Elmshorn

Eine neue Allianz für die Knechtschen Hallen

Dörte Köhne-Seiffert (v. l.), Lars Bredemeier, Jens Jähne sowie Lisa und Frank Sachau beschwören das neue Miteinander.

Dörte Köhne-Seiffert (v. l.), Lars Bredemeier, Jens Jähne sowie Lisa und Frank Sachau beschwören das neue Miteinander.

Foto: Katja Engler

14 Jahre steht das Elmshorner Industriedenkmal jetzt leer. Nun sind alle Interessensgruppen an einem Tisch zusammengekommen.

Elmshorn.  Seit sich Lisa Sachau für den Erhalt und neue, kreative Nutzungsmöglichkeiten der Knechtschen Hallen engagiert, scheint wieder Leben in eine festgefahrene Sache gekommen zu sein. Die Tochter des Teppich-Kibeck-Geschäftsführers Frank Sachau und ebenfalls Geschäftsführerin hat offenbar Fingerspitzengefühl gezeigt, denn nach und nach sind in Elmshorn alle an der Revitalisierung des Industriedenkmals Interessierten an einen Tisch geholt worden, ja sogar zu mehreren Workshops wurde geladen. Die Ergebnisse dieser Workshops wurden am Montag im Elmshorner Rathaus zwar noch nicht vorgestellt, dafür wurde aber ein neues Klima des Aufbruchs vermittelt.

Frank und Lisa Sachau wollen nach wie vor den seit 14 Jahren leer stehenden, denkmalgeschützten Gebäudekomplex verkaufen, „weil wir uns mit solchen Projekten nicht auskennen und uns das nicht zutrauen“, so Frank Sachau. Sie hätten schon mehrmals sofort verkaufen können, denn Interessenten gebe es genug, sagt Sachau. „Es hat dann aber nicht gepasst. Denn unser Ziel ist es, die Hallen zu erhalten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil von Elmshorn, der die Stadt geprägt hat.“ Die Stadt müsse deshalb nachsteuern, denn „letztlich muss es funktionieren“. Das ist nun offenbar passiert.

Diverse Workshops haben seit Jahresbeginn stattgefunden, an denen zuletzt die Eigentümer, die Stadtverwaltung inklusive Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung, die Politik, Teile der Bürgergesellschaft und Mitglieder des Freundeskreises zum Erhalt der Knechtschen Hallen teilgenommen und mitgearbeitet haben. Die vielen Ideen hätte sie von einem Architekten auf die Machbarkeit prüfen lassen, dann habe die Stadt geprüft, was denkbar ist, erklärt Lisa Sachau. „Wir können das nur lösen, wenn wir maximale Transparenz schaffen“, sagt Frank Sachau. Und Tochter Lisa ergänzt: „Wir arbeiten jetzt viel stärker zusammen und ziehen an einem Strang.“ Auch Baustadtrat Lars Bredemeier hält die Tatsache, dass jetzt in Sachen Knechtsche Hallen alle zusammenarbeiten, für „ein freudiges Ereignis. Das ist ein wesentlicher weiterer Schritt.“

Freundeskreis wurde erst spät involviert, ist aber jetzt dabei

Jens Jähne, Vorsitzender des Freundeskreises, zeigt sich noch skeptisch, zumal der Freundeskreis erst relativ spät einbezogen worden sei. „Es kann nicht dabei bleiben zu sagen: Wir haben hier einen bunten Strauß an Nutzungen, sondern man muss dort Leitplanken einziehen.“ Es gehe schließlich auch darum, die Hallen als geschichtlichen Ort mit seinen Spuren zu erhalten.

Das bekräftigt Frank Sachau ganz konkret: „Es soll nicht alles entkernt, sondern es sollen auch Elemente belassen werden. Die Nutzung muss ausreichend breit sein. Unser Ziel ist es, einen Rahmen festzulegen, innerhalb dessen die Pläne auch umgesetzt werden können. Jetzt sind wir mit verschiedenen Nutzungen auf verschiedenen Ebenen auf einem tollen Weg. Ich bin überzeugt, dass die Politik das trägt.“

Vier Investoren habe er in der Vergangenheit der Stadt präsentiert, immer habe es sich zerschlagen. „Das war frustrierend. Bisher waren die Möglichkeiten aber auch sehr viel enger, den Investoren ist einfach zu wenig geboten worden. Aber jetzt bin ich guter Dinge, dass wir Investoren finden, die da einsteigen.“

Ausschuss für Stadtumbau erfährt Workshop-Ergebnisse zuerst

Von den Workshop-Ergebnissen sollen als Erstes die Mitglieder des Ausschusses für Stadtumbau informiert werden, dessen Vorsitzende Dörte Köhne-Seiffert (SPD) bei dem Termin am Montag anwesend war. Sie sollen so bald wie möglich eingeweiht werden. „Vor den Herbstferien soll im Ausschuss darüber informiert werden, zur Not zu einem Extra-Termin“, so Köhne-Seiffert. „Denn bis Jahresende muss da noch einiges vorangebracht werden.“

Die Knechtschen Hallen verfügen über eine Gesamtfläche von rund 20.000 Quadratmetern. Laut Frank Sachau bieten sie viele tolle Möglichkeiten, doch die Raumtiefen und die Belastbarkeit der Böden setzten auch Grenzen.

Jens Jähne lässt es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass der Freundeskreis zur Erhaltung der Knechtschen Hallen erst „massiv darum gekämpft“ habe, an den Workshops teilnehmen zu dürfen. Auch die Politik sei anfangs nicht dabei gewesen, sagt Dörte Köhne-Seiffert. „Es ist aber sinnvoll, alle Seiten an einen Tisch zu holen. Jetzt geht es darum, die Politik direkt im Ausschuss zu beteiligen.“ Die Bebauungspläne seien derzeit in Arbeit. Ungewöhnlicherweise solle die Vorlage unter Beteiligung von Workshop-Teilnehmern erarbeitet werden. Köhne-Seiffert: „Das ist ein neues Verfahren. Wir wollen gucken, ob wir einen Konsens erreichen. So ein Projekt lässt sich nur voranbringen, wenn große Einigkeit und Rückendeckung herrscht.“