Kultur

Ein Cello-Talent besucht Pinneberg

Der junge Cellist Anton Mecht Spronk.

Der junge Cellist Anton Mecht Spronk.

Foto: Mitja Resnik Photography

Donnerstag spielt der junge Holländer Anton Mecht Spronk in der Drostei. Das Konzert wird vom Cellofonds finanziert.

Pinneberg.  Kinder an klassische Musik heranzuführen, daran beißt sich so mancher die Zähne aus. Mindestens ebenso viele haben damit aber ganz ungezwungen Erfolg, und zwar seit Jahren. Die meisten Berufsmusiker haben ihre Passion nämlich als Kind entdeckt. Als sie einem Stehgeiger zuhörten, mit einem Schulfreund vierhändig Klavier probierten oder zum ersten Mal in eine Trompete blasen durften. Der Pinneberger Musikjournalist Christoph Forsthoff hat vor zehn Jahren in enger Anbindung an die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern den Cellofonds gegründet. Seitdem veranstaltet er dort jedes Jahr ein Konzert mit jungen Cello-Spielern, die davor oder danach eine dörfliche Grundschule besuchen und dort spielen, aber vor allem mit den Kindern ins Gespräch kommen.

„Junge Menschen an klassische Musik heranzuführen funktioniert nicht durch Vorträge, sondern durch unmittelbaren Kontakt“, hat Forsthoff festgestellt. „Je jünger die Musiker sind, desto weniger Barrieren gibt es zwischen Kindern, Musikern und ihrer Musik.“ Zwar muss die wichtige Zusatzveranstaltung dieses Jahr coronabedingt ausfallen, das Konzert des Cellofonds, das vergangenes Jahr erstmals zusätzlich in Pinneberg zu hören war, findet aber wieder statt: Am 20. August geben der junge niederländische Cellist Anton Mecht Spronk und der Pianist Mario Häring im Rahmen des Jungen Forums in der Drostei ein Konzert mit Beethovens dritter Cellosonate, Strawinskys Suite italienne und einer Cellosonate von César Franck.

Alle gehen rücksichtsvoll miteinander um

Die künstlerische Leiterin der Drostei, Stefanie Fricke, hatte mit ihrem Mini-Barockfestival so gute Erfahrungen gemacht, dass sie zu dem Schluss kam: „Es hat uns so gefreut, wie freudig und dankbar das Pinneberger Publikum die erste Möglichkeit genutzt hat, wieder gemeinsam Musik erleben zu können, und wie verantwortungs- und rücksichtsvoll alle mit der Situation umgegangen sind. Deshalb haben wir uns entschlossen, auch weiterhin Konzerte stattfinden zu lassen, die möglich sind“, sagt Fricke.

Anton Mecht Spronk, geboren 1994, hat als Vierjähriger von seinem Vater das Cellospiel gelernt. Nachdem er bei einigen wichtigen Festivals und Wettbewerben Preise gewann, hat er eine internationale Karriere begonnen, die jetzt, coronabedingt, einen Dämpfer erfährt. Dieses Schicksal teilt er mit den meisten anderen vor allem jungen Musikern. Bis zum 15. August gastierte Spronk auf dem Davos Festival in der Schweiz. Und er liebt Kammermusik, weshalb er regelmäßig auf Festivals wie der Cellobiennale Amsterdam oder dem Gonjiam Festival in Südkorea spielt.

„Reihe „Junge Elite“ wurde abgesagt

Sein Partner auf der Bühne ist der Pianist Mario Häring, Jahrgang 1989, der aus einer deutsch-japanischen Musikerfamilie stammt und schon mit fünf Jahren Klavierunterricht erhielt. Er hat eine umfassende Ausbildung genossen, nahm an zahlreichen Meisterkursen teil, unter anderem bei Andras Schiff und Anatol Ugorski.

Christoph Forsthoff ist glücklich, dass für seine jungen Schützlinge nun wenigstens das Pinneberger Konzert stattfinden wird, denn die Konzerte der Reihe „Junge Elite“, innerhalb derer sie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern dabei gewesen wären, wurden wegen Corona abgesagt. Den Cellofonds hat der Celloliebhaber vor zehn Jahren gegründet, weil er damals eine kleine Erbschaft gemacht hatte und den musikalischen Nachwuchs unterstützen wollte.

Vom Kontakt zu Festivalmusikern inspiriert

Weil sein Sohn über den Weg des ungezwungenen Kontaktes zu den Festivalmusikern anfing, mit Begeisterung Cello zu spielen (und das bis heute tut), war daraus die Idee für den Fonds entstanden. Idealerweise gehen die Grundschüler davor oder danach noch in das Konzert des jeweiligen Musikers, auch dafür finanziert der Fonds ein kleines Kartenkontingent.

Forsthoff ist es sogar gelungen, den international renommierten Cellisten Daniel Müller-Schott als Schirmherrn zu gewinnen. „Unsere Vorschläge sind bis jetzt immer auf großes Interesse gestoßen, und hinterher haben wir viele tolle Dankeschöns bekommen“, sagt Forsthoff. Im vergangenen Jahr war Laura van der Heijden in der Haseldorfer Grundschule zu Gast gewesen. „Diese Besuche sind immer super angenommen worden“, sagt er. Das jährliche Drostei-Konzert soll regelmäßig stattfinden, und Forsthoff plant noch mehr: „Ich hatte sogar vor, das Konzept in den Südwesten von Deutschland zu exportieren. Aber dann kam Corona dazwischen.“ Aufgeschoben ist in diesem Fall zum Glück nicht aufgehoben.

Konzert für Violoncello und Klavier:Do 20.8., 19.30 Uhr Drostei, Dingstätte 23, Pinneberg. Karten gibt es noch, sie kosten zehn, ermäßigt drei Euro und sind ausschließlich im Vorverkauf in der Drostei erhältlich, Tel. 04101/21030. Es gibt keine Abendkasse.