Kreis Pinneberg

Corona-Krise: Uetersen verliert zwei Ankerpunkte

Uetersen gestern und heute Hier: Großer Sand

Uetersen gestern und heute Hier: Großer Sand

Foto: Sebastian Becht

Zwangsdigitalisierung durch den Lockdown hat reale Folgen: Die Agentur für Arbeit und die Commerzbank schließen.

Uetersen.  Uetersen verliert zwei Institutionen: Die Agentur für Arbeit und die Commerzbank verlassen die Stadt. Und es ist in beiden Fällen eine Folge der Corona-Krise.

Gerold Melson, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Elmshorn, sagt: „Alle Angelegenheiten, für die die Kunden sonst persönlich erschienen sind, können auch online oder telefonisch geregelt werden.“ Das habe die in den vergangenen Monaten gewonnene Erfahrung gezeigt. „Nur wenn es nicht anders geht, laden wir Kunden zum persönlichen Gespräch ein“, sagt Melson. Doch selbst ein Identifikationsnachweis, für den bislang persönliches Erscheinen bei der Behörde verpflichtend gewesen sei, sei nun digital möglich.

In den kommenden Wochen soll es für die Angestellten der Agentur auch möglich sein, Videokonferenzen mit den Kunden abzuhalten. Falls ein persönliches Gespräch nötig ist, werden die Kunden im benachbarten Jobcenter oder an den Standorten Pinneberg und Elmshorn beraten. Die zehn Angestellten der Uetersener Filiale mit Adresse An der Klosterkoppel 15 werden voraussichtlich im ersten Quartal 2021 an die anderen Standorte wechseln.

Persönliche Gespräche beim Amt? Nicht mehr nötig

Die Pandemie habe deutlich gemacht, dass persönliche Gespräche gar nicht immer nötig seien, so Melson „Man muss nicht mehr zur Behörde gehen.“ Fahrtwege fielen weg, und die Kunden seien auch zufrieden. Das zeige die niedrige Zahl an Beschwerden, die es während der Corona-Zeit gegeben habe, so Melson. Eine Schließung des Standorts Uetersen sei vor Corona aber nicht geplant gewesen.

Anders sieht es bei der Commerzbank aus. Das bundesweite Aus für 200 Filialen wurde bereits im Herbst 2019 beschlossen. Durch die Pandemie hat sich der Vorgang aber beschleunigt. Die Uetersener Filiale im Großen Sand 31 ist bereits seit Mitte März geschlossen. „Die Mitarbeiter sind noch vor Ort, um ihre Kunden telefonisch zu beraten“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Geöffnet werde die Filiale aber nicht mehr. Bereits zum Jahresende sei geplant, die drei Mitarbeiter der Filiale in Uetersen nach Pinneberg zu versetzen. Ihre Kunden behalten sie.

Nach der Schließung soll es in Uetersen auch keinen Selbstbedienungsschalter der Commerzbank mehr geben. Der Trend zum Online-Banking sei schon vor Corona erkennbar gewesen. Ein Großteil der Kunden tätige Überweisungen bereits online. Auch zum Geldabheben müsse man nicht mehr zur Bank gehen, sagt die Unternehmenssprecherin. Das sei heute auch an einigen Supermarktkassen möglich.

Dennoch gebe es noch genug Notwendigkeiten, um eine Bankfiliale persönlich aufzusuchen, so die Marktbereichsleiterin Julia Niemeyer von der Commerzbank in Pinneberg. Zum Beispiel bei der Baufinanzierung oder Vorsorgeplanung suchten die Kunden das persönliche Gespräch.