Kreis Pinneberg

Nova Meierhenrich spricht in Tornesch über Depression

Nova Meierhenrich spricht am 8. September in Tornesch über ihr Buch und Depressionen. Es ist ihr einziger Termin dazu in diesem Jahr.

Nova Meierhenrich spricht am 8. September in Tornesch über ihr Buch und Depressionen. Es ist ihr einziger Termin dazu in diesem Jahr.

Foto: Alexander Heil / HA

Die ehemalige Viva-Moderatorin hat ihren Vater an die Krankheit verloren. Ihr Buch „Wenn Liebe nicht reicht“ ist Thema des Abends.

Tornesch.  Das Leiden sickerte langsam in ihren Alltag. Fast zwei Jahrzehnte lagen zwischen den fast unmerklichen ersten Symptomen und dem Anruf ihrer Mutter am Ende. Eine Zeit, die Nova Meierhenrich, ehemalige Viva-Moderatorin und Schauspielerin, oft mit einem diffusen Gefühl der Angst, mit einer zunehmenden Sorge um ihren depressiven Vater verbracht hat. Bis im Jahr 2011 das Handy klingelte, an einem „Sonntagmorgen, vielleicht halb sieben, auf dem Display der Name meiner Mutter“, wie sie schreibt. „Und da wusste ich es. … Ich wusste es, weil es so klar war. Es ist vorbei. Er hat es getan. Mein Vater ist tot.“

Diesen langen und harten Weg ihrer Familie hat die heute 44 Jahre alte Wahl-Hamburgerin vor zwei Jahren aufgeschrieben. Das Buch „Wenn Liebe nicht reicht. Wie die Depression mir den Vater stahl“ ist nach langen Gesprächen mit ihrer Mutter Helga entstanden. Es sei das Buch, das der Familie damals, als der Vater erkrankte, gefehlt habe: Ein Buch für Betroffene und Angehörige, das dieses Seelenleiden zeigt, wie es ist, und zwar offen, eindrücklich, schonungslos. Über ihr Werk und die tabuisierte Volkskrankheit Depression wird Meierhenrich am Dienstag, 8. September, in der Stadtbücherei Tornesch mit Büchereileiter Michael Harbeck sprechen. Es ist Meierhenrichs einziger Auftritt zu diesem Thema 2020.

Nicht nur der Vater, die ganze Familie war betroffen

Das Buch soll aber nicht nur den Strudel aus Hilflosigkeit, Verzweiflung, Hoffnung, Wut, Zuversicht, Trauer und Schuldgefühlen beschreiben, in den die Familie mit der Krankheit des Vaters gezogen wurde. Das Buch (und der Gesprächsabend mit der bekannten Moderatorin) soll auch ein Zeichen setzen, Mut machen und konkrete Hilfestellung bieten. Genau diese Hilfe hätte sich Nova Meierhenrich nämlich gewünscht. Stattdessen fühlten sich ihre vier Brüder, ihre Mutter und sie von Institutionen und Umfeld allein gelassen, Meierhenrich erkrankte sogar an einer Co-Depression und musste selbst in Therapie.

Für die wissenschaftlich fundierte Einordnung ihre Buches konnte die Autorin einen der führenden Depressionsforscher des Landes gewinnen, den Chefarzt der Fliedner Klinik in Berlin, Dr. Mazda Adli. Entstanden ist so ein persönliches Familienkaleidoskop, das mit wisschenschaftlicher Analyse ergänzt wird. Denn laut Statistik erkrankt jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression, was nicht nur für den Betroffenen eine ernst zu nehmende und folgenschwere Erkrankung ist, sondern auch die nächsten Angehörigen trifft.

Vom liebevollen Vater zum depressiven Menschen

Nova Meierhenrichs Vater litt fast zwei Jahrzehnte an Depressionen. Für die Schauspielerin wandelte sich eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen von einem unternehmungslustigen, liebevollen Vater zu einem Menschen, der des Lebens immer überdrüssiger wurde, kaum noch Gefallen am Dasein hatte, plötzlich aufbrausend und aggressiv war. Dabei erzählt sie, wie es schleichend begann, als die Tochter flügge wurde und das Elternhaus in Ahlen verlassen wollte. Und wie ihr Papa erst unverschuldet fast allen materiellen Besitz verlor und im Laufe der Jahre immer mehr hinter der tückischen Krankheit verschwand.

Als Meierhenrichs Vater am Ende, im Jahr 2011, den Freitod wählte, hätten sich bei ihr Gefühle wie Trauer und Erlösung gemischt. Es sei ein schwer aufzulösender Gewissenskonflikt. Aber: „Wir als Familie müssen einen Weg finden, damit klar zu kommen“, sagte sie dem „Stern“. „Wir halten meinen Vater mit schönen Erinnerungen wach.“ Nicht ausgespart wird deshalb im Buch auch die Frage, ob es ein unausweichliches Schicksal war oder ob ein früheres Erkennen der Krankheit geholfen hätte. „Wenn Liebe nicht reicht“ ist dabei durchaus programmatisch. Insofern dürfte es ein genauso informativer wie intensiver Abend in Tornesch werden.

Karten für den Abend am Dienstag, 8. September, für 15 Euro im Vorverkauf in der Stadtbücherei Tornesch oder Buchhandlung Lavorenz in Uetersen.