Städtebau

Will Pinnebergs Politik den Friedhof schrumpfen?

Adolph Dornberger hat für das Grab seiner Frau Heide gekauft, die er gleich einpflanzen will.

Adolph Dornberger hat für das Grab seiner Frau Heide gekauft, die er gleich einpflanzen will.

Foto: Katja Engler

Um das Defizit zu reduzieren, will die CDU prüfen lassen, ob ein Teil der Fläche abgezweigt werden kann. Was die Idee ist.

Pinneberg.  Wenn die Rhododendren blühen, ist der städtische Friedhof am Hogenkamp besonders schön. Aber auch jetzt kommen nicht alle Besucher, um Gräber zu pflegen oder sich eines lieben Menschen zu erinnern, sondern weil sie dort zwischen den vielen Bäumen gern spazieren gehen. Über die Jahre ist zwischen den Grabsteinen viel Platz entstanden. Leerer Platz, der leer bleibt, weil heutzutage weniger Menschen in einem Sarg bestattet werden. Stattdessen nimmt die Zahl der Urnen- und Seebestattungen sowie der anonymen Gräber zu. Das beschert dem städtischen Friedhof jedes Jahr ein Defizit, das in diesem Jahr bei 300.000 Euro liegt, Tendenz steigend. Die CDU hat jetzt einen Prüfauftrag an die Verwaltung formuliert, der auf der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen am morgigen Donnerstag diskutiert werden wird.

Was hinter dem Prüfauftrag steht, der auf eine Anregung der Grünen-Politikerin Anne-Kathrin Ahsbahs zurückgeht, empfinden die einen als naheliegend, die anderen als sehr heikel. Es könnte dort nämlich, geht es nach den Vorstellungen verschiedener Politiker, ein Tierfriedhof entstehen. Florian Kirsch, Fraktionsvorsitzender der CDU, sieht das ganz pragmatisch. Es sei genügend Platz auf dem Friedhof, er sei zu groß für die Anzahl der Gräber – „da könnte man kleine Ecken dafür einrichten, weil für viele Leute, die 15 oder 20 Jahre mit ihrem Hund zusammengelebt haben, ihr Hund so wichtig wie ein Mensch ist. Möglicherweise könnte es auch gemeinsame Gräber für Mensch und Hund geben.“ Die Idee, dort am Hogenkamp einen Tierfriedhof einzurichten, sei zum einen gut, um den Pinneberger Haushalt aufzubessern, aber auch, „um den Pinnebergern die Möglichkeit zu geben, hier ihr Haustier beizusetzen.“

Im Kreis Pinneberg gibt es bereits Tierfriedhöfe

Im Kreis Pinneberg gibt es solche Tierfriedhöfe bereits, etwa in Kölln-Reisiek oder in Holm. Die Idee, einen solchen in Pinneberg einzurichten, stammt von Anne-Kathrin Ahsbahs, stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses. Sie hatte ihren Vorschlag kürzlich auf der Besprechung zum Jahresabschluss mit dem KSP geäußert: „Ich habe gefragt, ob es sich lohnen würde, dort einen Tierfriedhof zu betreiben, oder ob der städtische Friedhof weiter ein Zuschussgeschäft bleibt. Das hat Bernd Früchtnicht jetzt mit seinem Prüfantrag aufgegriffen“, sagt sie.

Ahsbahs hatte vor, zunächst mit dem Leiter des Friedhofes zu sprechen, der dort bereits eine Blühwiese eingesät und allerlei insektenschützende Maßnahmen getroffen hat. Auch Totholz lässt er gezielt stehen, um Vögeln Nahrung zu bieten. „Wir versuchen, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen“, sagt Anne-Kathrin Ahsbahs.

Während die Politiker sich also darüber den Kopf zerbrechen, wie sie das Defizit des mittlerweile als Park deklarierten Friedhofes senken können, füllt Adolf Dornberger in aller Ruhe seine Gießkanne. Er hat für das Grab seiner Frau ein paar Heidebüsche gekauft. Rosa und weiß gemischt. Die will er nun einpflanzen und ordentlich gießen. Er hofft, dass die Rehe nicht wieder alles abfressen, wie es ihm schon ein paarmal passiert ist. Von einem Tierfriedhof hat er noch nichts gehört.

Auch Wohnbebauung ist denkbar

Angela Traboldt, Fraktionsvorsitzende der SPD, sieht die Sache anders: „Wir brauchen eine Strategie, wie der Friedhof in Zukunft gestaltet werden soll. Bevor wir da etwas ändern, sollte diese Gesamtstrategie mit dem KSP, der Verwaltung und der Politik entwickelt werden. Da sollten wir nicht mit Einzelprojekten vorangehen.“ Sowieso hat sie gewisse Bauchschmerzen bei dem Gedanken an die Idee: „Ich habe da große Bedenken. Ich halte davon nichts, denn ich finde, das passt nicht. Ein Tierfriedhof darf gern errichtet werden. Aber warum auf dem Gelände des städtischen Friedhofes?“ Wenn so viel Fläche frei sei, könne dort eher Wohnbebauung entstehen, „das ist schließlich überall so: Der Flächenverbrauch auf Friedhöfen ist rückläufig.“

Dafür, im Haushaltsjahr 2020 eine halbe Million Euro für den Friedhof in den Haushalt einzustellen, gibt es laut Bernd Früchtnicht noch keinen politischen Beschluss. „Deshalb ist es jetzt richtig, den Prüfauftrag zu stellen“, sagt er. In der gesamten Fraktion sei man sich einig. Die Flächen für den Tierfriedhof sollten lediglich aus dem allgemeinen Friedhofsbereich herausgenommen werden. In Kölln-Reisiek kostet eine Tierbestattung 50 bis 150 Euro, die Nutzung zwischen 75 und 350 Euro im Jahr.

Die FDP hält sich bei der Frage bedeckt: „Es ist sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen und Gespräche zu führen“, sagt Fraktionschef Werner Mende. Man müsse versuchen, die Unterdeckung zu reduzieren. „Es spielen aber eben nicht nur wirtschaftliche Gründe eine Rolle, sondern auch ethische. Ob das nun ein Tierfriedhof werden muss, weiß ich nicht.“