Kreis Pinneberg

Mobiler Blitzeranhänger überführt 12.386 Raser

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Arne Kolarczyk
Eva Sühlsen vom Kreis und Jens Petersen (FDP) stellten im Mai den Blitzeranhänger vor.

Eva Sühlsen vom Kreis und Jens Petersen (FDP) stellten im Mai den Blitzeranhänger vor.

Foto: Arne Kolarczyk

Die dreimonatige Testphase ist beendet. Das mobile Gerät stand an 17 Orten und weist beeindruckende Zahlen auf.

Kreis Pinneberg.  Anton ist weg: Freitag hat der Kreis die dreimonatige Testphase mit dem mobilen Blitzeranhänger der neusten Generation beendet. Das Gerät, das der Hersteller Anton getauft hat, war seit dem 20. Mai an 17 Standorten eingesetzt und hat in dieser Zeit weit mehr als eine halbe Million Fahrzeuge gemessen. Laut der noch vorläufigen Bilanz wurden dabei von Anton 12.386 Verstöße dokumentiert.

Zum Vergleich: 2019 haben die neun Messeinheiten – acht stationäre Blitzer und die mobile Messeinheit – 63.290 Temposünder überführt. Rechnet man die von Anton in den drei Monaten erfassten Werte hoch, könnte das Gerät pro Jahr für 49.544 Fälle und so langfristig für mehr Verkehrssicherheit sorgen.

Die Kreispolitik hatte bereits im Herbst 2018 beschlossen, einen 350.000 Euro teuren Blitzeranhänger zu kaufen. Um zunächst Erfahrungen mit der neuen Technik zu sammeln, wurde am 20. Mai die auf drei Monate befristete Testphase gestartet. „Das Gerät, die Technik und auch der Umgang damit – alles hat einwandfrei funktioniert“, sagt Eva Sühlsen, die Leiterin vom Team Ordnungswidrigkeiten in der Kreisverwaltung. Der Blitzeranhänger bietet den großen Vorteil, dass er auch nachts ohne Personalaufwand arbeite. Bei dem normalen mobilen Blitzer seien bei Nachteinsätzen immer ein Messangestellter des Kreises sowie ein Polizeibeamter erforderlich.

Die Messangestellten des Kreises hätten Anton einem regelrechten Stresstest unterzogen, sehr häufig die Standorte gewechselt. „Das Gerät kann bis zu zwei Wochen ohne Überwachung an einem Ort stehen.“ In der Testphase seien jedoch teilweise alle vier bis fünf Tage die Austellorte gewechselt worden. „Wir hatten ganz viele Anfragen von Bürgern, aber auch von Kommunen, die sich einen Einsatz des Geräts gewünscht haben“, so die Mitarbeiterin weiter. Es seien letztlich so viele Wünsche an den Kreis her­angetragen worden, dass nicht alle in der Testphase Berücksichtigung fanden.

17 Standorte konnten abgedeckt werden, Anton „parkte“ in zehn Orten im Kreisgebiet. Dreimal stand er an der Hamburger Straße in Elmshorn, der Ein- und Ausfallstraße der Stadt. Dort gilt Tempo 50, die Route ist jedoch als Raserstrecke verschrien. Das spiegeln auch die Zahlen wieder. Anfang Juli überprüfte Anton an fünf Tagen die Geschwindigkeit von 74.752 Fahrzeugen. Davon waren 3473 zu schnell, der schnellste Fahrer wurde mit Tempo 88 geblitzt.

Mitte Juli überprüfte das Gerät dort an vier Tagen 40.863 Fahrzeuge. 347 Fahrzeugführer waren zu schnell, der höchste Wert lag bei Tempo 90. Auch als letzte Station stand Anton vom 14. bis 19. August ein drittes Mal an der Hamburger Straße. Die Bilanz: 86.053 Fahrzeuge wurden eingemessen, 1682 waren zu schnell. Der Spitzenreiter war dort mit 114 Kilometer pro Stunde unterwegs. „Das Gerät hat dort alle vier Fahrspuren überwacht, es hat tadellos funktioniert“, zieht Sühlsen Bilanz.

Den schwersten Verstoß dokumentierte Anton im Juni an der Kieler Straße in Bönningstedt. In dem innerörtlichen Bereich war ein Autofahrer mit sage und schreibe 141 Kilometer pro Stunde unterwegs. An diesem Standort war der Blitzeranhänger sieben Tage aktiv. 66.696 Fahrzeuge wurden geprüft, 272 von ihnen geblitzt.

