Kreis Pinneberg

Stau in Wedel – Nordumgehung ist gestorben

Stau auf der B 431, Alltag in Wedels Altstadt.

Stau auf der B 431, Alltag in Wedels Altstadt.

Foto: Rahn

Bund finanziert das jahrzehntelang diskutierte Projekt nicht. Was bedeutet das für das geplante Neubaugebiet Wedel-Nord?

Wedel.  „Die Nordumgehung ist tot.“ Olaf Wuttke, Fraktionschef der Grünen im Wedeler Rat, ist empört. Nicht darüber, dass das umstrittene Projekt nun offenbar tatsächlich vom Tisch ist – die Grünen waren von jeher sowieso dagegen. Ihn wurmt, dass das Aus offenbar bereits im Februar bei einem Gespräch zwischen Vertretern des Wedeler Bauamts, des Landesverkehrsministeriums und des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr feststand, die Parlamentarier aber erst vor vier Wochen durch eine Mail mit dem Gesprächsprotokoll darüber informiert wurden und es seitdem keinerlei offizielle Verlautbarung dazu gab. Wuttke: „Hat die Stadt Muffen, dass sie von den Bürgern an die Backen bekommt?“ Deshalb habe man versucht, das Ganze möglichst stillschweigend zu übergehen.

Bürgermeister Niels Schmidt verwahrt sich dagegen: „Das ist Quatsch.“ Das offizielle Gesprächsprotokoll habe erst nach Monaten vorgelegen und sei dann kommuniziert worden. Jetzt gehe das Ganze seinen Weg. Martin Schumacher (FDP) bestätigt das: „Ich sehe da keine Verschleierung oder ähnliches. Für mich war völlig klar, dass wir nun im Planungsausschuss und der AG Wedel-Nord darüber reden würden.

FDP-Fraktion legt eine radikale Kehrtwende hin

Tatsächlich wird die Nordumgehung wohl im Planungsausschuss kommenden Dienstag diskutiert werden – auf der Agenda steht der Punkt Wedel-Nord. Das geplante Neubaugebiet sollte über einen Zubringer an die angepeilte Nordumgehung angeschlossen werden. Und das ist das Problem: Der Bund, der den Bau der Bundesstraße eigentlich bezahlen sollte, lässt Zubringerstraßen gemäß den Regularien nicht zu. Ohne Anbindung für Wedel-Nord wiederum macht eine Nordumgehung für einige Fraktionen aber keinen Sinn, da dann der zu erwartende Verkehr, den die neuen Wohngebiete mit sich brächten, noch zusätzlich über die B 431 durch Wedels Innen- und Altstadt rollen würde. So sieht es beispielsweise die FDP-Fraktion, einst glühende Verfechterin der Nordumgehung, und legt eine radikale Kehrtwende hin: Sie nimmt Abstand von der Idee. „Wenn du merkst, dass das Pferd tot ist, musst du absteigen“, sagt Schumacher, der planungspolitischer Sprecher der Liberalen ist. Es sei die bisher schwerste Kurskorrektur des FDP-Programms in der aktuellen Wahlperiode, doch sie sei nötig. Auch wenn es noch einen Ratsbeschluss braucht, damit die Nordumgehung als Bundesstraße endgültig vom Tisch ist, ist das de facto damit aber wohl Tatsache. Zumal auch die SPD nur unter der Bedingung mitgemacht hätte, dass die Bahntrasse mittels Untertunnelung gequert wird. „Aber wer sollte das bezahlen?“, fragt Sophia Jacobs-Emeis, Vorsitzende der Fraktion.

Umgehung als kommunale Straße bauen?

Was dann? Die Südumfahrung bekommt definitiv keine politische Mehrheit. Doch eine Lösung muss her, und zwar sowohl zur Entlastung der Altstadt als auch zur Verkehrsanbindung von Wedel-Nord. „Ich sehe die große Gefahr, dass einige Leute, denen das Bauprojekt Wedel-Nord suspekt ist, nun darauf dringen könnten, dass es ganz fallengelassen wird“, befürchtet Schumacher. Er liebäugelt deshalb mit der CDU-Idee, eine Umfahrung auf der geplanten Trasse nicht als Bundes-, sondern als Kommunalstraße zu bauen. Michael Schernikau (CDU), Stadtpräsident und früherer Planungsausschussvorsitzender, sagt: „Wir fordern das seit 15 Jahren, wir könnten diese Straße schon seit zehn Jahren haben.“ Damals, meint er, hätte die Stadt das auch noch bezahlen können. Schernikau hält aber eine „kreditäre Finanzierung“ für möglich. Ob es Zuschüsse gebe, müsse geprüft werden.

Ganz andere Ideen verfolgen Grüne und WSI: Sie wollen ein neues Verkehrskonzept, die WSI ist auch gegen Wedel-Nord. „Wir müssen beispielsweise durch eine gute Radweginfrastruktur erreichen, dass nicht mehr so viele Leute das Auto nutzen, dann hat sich das Problem der Überlastung der B 431 von selbst erledigt“, meint René Penz (WSI). Statt eines riesigen Neubaugebiets, das die Stadt Wedel „gar nicht verkraften kann“, sei es sinnvoller, innerstädtisch zu verdichten. Und die Linken? Die sind „alles andere als begeistert“, sagt Bastian Sue, „wir waren für die Nordumgehung“. Jetzt gilt es, sich neu zu sortieren – für alle.

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es unzutreffend, auch die Grünen lehnten Wedel-Nord ab.