Kunstwerk

Der Baumhaus-Restaurator von Pinneberg kommt

Arne Lösekann mit einer früheren Installation bei einer Ausstellung in Schenefeld

Arne Lösekann mit einer früheren Installation bei einer Ausstellung in Schenefeld

Foto: Anne Dewitz / HA

Es ist mal wieder Zeit. Ein Künstler reist an, um ein Kunstwerk zu restaurieren. Was dahinter steckt? Die ganze Geschichte.

Pinneberg. Der Künstler kommt mit Pinsel und Farbe, eine Leiter dürfte er auch mitbringen, denn die braucht er für seine Mission. Die da wäre: ein Baumhaus zu renovieren. Wer macht denn so was? Arne Lösekann macht’s. Sein Baumhaus thront seit sechs Jahren in den Wipfeln eines Ahorns über dem Garten des Ateliers von Marion Inge Otto-Quoos alias mioq im Fahltskamp 30 in Pinneberg. Ein Zweitwohnsitz des aus Wedel stammenden Installationskünstlers – wie ist es dazu gekommen?

Baumhaus als „Geschwisterding“

2014 wurde Lösekann, der selbst ein Atelier in Hamburg hat, zu einer Ausstellung mit dem Thema „Unzertrennlich distanziert – Männer unter sich“ nach Pinneberg eingeladen. Das war für ihn Anlass genug, sich mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Jan Lösekann zusammenzusetzen und zu überlegen, wie eine geschwisterliche Beziehung über mehrere Jahrzehnte wächst. „Seit unserer Kindheit haben wir keine Baumhäuser mehr gebaut“, erzählt Arne Lösekann. Mit diesem Projekt seien sie aber wieder darauf zurückgekommen.

Warum es ausgerechnet ein Baumhaus ist und warum es komplett weiß angestrichen ist, kann Lösekann ganz einfach beantworten. Das Baumhaus symbolisiert die geschwisterliche Verbindung. Als Kinder haben er und sein Bruder oft solche Baumhäuser gebaut. Die weiße Farbe spiegelt sich in vielen Installationen Lösekanns wider. Sie sorgt zusammen mit der reduzierten Oberfläche der Installation dafür, dem Betrachter einen großen Freiraum für Interpretation zu geben. Jeder Besucher sehe eine andere Geschichte in dem Baumhaus, weil es so schlicht sei und dennoch eine thematische Richtung vorgebe.

Das Baumhaus ist nicht zum Spielen

„Nur mit den Augen betrachten – und der Fantasie“, so beschreibt der Künstler den Umgang mit seinen Installationen. Die an dem Baumhaus befestigte Strickleiter hängt nicht herunter. Dies sei ein Hinweis dafür, dass es kein Baumhaus zum Bespielen oder Beklettern ist, sondern zum Betrachten und Nachdenken. Wenn man von unten innen an die Decke des Baumhauses guckt, sei dort ein Kinderfoto von ihm und seinem Bruder zu finden, das die beiden im Kleinkindalter zähneputzend am Waschbecken zeigt, verrät Arne Lösekann. Es helfe dem aufmerksamen Beobachter, den Hintergrund zu verstehen.

Die Materialien für den Bau des Baumhauses hat Lösekann bei einem Kleinanzeigenportal im Internet zusammengesammelt. „Leute haben ihre alten Baumhäuser angeboten, und wir haben sie kostenlos abmontieren und abholen können“. Der Faktor Recycling ist dem Hamburger bei seinen Projekten sehr wichtig, da er so alte Sachen in den Installationen weiterleben lassen kann.

Kultur käme wegen Corona viel zu kurz

Für Künstler ist es gerade eine schwere Zeit. Kultur und Kunst kämen wegen Corona viel zu kurz, sagt auch der 43-Jährige. Noch lange nicht gingen wieder so viele Menschen in Museen und zu Ausstellungen wie zuvor. Teilweise ermöglichen es die Einschränkungen nicht, aber andererseits liegt das Interesse der Menschen zurzeit woanders. Allerdings gebe es ja auch eine Zeit nach Corona. Eine Zeit, in der sich die Menschen wieder mehr für Kunst und Kultur interessieren würden. Deshalb ist der Künstler dankbar dafür, dass der Landeskulturverband Schleswig-Holstein die Renovierung seiner Installation fördert.

Alle drei Jahre wird das zwei mal zwei Meter große Baumhaus aufgehübscht. Dabei wird die weiße Farbe erneuert, die über die Jahre abblättert, dreckig und beschmutzt wird. Einzelne Holzlatten müssten von Zeit zu Zeit ebenfalls ausgetauscht werden, das passiere aber eher selten. Außerdem werden die Schrauben festgezogen, um die Sicherheit des Konstrukts zu gewährleisten. Florian Huber, ein befreundeter Künstler, hilft Lösekann.

Auch wenn es am Sonnabend regnen sollte, wird Arne Lösekann vor Ort sein und unter Einhaltung der Coronaregeln mit Besuchern sprechen, so sie denn wollen. „Der Dialog ist auch wichtig“.

Baumhaus-Renovierung: Sa 29.8., ab 11 Uhr, Pinneberg, Fahltskamp 30, Live-Übertragung auch auf der Fachebook-Seite des Künstlers