Pinneberg

Fielmann spendet Pinneberg Museum "frische" Blumen

Museumschefin Ina Duggen-Below mit zwei der drei Schenkungen: Links ein Bild von Rosa Maria Christiane Krüger, rechts eines von Helene Cramer.

Museumschefin Ina Duggen-Below mit zwei der drei Schenkungen: Links ein Bild von Rosa Maria Christiane Krüger, rechts eines von Helene Cramer.

Foto: Katja Engler

Drei Stillleben von norddeutschen Künstlerinnen werden Teil der neuen Sonderausstellung "Claras Bilder".

Pinneberg.  Der willkommene Geschenkeregen, den die rührige Fielmann AG aktuell auf das Pinneberg Museum herniedergehen lässt, besteht diesmal aus einem Blütenregen: Drei sommerliche Blumenstillleben sind am Dienstag vom Pinneberger Filialleiter Marco Klose dem Förderverein des Museums als Schenkung übergeben worden. Noch sind die drei Ölbilder, die frisch vom Restaurator kommen, nicht öffentlich zu sehen – aber das wird im Dezember nachgeholt, wenn die Sonderausstellung „Claras Bilder – Die Pinneberger Malerin Clara von Sivers“ eröffnet wird. In dieser Sonderausstellung werden auch Bilder anderer Malerinnen der Zeit präsentiert. Bereits früher hat die Fielmann AG für die Ausstellung den Grundstein gelegt und dem Museum drei Ölgemälde, Lithografien, Künstlerpostkarten und kunsthandwerkliche Zeitschriften auf Dauer überlassen.

Die eine der drei neuesten Schenkungen stammt nun von Clara von Sivers’ Schwester, Rosa Maria Christiane Krüger, mit der die von Sivers sich in Kiel ein Atelier teilte; die zweite von der Hamburger Malerin Helene Cramer und das dritte Bild ebenfalls von einer Zeitgenossin, der Lübecker Malerin Anna Gasteiger, die möglicherweise als einzige Frau an der königlichen Akademie der bildenden Künste in München studieren durfte. „Das müssen wir aber nochmal nachprüfen“, merkt die Museumsleiterin Ina Duggen-Below an. Anna Gasteiger gründete 1902 mit ihrem Mann am Ammersee eine Künstlerkolonie.

Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts durften nur an privaten Schulen studieren

Die beiden anderen Künstlerinnen, so viel ist verbrieft, nahmen, wie Tausende von anderen begabten Frauen ihrer Zeit, Unterricht an privaten Kunstakademien – oder gründeten kurzerhand selbst eine solche, wie Clara von Sivers, von der also im Winter noch viel mehr zu hören sein wird. Nun erst mal so viel: Pinneberg ist jetzt um drei Bilder eines Genres reicher, das in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts, dem Goldenen Zeitalter, zur Höchstform auflief.

Die drei Pinneberger Stillleben sind weniger hoch anzusiedeln, der Kunsthistoriker Jürgen Oswald rechnet sie der Gebrauchskunst zu: „Mittlere Qualität“, lautet sein strenges Urteil. Da er stets und ständig landauf, landab reist, um für insgesamt 100 kleine Museen des Landes begehrte Stücke aufzuspüren und über die Fielmann AG in Auktionen zu erstehen, sagt er das ganz locker dahin, denn: „50 Jahre plus zehn Minuten – dann weiß man das ungefähr...“

Um 1900 wurden solche Blumenstillleben massenhaft gemalt

Um 1900 wurden solche Bilder jedenfalls massenhaft gemalt, „weil das Bürgertum im Kaiserreich sie sich als Wandschmuck bestellte. Deswegen gibt’s so viele im Handel“, sagt Ostwald. „Das war eine richtige Industrie.“

Die drei Pinneberger Gemälde zeigen drei bunte Blumensträuße, die recht unterschiedlich aufgefasst sind: Rosa Krüger malte eine grünliche Vase mit Rittersporn, Sonnenbraut, Ehrenpreis, Lilien und Feldblumen, die Lübeckerin Anna Gasteiger ist mit einem wuchtigen Gladiolen-Früchte-Stil-leben vertreten, und von Helene Cramer stammt ein kleines Bild mit einem bescheiden gebundenen, unkonventionell herabhängenden Dahlienstrauß in Rot und Weiß.

Sozialgeschichtlich ist die Spurensuche ebenso interessant wie kunsthistorisch

Zweifellos waren Clara von Sivers, Rosa Maria Christiane Krüger, Helene Cramer oder Anna Gasteiger freiheitsliebende Frauen, die mit ihrem Talent eigenes Geld verdienen wollten, was ihnen offenkundig auch gelang. Sozialgeschichtlich sei so eine Spurensuche deshalb mindestens ebenso interessant wie kunsthistorisch, sagt Jürgen Ostwald.

Denn in der Kunstgeschichtsschreibung sind Frauen nach wie vor Mangelware, und in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts waren Malerinnen, wenn sie wirtschaftlich unabhängig waren, eine seltene, oft misstrauisch beäugte Spezies.