Kreis Pinneberg

Wen wählt der Kreistag zum neuen Pinneberger Landrat?

Amtssitz des Pinneberger Landrates ist – Trommelwirbel – das Kreishaus in: Elmshorn.

Amtssitz des Pinneberger Landrates ist – Trommelwirbel – das Kreishaus in: Elmshorn.

Foto: Feix / Lennart Feix

Fünf Bewerber sind noch im Rennen. Bis jetzt positionieren sich nur CDU und Linke öffentlich. SPD will sich auf eine Frau festlegen.

Kreis Pinneberg.  Die Kandidatenkür für die Landratswahl am Mittwoch, 26. August, geht in die entscheidende Runde. Nach den Vorstellungsgesprächen haben sich die sechs Fraktionen auf ihre Favoriten festgelegt. Jetzt kommt es darauf an, dafür mithilfe der anderen Fraktionen eine Stimmenmehrheit zu erreichen. Denn allein kann keine Fraktion den neuen Kreisverwaltungschef wählen, der am 1. Januar Oliver Stolz in diesem Amt nachfolgen wird.

Hinter den Kulissen wird deshalb zurzeit eifrig gesprochen und verhandelt. Möglicherweise wird diese Vorabstimmung noch bis kurz vor Sitzungsbeginn um 18 Uhr und zwischen den Wahlgängen andauern. Denn theoretisch kann sogar noch am Wahlabend irgendein neuer Kandidat aus dem Hut gezaubert und gewählt werden.

Jahresgehalt des Landrats: 150.000 Euro

Was aber höchst unwahrscheinlich ist, da alle Fraktionen betonen, wie gut und hoch qualifiziert das bekannte Bewerberfeld für diese Aufgabe sei, die mit rund 150.000 Euro brutto Jahresgehalt dotiert ist und in der etwa 1000 Mitarbeiter zu führen sind. Aktuell sind nach Aussage von Kreispräsident Helmuth Ahrens (CDU) noch 17 Bewerber – 14 Männer und drei Frauen – auf der Liste, zwei hätten zurückgezogen. Alle 17 müssten auch auf dem Wahlzettel stehen, wenn es im ersten und zweiten Wahlgang um die absolute Mehrheit der Stimmen geht, die erst bei 32 Stimmen erreicht ist.

Gute Chancen, gewählt zu werden, hat aber wohl nur noch eine Handvoll der Bewerber. Dies sind zum einen die beiden Frauen, die noch im Rennen sind: Elfi Heesch (56) aus Potsdam und Annerose Tiedt (48) aus Rellingen. Luise Lauerer (52) aus Dingolfing wird von keiner Fraktion unterstützt, auch wenn alle, bei denen sie sich vorgestellt hat, loben, wie sympathisch die Frau aus Bayern doch sei. Sie selbst hatte sich bereits als „krasse Außenseiterin“ bezeichnet.

Drei Männer und zwei Frauen noch im Rennen

Von den noch 14 männlichen Bewerbern haben diese drei wohl die besten Chancen: Otto Carstens (38) aus Itzehoe, Dirk Moritz (54) aus Elmshorn und Kai Uffelmann aus Winsen an der Luhe, der zwölf Tage nach der Wahl seinen 48. Geburtstag begeht und CDU-Mitglied ist. Die CDU-Fraktion habe sich mit großer Mehrheit bei interner Abstimmung für Uffelmann ausgesprochen, der seit 2015 gewählter Erster Kreisrat im Landkreis Harburg ist, sagt Fraktionschefin Heike Beukelmann. Von den sieben angehörten Bewerbern habe sich der aus Dormagen (Nordrhein-Westfalen) stammende Jurist „hervorgetan“. Er sei gut informiert über den Kreis Pinneberg und habe gute Antworten gegeben, „wie er mit dieser Herausforderung des Landratsamtes umgehen will“.

Die CDU werde ihn mit ihren 22 Stimmen in den ersten beiden Wahlgängen voll unterstützen, kündigt Beukelmann an. Bei seiner Wahl im Harburger Kreistag gewann Uffelmann mit vier Stimmen Vorsprung von CDU/FDP gegen SPD und Grüne. „Wir brauchen keine Absprachen über gemeinsame Kandidaten“, sagt Beukelmann. Im dritten Wahlgang reiche ohnehin die einfache Mehrheit. Die anderen vier Kandidaten seien aber auch sehr gut. „Ich könnte mit allen leben“, sagt Beukelmann.

SPD: „Beide Damen sind höchst qualifiziert“

Das sieht SPD-Fraktionschef Hannes Birke etwas anders. Seine Fraktion (15 Stimmen) hat sich schon früh dafür ausgesprochen, dass der Kreis Pinneberg nach 153 Jahren und 15 Männern im Landratsamt endlich reif für eine erste Landrätin sei. Ob dies nun Annerose Tiedt oder Elfi Heesch sein solle, würden die Gespräche mit den anderen Fraktionen ergeben, so Birke. Tiedt hat bereits als Justiziarin und Personalchefin in der Pinneberger Kreisverwaltung gearbeitet und ist zurzeit Fachbereichsleiterin für Ordnung in der Kreisverwaltung Harburg. Heesch ist Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung und Wohnungswesen im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg. Birke: „Wir halten uns beide Optionen offen. Beide Damen sind für das Landratsamt höchst qualifiziert.“

Die Fraktion Die Linke (drei Stimmen) hat sich ebenso wie die SPD auf die Wahl einer Landrätin festgelegt. „Wir favorisieren Frau Heesch“, sagt Fraktionschef Klaus-Dieter Brügmann. Die Brandenburgerin habe sich positiv zur Rekommunalisierung des Klinikbetriebes und der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Pinneberg ausgesprochen.

Carstens oder Moritz? AfD findet „beide gut“

Noch nicht festgelegt habe sich die FDP-Fraktion (fünf Stimmen), sagt Fraktionschef Olaf Klampe. Ob die Liberalen für Tiedt, Heesch, Uffelmann oder Carstens stimmten, „ist völlig offen“, so Klampe. „Von der Qualifikation sind alle gleich gut.“ Carstens, der auch CDU-Kreisschatzmeister ist, leitet seit gut einem Jahr in der benachbarten Kreisverwaltung Steinburg das Dezernat für Bauen, Umwelt und Recht.

Die AfD-Fraktion (drei Stimmen) werde Carstens oder Moritz unterstützen, kündigt Fraktionschef Bernhard Noack an. Der Itzehoer und der Elmshorner Stadtrat und stellvertretende Bürgermeister Moritz hätten sich als die beiden einzigen Kandidaten seiner Fraktion persönlich vorgestellt. „Wir finden beide gut.“

So könnte die Fraktion der Grünen mit ihren elf Stimmen das Zünglein an der Waage sein. Entsprechend zurückhaltend ist sie darum zumindest nach außen mit der Nennung ihrer Favoriten. Es seien noch drei in der engeren Auswahl, darunter zwei Frauen, sagt Fraktions-Vizechefin Susanne von Soden-Stahl. „Wir sind noch in Verhandlungen.“ Möglicherweise gebe eine kurzfristige Videokonferenz letzten Aufschluss über das Fraktionsvotum.