Schenefeld/Itzehoe

Prozess: Polizist soll Tausende Kinderpornos gehortet haben

Der Gebäudekomplex des Landgerichts Itzehoe (Symbolbild).

Der Gebäudekomplex des Landgerichts Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Kripobeamte Holger S. behauptet, Kinderpornos für Schulungszwecke besessen zu haben. Er muss um seinen Beamtenstatuts fürchten.

Schenefeld/Itzehoe. „Hot“ heißt der Ordner auf der CD, den Richter Werner Hinz am Montag mit einem Doppelklick öffnet. Es erscheinen Bilder von zumeist nackten Mädchen in sexuellen Posen. Auch Filme sind dabei, die teilweise im Saal des Landgerichts Itzehoe abgespielt werden. Filme mit eindeutig kinderpornografischem Inhalt, aber auch Erwachsenenpornos.

Es ist inzwischen der sechste Prozesstag im Berufungsverfahren gegen Holger S., einst Beamter für Spurensicherung bei der Pinneberger Kriminalpolizei. Im Oktober 2014 wurden Haus, Auto und Büroräume des Schenefelders durchsucht, nachdem gegen ihn wegen eines angeblichen sexuellen Missbrauchs zum Nachteil eines elfjährigen Mädchens ermittelt worden war.

Für den Angeklagten geht es um Beamtenstatus und Pensionsansprüche

Gefunden wurden eine Vielzahl Speichermedien, die Tausende Dateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt enthielten. Der 58-Jährige kassierte dafür im April 2019 vom Amtsgericht Pinneberg ein Jahr auf Bewährung. Der Richterspruch würde ihn seinen Beamtenstatus und damit alle Pensionsansprüche kosten. Deshalb hofft er nun in der Berufung auf ein für ihn günstigeres Urteil.

Auf Antrag von Verteidiger Rolf Huschbeck wurden am fünften Prozesstag 24 CDs vom Gericht begutachtet, die bei dem Angeklagten gefunden worden sein sollen. Holger S. vermutete, dass es sich „um eine Tasche mit Musik-CDs“ aus seinem Auto handeln könnte. „Ich brauche nur das Inhaltsverzeichnis zu sehen.“ Doch als dort der Ordner „Hot“ auftauchte und die ersten Bilder sich öffneten, kam vom Angeklagten ein „Danke, hat sich erledigt“. Auf Nachfrage gab er dann an, dass keine der CDs ihm gehören würde. „Ich beschrifte meine CDs, die sind alle unbeschriftet“.

Lesen Sie auch:

7800 Dateien mit Kinder- und Jugendpornografie wurden entdeckt

Als Zeuge wurde ein Beamter der Auswertestelle der Kriminalinspektion Itzehoe gehört, der die bei dem Schenefelder gefundenen Datenträger für den zweiten Prozess noch einmal neu ausgewertet hatte – mit einem Programm, das 2014 noch nicht zur Verfügung stand. Er stieß auf 19.258 Dateien mit Kinder- und Jugendpornografie, wovon jedoch einige mehrfach auf den verschiedenen Datenträgern vorhanden sowie teilweise auch als Vorschaubilder gespeichert waren. Rechnet man diese heraus, bleiben knapp 7800 Dateien übrig.

Eine von mehreren Festplatten, die bei dem Angeklagten beschlagnahmt worden sind, ist bis heute nicht ausgewertet worden. Auf Antrag von Staatsanwältin Janina Plate wird dies nun nachgeholt. Auch drei Handys der Marken Nokia und Apple, für die zwar eine Datensicherung, jedoch keine Datenauswertung vorliegt, werden nun nochmals von den Spezialisten unter die Lupe genommen. Weil dafür Zeit benötigt wird, wird nun mit einem Urteil frühestens Ende September gerechnet.

Angeklagte will Dateien zu Schulungszwecken besessen zu haben

Verteidiger Huschbeck dürfte dann wie im ersten Verfahren einen Freispruch beantragen. Er hält die Durchsuchung bei seinem Mandanten für rechtswidrig, weil die Vorwürfe des elfjährigen Mädchens diese nicht gerechtfertigt hätten. Die kinderpornografischen Dateien seien daher Zufallsfunde und dürften nicht verwendet werden. Holger S. wiederum hatte angegeben, derartige Dateien zu Schulungszwecken von Kollegen erhalten zu haben. Ihm sei zudem von missgünstigen Kollegen „etwas untergejubelt worden“.