Kreis Pinneberg

Parken in Halstenbek Frauen schlechter ein als Männer?

Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden: „Wir wollen mit diesem Schreiben die Anwohner sensibilisieren, über ihr Parkverhalten nachzudenken.“

Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden: „Wir wollen mit diesem Schreiben die Anwohner sensibilisieren, über ihr Parkverhalten nachzudenken.“

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Retter und Müllabfuhr kommen in der Heidesiedlung kaum noch durch. Mahnschreiben an überwiegend weibliche Empfänger irritiert.

Halstenbek.  Exakt 1711 Haushalte in Halstenbek haben Post von ihrem Bürgermeister erhalten. Die Briefe erreichten die Bewohner der Heidesiedlung in Krupunder und sollen auf ein dort vorhandenes Problem aufmerksam machen: Die schmalen Straßen sind in jüngster Zeit derart zugeparkt, dass Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr oder auch die Müllabfuhr sie nicht mehr durchfahren können. „Wir wollen mit diesem Schreiben die Anwohner sensibilisieren, über ihr Parkverhalten nachzudenken“, so Bürgermeister Claudius von Rüden.

Der vom Verwaltungschef persönlich unterzeichnete Brief hat jedoch – offenbar unbeabsichtigt – auch Irritationen ausgelöst. In vielen Fällen ging das namentlich adressierte Schreiben nur an eine Person des jeweiligen Haushalts – kurioserweise in den meisten Fällen an die Frauen. Können Frauen also schlechter einparken als Männer? „Sicher nicht“, sagt von Rüden. Die Gemeinde habe für die Briefaktion Daten aus dem Melderegister benutzt und den jeweils eingetragenen Haushaltsvorstand angeschrieben. „Teilweise war das die Frau, teilweise auch der Mann“, so von Rüden. Ein genaues System, wer im Melderegister als Haushaltsvorstand gilt, gebe es allerdings nicht.

Bei nicht verheirateten Paaren seien beide Personen angeschrieben worden. Kinder über 18 Jahre, die noch bei ihren Eltern leben, würden verwaltungsrechtlich einen eigenen Haushalt bilden und hätten den Brief ebenfalls erhalten. „Beim nächsten Mal würde ich in dem Schreiben deutlicher machen, dass es an alle Personen des Haushalts gehen soll“, so der Verwaltungschef. Rückmeldungen würden zeigen, dass einige der Adressaten „das persönlich genommen haben“, so von Rüden. Dabei sollte nur auf das generelle Problem hingewiesen werden.

„Wir haben aber auch viele Rückmeldungen erhalten, in denen sich die Leute bedankt haben, dass wir uns des Problems annehmen“, berichtet der Bürgermeister. Die Straßen in der Heidesiedlung seien sehr schmal. Weil die Anzahl der Fahrzeuge und ihre Größe in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe, komme es dort regelmäßig zu einer Blockade für größere Fahrzeuge.

Von Rüden: „Wir haben Rückmeldungen unserer Feuerwehr erhalten, dass sie teilweise mit ihren Einsatzfahrzeugen nicht mehr durchkommen, was im Ernstfall zur Gefahr werden kann.“ Auch seien Müllfahrzeuge bereits umgekehrt, sodass Haushalte teilweise auf eine Leerung ihrer Tonnen verzichten mussten.

„Wenn wir Halteverbote verhängen, müssten wir die Straßen mit Schildern zupflastern. Es würde ein Schilderwald entstehen und dort könnte niemand mehr parken“, so der Verwaltungschef. Er hat in dem Schreiben Bezug auf Paragraf 12 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung genommen, wonach das Halten und das Parken an engen und unübersichtlichen Straßenstellen unzulässig ist. Parken sei nur dann erlaubt, wenn anderen Verkehrsteilnehmern eine Restfahrbahnbreite von 3,05 Meter zur Verfügung stehe. Das sei in der Heidewegsiedlung häufig nicht der Fall, sodass zuletzt Verstöße auch geahndet worden seien.

„Ich gehe davon aus, dass dieser Passus der Straßenverkehrsordnung vielen gar nicht bekannt ist“, glaubt von Rüden. Mit dem Schreiben wolle er die Bürger darauf hinweisen und bitten, ihr Parkverhalten gegebenenfalls zu ändern. Der Verwaltungschef appelliert in diesem Zusammenhang auch an die gegenseitige Rücksichtnahme.

Von Rüden: „Verstöße können uns natürlich auch gemeldet werden, wir werden die Beschwerdelage in der Heidesiedlung genau beobachten.“ Sollte die Briefaktion nicht fruchten, müsse die Verwaltung in besonders betroffenen Bereichen über die Verhängung von Halteverboten nachdenken.