Kreis Pinneberg

Ewer „Gloria“: Die Elmshorner schlägt Alarm

Ulrich Grobe, hier auf einem Archivbild, ist Geschäftsführer des Trägervereins des Ewers „Gloria“ .

Ulrich Grobe, hier auf einem Archivbild, ist Geschäftsführer des Trägervereins des Ewers „Gloria“ .

Foto: Anne Dewitz / HA

Coronakrise und laufende Kosten machen Trägerverein zu schaffen. Der will das 122 Jahre alte Traditionsschiff abmelden – mit gravierenden Folgen.

Elmshorn.  Sie stehen vor dem Aus, die Traditionsschiffe, die Oldtimer der Seeschifffahrt, die mit viel Liebe und Geld von Museumshäfen, Einzelpersonen oder Vereinen in oft mühsamer Arbeit unterhalten werden. Mehrtägige Segeltörns mit Schulklassen, Tagesevents mit Firmen oder Begleitfahrten während der Hafenfeste, auf denen sich die Schiffe sonst präsentieren: All diese Veranstaltungen vom Hamburger Hafengeburtstag über die Sail in Bremerhaven bis zur Hanse Sail in Rostock, um nur die Großen zu nennen, sind in Corona-Zeiten abgesagt oder verschoben. Aber genau mit diesen Aktionen verdienen die Betreiber das Geld, mit dem sie ihre Traditionsschiffe erhalten. Durch das derzeitig bestehenden Auslaufverbot sind die Einnahmen jäh gestoppt, während die Fixkosten für die Instandhaltung, Versicherungen und Sicherheitsabnahmen weiterlaufen.

So auch beim letzten Traditionsschiff im Kreis Pinneberg, dem Ewer „Gloria“, dessen Liegeplatz direkt vor den Kölln-Werken in Elmshorn ist. Regelmäßig an den Wochenenden gab es Fahrten über Krückau, Elbe und ihre Nebenflüsse, nach Kollmar, Glückstadt, Wedel, Uetersen oder Itzehoe. In den vergangenen Jahren boten die Vereinsmitglieder von Anfang Mai bis Mitte Oktober diese Segeltouren und Motorfahrten für bis zu 25 Fahrgästen an. Segeltörns fanden ausschließlich auf der Elbe statt. Die tideabhängigen Fahrten dauerten in der Regel drei bis viereinhalb Stunden, Tickets kosteten zwischen 22 und 45 Euro, Schulkinder zahlten jeweils die Hälfte, nur Kleinkinder durften gratis mit an Bord. Alles Geld, das für das betagte Schiff dieses Jahr fehlen, sodass Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen aus den Rücklagen finanziert werden mussten und müssen. Das Elmshorner maritime Original hat voraussichtlich nur noch maximal vier Fahrten im September vor sich.

Doch damit nicht genug: Auf Grund der seit 2018 geltenden Sicherheitsverordnung für deutsche Traditionsschiffe des Bundesverkehrsministeriums muss der Trägerverein ab 2021 unter anderem eine Stabilitätsprüfung für 10.000 Euro vorweisen, die Gemeinnützigkeit zweimal in fünf Jahren von einem Wirtschaftsprüfer für 12.000 Euro belegen und das Schiff alle zwei Jahre im Trockendock von einem Sachverständigen der Berufsgenossenschaft begutachten lassen, was 1000 Euro kostet. Geld, das die Ehrenamtlichen nicht haben.

Künftig können nur noch sechs Gäste mitfahren

Daher hat der Trägerverein beschlossen, den Lastenewer Ende des Jahres als Traditionsschiff abzumelden. „Wir werden als Sportboot weiterfahren“, sagt Ulrich Grobe, Geschäftsführer des Trägervereins. Damit fallen die geltenden und auch neue Verordnungen weg, beispielsweise die Unterfütterung der Holztreppe mit Stahl oder der Einbau von wasserdichten Schotten unter Deck. Aber es dürfen dann auch nur noch zwölf Personen an Bord, davon sind sechs Mann schon von der Besatzung. Von den Fahrgästen darf kein Fahrgeld mehr angenommen werden, nur noch Spenden: Das trage sich finanziell nicht, stellt Grobe resigniert fest. Am Ende müsse die „Gloria“ dann verschrottet werden. Was bei ihm zurückbleibe, seien Wut, Frustration und Verdrossenheit.

Wie alle Eigentümer von Traditionsschiffen hat der Trägerverein der „Gloria“ bereits ein ständiges Auf und Ab der Verordnungen hinter sich. Die ursprüngliche Fassung der Sicherheitsverordnung sah auch bauliche Vorschriften vor, die zu erfüllen auch beim Ewer nicht möglich gewesen wären. Proteste der Traditionsschiffsvereine und das Engagement von Politikern hatten bei der Sicherheitsverordnung schließlich zur Folge, dass es zu einem Kompromiss kam.

„Die Erfahrungen mit der Sicherheitsverordnung zeigen, dass Protest und politischer Druck sich auszahlen können“, sagt jetzt der Kreis Pinneberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann mit Blick auf die neue Problematik mit der EU-Fahrgastschifffahrt-Richtlinie. „Ich gehe deshalb fest davon aus, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“, meint der Politiker. Für den Ewer „Gloria“ will sich Rossmann konkret einsetzen. „Ich hoffe sehr, dass die Aktiven um Ulrich Grobe bei ihrem Engagement nicht entmutigen lassen“, sagt der Abgeordnete. Er weist darauf hin, dass Traditionsschiffs-Vereine als erste Hilfe gegen die fast 100-prozentigen Einnahmeausfälle Überbrückungshilfen und Geld aus dem Corona-Härtefallfonds beantragen können und verspricht: „Ich werde das Thema Corona-Hilfe für diesen Bereich auch noch einmal in unsere Diskussionen in der Bundespolitik mit einspeisen.“

1898 wurde die „Gloria“ als Stahlschiff mit Holzboden auf der Kremer-Werft in Elmshorn gebaut. Genutzt wurde das Schiff vorwiegend zum Transport von Getreide für eine Mühle - anders als beim Bau geplant - an der Oste, einem Nebenfluss der Elbe. Es repräsentiert die bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Niederelberaum verbreitete Kleinschifffahrt.

Schiff hat eine wechselvolle Geschichte

1926 konnte der Segler gegen die Konkurrenz von Lkw und Eisenbahn nicht mehr bestehen. Der Finkenwerder Frachtschiffer H. J. Meier gab ihm den Namen „Meta II“ und ließ den ersten Motor einbauen. 1935 erwarb die auf Finkenwerder ansässige Deutsche Werft das kleine Fahrzeug Unter dem Namen „D.W.6“ wurde es bis 1965 als Zubringer und Malprahm eingesetzt, auch soll es zum Auffischen von Pallholz nach Stapelläufen gedient haben. Unter dem Namen „Max“ arbeitete das kaum noch als Frachtsegler erkennbare Boot seit 1965 für mehrere kleine Umschlags- und Wasserbaufirmen im Hamburger Hafen. Denen diente es als selbst fahrende Motorschute im innerbetrieblichen Transport, inzwischen versehen mit einem Motor mit 50 PS. Die letzten Jahre hat „Max“ nur noch als Müllschute gedient.

Ab August wurde das Schiff 2001 auf der Museumswerft in Elmshorn restauriert. Seit 2004 werden öffentliche Fahrten angeboten, deren Erlös zum Erhalt des Schiffes beitragen.