Wahl

Kreis Pinneberg bekommt eine Landrätin

Die künftige Landrätin Elfi Heesch mit Kreispräsident Helmuth Ahrens.

Die künftige Landrätin Elfi Heesch mit Kreispräsident Helmuth Ahrens.

Foto: Burkhard Fuchs

Elfi Heesch gewinnt. FDP wollte AfD auf keinen Fall zum Mehrheitsbeschaffer machen – „keine thüringischen Verhältnisse“.

Kreis Pinneberg.  Der Kreis Pinneberg bekommt erstmals in seiner Geschichte eine Landrätin. Elfi Heesch (56) aus Potsdam setzte sich am Mittwochabend im Kreistag mit einer hauchdünnen Zwei-Stimmen-Mehrheit gegen Kai Uffelmann durch. Die Entscheidung fiel erst im dritten Wahlgang, in dem es nicht mehr der absoluten Mehrheit bedurfte. Die Abteilungsleiterin im Ministerium für Stadtentwicklung und Wohnungswesen in Brandenburg bekam sie trotzdem: 31 Abgeordnete stimmten in geheimer Wahl für sie. Für den 47 Jahre alten Jurist aus Winsen/Luhe, CDU-Mitglied, votierten 29 Politiker. Es gab eine Enthaltung.

Heesch war nach der Wahl erleichtert, bedankte sich für das Vertrauen und sagte, sie hoffe, auch die anderen 30 Politiker, die sich nicht gewählt haben, noch von sich überzeugen zu können. „Sie haben es spannend gemacht. Mir ist es wichtig, dass wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Als Handballerin bin ich Teamplayer. Es stehen wichtige Zukunftsaufgaben an.“

CDU-Kandidat Uffelmann geschockt

Kai Uffelmann hingegen war regelrecht geschockt. „Das muss ich erst mal sacken lassen, das war ein schwieriger Abend“, sagte er. Mit diesem Ergebnis habe er nicht gerechnet.

In der Tat hatte der Winsener, den die CDU aus den ursprünglich 17 Kandidatinnen und Kandidaten auserkoren hatte, am Ende des zweiten Wahlgangs beste Chancen, das Landratsbüro schien schon zum Greifen nah. Heesch führte nach dem zweiten Wahlgang mit einer Stimme, zwei der drei AfD-Abgeordneten hatten noch für den Itzehoer Otto Carstens (38, CDU) gestimmt, der Dezernent in der Steinburger Kreisverwaltung ist, legten sich dann aber auf Uffelmann fest.

FDP änderte ihre Strategie

Doch einen Landrat mit der AfD als Königsmacher zu wählen, das wollte der Kreistag dann offenbar doch nicht. Also änderte die FDP im dritten Wahlgang nach langen Gesprächen ihre Strategie. Ein Liberaler wählte anscheinend Heesch statt Uffelmann, einer enthielt sich. „Thüringische Verhältnisse wollten wir unbedingt vermeiden“, sagte FDP-Fraktionschef Olaf Klampe nach der Wahl. Heesch seine Stimme gegeben zu haben wollte er dennoch nicht zugeben: „Es bleibt eine geheime Wahl.“

Im ersten Wahlgang hatten der größte Teil der FDP und die AfD offenbar noch für Otto Carstens gestimmt. Ein Abgeordneter sagte schon zu diesem Zeitpunkt: „Die FDP muss jetzt springen. Sonst haben wir hier thüringische Verhältnisse.“

Heesch war Favoritin von SPD, Grünen und Linken

Elfi Heesch war vom ersten Wahlgang an von SPD, Grünen und Linken gewählt worden. Die CDU hatte voll und ganz auf Uffelmann gesetzt. Otto Carstens hatte zunächst acht Stimmen bekommen. Annerose Tiedt (48) aus Rellingen, Abteilungsleiterin in der Kreisverwaltung des Landkreises Harburg – und damit eine Kollegin Uffelmanns –, war mit einer einzigen Stimme im ersten Wahlgang von Anfang an chancenlos.

Elmshorns Erster Stadtrat Dirk Moritz (54) hatte seine Kandidatur schon am Mittwochmorgen zurückgezogen. Bis dahin hatte ausschließlich die AfD-Fraktion seinen Namen öffentlich genannt. Moritz begründete gegenüber dem Abendblatt seinen Rückzug damit, dass er „in keiner Weise mit der AfD in Verbindung gebracht werden möchte“. Zwar habe er sich dieser Fraktion wie allen anderen fünf Kreistagsfraktionen persönlich vorgestellt. „Für mich ist die AfD keine demokratische Partei, und mir sind ihre Ziele zuwider.“

Elmshorns Stadtrat verzichtete auf Kandidatur

Hielte er seine Kandidatur aufrecht, bestünde „die Gefahr“, dass er womöglich mit den Stimmen der AfD gewählt werden würde. „Das wollte ich unbedingt vermeiden.“ Andere Kandidaten müssten diese Frage mit sich selber ausmachen. Kurz vor Beginn der Kreistagssitzung trat auch Kreisberufsschulleiter Erik Sachse von seiner Kandidatur zurück.

