des internationalen Superstars Josh Groban aus den USA. Seitdem brachte er Chöre auch für Howard Carpendale, Adel Tawil, Joja Wendt und Stefan Gwildis auf die Bühne. ​Seit 2012 produziert Schröder im eigenen Studio Pop- und Gospelmusik und spielte in diversen Projekten als Schlagzeuger unter anderem bereits mit und für Johannes Oerding, Alexander Knappe oder Big Soul.

Auch Konzerte in Bargteheide und Glückstadt

Trotz Corona singen die Brüder weiter: Unter dem Motto „Der Norden singt zu Hause“ streamt das musikalische Team um Niels Schröder Welthits der Rock und Popmusik zum Mitsingen auf ihrem YouTube-Kanal. Mit Tipps zum Singen daheim und wöchentlichen Livestreams machen viele mit ihm gemeinsam weiter Musik. Sören Schröder hingegen tourt. Am Sonnabend, 12. September, singt er in Bargteheide auf dem Fußballfeld des TSV (Resttickets nur noch vor Ort), „Glückstadt singt!“ heißt es am Freitag, 18. September, am Hafen. Weitere Konzerte sind in Planung.