Auch an der Rugenbergener Straße in Ellerbek – dort fordert die Gemeinde seit längerem einen stationären Blitzer – war das Gerät acht Tage zu Gast. 57.776 Fahrzeuge passierten in dieser Zeit den Blitzer, bei 1273 löste er aus. Der höchste Wert lag bei 94 Kilometer pro Stunde. Sehr viele Verstöße gab es in Bokholt-Hanredder vor der Grundschule, wo zu Schulzeiten 30, ansonsten 50 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben sind. An den sieben Tagen Anfang Juli wurden dort 34.928 Fahrzeuge gemessen, 1132 davon waren zu schnell. Der höchste Wert lag bei Tempo 94.

Nur wenige Verstöße in zwei Tempo 30-Zonen

Wenige Verstöße gab es dagegen in zwei Tempo 30-Zonen. Am Mühlenweg in Borstel-Hohenraden waren an drei Tagen 65 von 2861 Fahrzeugen zu schnell, der Höchstwert lag bei Tempo 44. In Kummerfeld (Langenbargen) wurden an drei Tagen 2488 Fahrzeuge gemessen. Zu schnell waren 57, der Höchstwert lag bei 51 Kilometer pro Stunde. Als Raserstrecke entpuppte sich dagegen die Kieler Straße in Bilsen, wo der Spitzenreiter mit Tempo 119 innerorts geblitzt wurde. Dort überprüfte Anton Anfang Juli 33.067 Fahrzeuge, wovon 1709 zu schnell unterwegs waren.

Fünf Attacken auf Anton wurden registriert. Zweimal wurde das Gerät an der ersten Station an der Wittenberger Straße in Elmshorn beschmiert beziehungsweise beklebt, ein weiteres Mal in Pinneberg am Westring. Bei einer Station in Wedel an der Elbstraße schlugen Unbekannte die Scheibe der Kamera ein. „Wir mussten diese tauschen, nach einem Tag war Anton wieder einsatzbereit“, erläutert Sühlsen. Auch die Beschmierungen ließen sich schnell entfernen. Eine Art Tätowierung, die seitlich am Gerät angebracht wurde, störte nicht beim Betrieb. Sühlsen: „In allen Fällen hat das Gerät Alarm geschlagen.“

Sühlsen fasst jetzt alle Zahlen und Daten zusammen, holt ein Statement von der Polizei als Projektpartner ein. „Es könnte schon sein, dass ich eine Kaufempfehlung abgebe“, sagt sie. Darüber entscheidet der Verkehrsausschuss im November. Bei einem positiven Votum würde eine Ausschreibung erfolgen, das dann auf Dauer verpflichtete Gerät im Frühjahr zur Verfügung stehen. „Wenn das so kommt, hätten wir genügend Zeit, uns darauf vorzubereiten“, sagt die Teamleiterin. Denn der Testbetrieb von Anton hat auch eines gezeigt: Sowohl aufseiten der Messangestellten als auch in der Bußgeldstelle bräuchte der Kreis mehr Personal, falls ein Blitzeranhänger auf Dauer zur Verfügung steht.

Verkehrssünder mit 1,497 Millionen Euro zur Kasse gebeten

Temposünder haben 2019 für Verkehrsverstöße im Kreis 1,497 Millionen Euro zahlen müssen. Das belegt die jetzt vorliegende Abrechnung, die Dienstag im Verkehrsausschuss des Kreises vorgestellt wird (18.30 Uhr, Konferenzraum Arboretum, Kreishaus in Elmshorn). Der Kreis wird davon knapp 1,3 Millionen Euro erhalten, die Polizei als Projektpartner 208.725 Euro. Für Personal, Fahrzeuge sowie Geräteanschaffung sowie -wartung musste der Kreis 1,172 Millionen Euro aufwenden, sodass unter dem Strich ein Erlös von 116.565,32 Euro zu Buche steht.

26.124 Fahrzeuge wurden von den mobilen Anlagen geblitzt, die sechs älteren Starenkästen überführten 21.073 Temposünder. Die neuen Geräte in Schenefeld schossen 16.093 Fotos, ein Plus von 60 Prozent. Dort stehen seit 2019 zwei Kameras zur Verfügung. 2,9 Fahrzeuge fahren dort durchschnittlich pro Tag über die rote Ampel. Im Vergleich zu 2018 haben sich die Einnahmen aus den acht stationären und den mobilen Messgeräten wieder erhöht, weil im vergangenen Jahr alle Einheiten wieder störungsfrei zur Verfügung standen.

Zum Vergleich: 2018 lagen die Gesamteinnahmen gerundet bei 1,07 Millionen Euro. Der bislang höchste Erlös ergab sich im Jahr 2013, als die Raser im Kreis knapp 1,924 Millionen Euro an Buß- und Verwarngelder zahlen mussten. Das Projekt zwischen Kreis und Polizei zur Geschwindigkeitsüberwachung läuft seit 2005.

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