SPD-Fraktionschef Hans-Helmut Birke sagte in einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis zufrieden: „Die Strategie der SPD ist aufgegangen. Durch unsere frühzeitige Festlegung auf eine Frau haben wir die anderen Fraktionen unter Zugzwang gesetzt.“ Susanne von Soden-Stahl (Grüne) sagte: „Elfi Heesch hat sich als sehr erfrischende Kandidatin vorgestellt, die viele Ideen fürs Landratsamt mitbringt.“

Heike Beukelmann, die CDU-Fraktionschefin, kommentierte das Wahlergebnis hingegen süßsauer: „Ich hatte vorher schon gesagt, ich kann mit allen leben. Frau Heesch hat gewonnen. Und gut ist.“

Den ganzen Wahlabend können Sie hier im Liveticker noch einmal nachvollziehen:

21 Uhr: Die Sitzung ist beendet.

20.59 Uhr: Heesch ist erleichtert, bedankt sich für das vertrauen und hofft, auch die anderen 30 noch überzeugen kann. „Sie haben es spannend gemacht. Mir ist es wichtig, dass wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Als Handballerin bin ich Teamplayer. Es stehen wichtige Zukunftsaufgaben an“

20.49 Uhr: Elfi Heesch wird Landrätin! Sie bekommt 31 Stimmen, Kai Uffelmann 30.

20.43 Uhr: Der dritte Wahlgang nähert sich dem Ende.

20.26 Uhr: Der dritte Wahlgang beginnt.

20.23 Uhr: Die Sitzung ist noch unterbrochen. Die AfD will zu Kai Uffelmann umschwenken, ist zu hören.

20.08 Uhr: Die AfD, die mit zwei von drei Abgeordneten im zweiten Wahlgang noch CDU-Mann Carstens gewählt hat, scheint nun zum Königsmacher zu werden.

19.56 Uhr: Was passiert bei einem eventuellen Patt im dritten Wahlgang? „Dann wird der neue Landrat nicht etwa am Tischkicker ausgespielt, sondern dann entscheidet das Los“, sagt Kreispräsident Ahrens.

19.54 Uhr: Das Wahlergebnis wird für 21 Uhr erwartet.

19.49 Uhr: Elfi Heesch erhält erneut 30 Stimmen, Kai Uffelmann jetzt 29, Otto Carstens zwei. Damit ist noch keiner gewählt. Kreispräsident Ahrens ruft den Ältestenrat zusammen. Die Sitzung wird bis 20.15 Uhr unterbrochen. Dann beginnt der dritte Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit reicht, um gewählt zu werden. Dann treten nur noch Heesch und Uffelmann gegeneinander an.

19.37 Uhr: Sonja Wehner (CDU) stimmt als Letzte ab. Der zweite Wahlgang ist zu Ende. Die Auszählung beginnt erneut.

19.21 Uhr: Jetzt geht es doch überraschend schnell weiter. Kreispräsident Ahrens eröffnet den zweiten Wahlgang. Die Regeln sind dieselben wie beim ersten. Und wieder ist eine absolute Mehrheit nötig.

19.20 Uhr: Der zweite Wahlgang verzögert sich. Die FDP-Abgeordneten stehen mit denen der CDU zusammen.

19.09 Uhr: Otto Carstens (CDU) hat seine Stimmen offenbar von FDP und AfD bekommen. Ein Abgeordneter spricht von „Thüringischen Verhältnissen“.

19.05 Uhr: Offenbar hat die CDU geschlossen für Uffelmann gestimmt. Heesch müsste rechnerisch alle Stimmen von SPD, Grünen und Linken sowie eine der FDP bekommen haben. Die Sitzung wird bis 19.20 Uhr unterbrochen – Beratungsbedarf in den Fraktionen.

19.03 Uhr: Elfi Heesch bekommt 30, Kai Uffelmann 22 und Otto Carstens acht Stimmen, eine entfällt auf Annerose Tiedt. Das reicht für keinen.

19 Uhr: Der erste Wahlgang ist abgeschlossen. Jetzt werden die Stimmen ausgezählt.

18.56 Uhr: Jeder Abgeordnete bekommt seinen persönlichen Kugelschreiber ausgehändigt, bevor er die Wahlkabine betritt. Ein Wahlhelfer bewacht die Wahlurne.

18.43 Uhr: Die Politiker sind mittlerweile beim Buchstaben „L“ angelangt.

18.34 Uhr: A wie Ahrens. Der Kreispräsident wählt als Erster.

18.29 Uhr: Das Wahlverfahren beginnt. Jeder der 61 anwesenden Abgeordneten wird dem Alphabet nach namentlich aufgerufen, um in einer der beiden Wahlkabinen sein Kreuz zu machen.

18.20 Uhr: Kreispräsident Ahrens ruft den Tagesordnungspunkt „Wahl einer Landrätin/eines Landrats“ auf. Es gibt keine Spontanbewerbungen. Neben Elmshorns Stadtrat Dirk Moritz hat auch Kreisberufsschulleiter Erik Sachse seine Bewerbung zurückgezogen. Es wird geheim gewählt, das hat der Ältestenrat beschlossen. Manfred Kannenbäumer (CDU) wird Sprecher der Wahlkommission.

18.15 Uhr: Der Kreistag ehrt den verstorbenen CDU-Fraktionschef Heinz Rittscher aus Appen, der dem Gremium von 1974 bis 1996 angehörte und jetzt 90-jährig verstorben ist.

18.13 Uhr: Kerstin Seidler vom Kreistagsbüro ist als Protokollführerin gewählt worden.

18.09 Uhr: Kreispräsident Helmuth Ahrens (CDU) eröffnet die Sitzung. Er spricht von einer „besonderen Sitzung an einem besonderen Ort. Die Smart Factory bietet den Politikern 750 Quadratmeter Platz.

18.03 Uhr: Es geht los. Die Abgeordneten gehen nach der Sitzung des Ältestenrates langsam auf ihre Plätze. Sie tagen beim Co-Working-Space-Anbieter Smart Factory in Elmshorn, weil dort genug Platz ist, um die coronabedingten Abstandsregeln einzuhalten. Die Kandidaten Heesch, Uffelmann, Tiedt und Carstens sind auch da. Carstens hat Frau und Hund mitgebracht. Ralph Bokisch (FDP) fehlt, deshalb sind nur 61 statt 62 Kreistagsabgeordnete anwesend.