Kreis Pinneberg

Das Vermächtnis eines Elmshorner Kunstgenies

Künstlerin Hanne Münster zeigt mit Christel Storm (hinten) vom Kunstverein das vielsagende Werk „Und trotzdem… Elmshorn wir lieben dich“.

Künstlerin Hanne Münster zeigt mit Christel Storm (hinten) vom Kunstverein das vielsagende Werk „Und trotzdem… Elmshorn wir lieben dich“.

Foto: Carolin Bertsch, hsp

Der Kunstverein Elmshorn zeigt in einer Ausstellung im Torhaus ausgesuchte Werke des verstobenen Elmshorner Künstlers Barlach Heuer.

Elmshorn. „Es ist eine besondere Ausstellung, weil er ein besonderer Mann war.“ Dierk Wulf, stellvertretender Vorsitzender des Kunstvereins Elmshorn, ist Barlach-Fan. Barlach-Heuer-Fan, um genau zu sein. Mehr als 50 Farbdrucke des Künstlers Barlach Heuer bekam der Kunstverein von privaten Sammlern geliehen, ausgestellt werden nun aber nur 40 der Linol- und Holzschnitte in den Räumen des Torhauses. „Sonst wird es einfach zu viel“ sagt Christel Storm, Vorsitzende des Vereins.

Barlach Heuer ist im vergangenen Jahr in einem Alter von 89 Jahren verstorben. „Wir wollen mit dieser kleinen Ausstellung noch einmal an ihn erinnern“, sagt Wulf. Alle Bilder hätten einen Bezug zur Stadt, denn es seien Werke, die der Künstler in Elmshorn verkauft habe. Das Besondere: Durch die von Privatleuten gekauften Bilder ist eine Vielfalt entstanden, die „kreuz und quer durch das jahrzehntelange Schaffen Heuers führt“, so Wulf. Er war bis zuletzt aktiv, eine seiner letzten großen Ausstellungen fand in der Orangerie des Jardin du Luxembourg statt.

Barlach Heuer wurde 1930 in Elmshorn als Sohn des damals stadtbekannten Studienrates Alfred Heuer geboren. Der etwas ungewöhnliche Vorname Heuers lässt sich leicht erklären: Heuers Vater war eng mit den drei Künstlern Emil Nolde, Christian Rohlfs und Ernst Barlach befreundet. Diese machte er zu Patenonkeln seines Sohnes und gab diesem aus Verehrung für Ernst Barlach den Namen.

Nach seiner Schulzeit absolvierte der junge Barlach Heuer eine Tischlerlehre, was vielleicht seine spätere Liebe zu Holzschnitten erkläre, meint Wulf. Schon bald wurde es dem Kunstschaffenden in Elmshorn zu eng und er zog in die damalige Künstlerhauptstadt Paris, wo er dann auch bekannt wurde. Allerdings habe er immer Kontakte nach Elmshorn gehalten und auch im Torhaus Ausstellungen gegeben, so Wulf stolz. Deswegen stammen die Werke, die ausgestellt werden, auch alle aus dem Privatbesitz von Elmshornern, überwiegend seien sie sogar aus den Beständen der Mitglieder des Kunstvereins.

Zu bemerken ist auch, dass Hanne Münster bei der Ausstellung mitwirkt. Die Künstlerin arbeitet eigentlich nicht mit Holz oder Linol, sondern mit Radierungen. Schon seit 40 Jahren wirkt sie in ihrer Werkstatt in Elmshorn. Die Künstlerin hat Heuer vor zehn Jahren persönlich bei einer Ausstellung kennengelernt. Heuer habe sie damals einfach angesprochen mit den Worten: „Mensch, Hanne, wir müssen mal was zusammen machen!“

Münster war zunächst sprachlos, sagte dann aber zu. Sie sei zu Heuer nach Paris gefahren, im dortigen Atelier hätten beide einen Holzschnitt angefertigt. Zwar sei Münsters Stil gar nicht der Stil Heuers gewesen, aber am Ende waren beide mit dem Ergebnis zufrieden. „Ich habe das Motiv gemacht und er die Farben“, sagt die Künstlerin über das erste gemeinsame Werk. Dem sollten noch viele weitere folgen, einige von ihnen sind auch in der Ausstellung zu sehen.

Stilistisch könne man Heuer keiner Richtung zuordnen, dafür sei er zu sprunghaft, so Wulf. „Er ist ein Einzelfall.“ Es sei eine große Vielfalt, so der stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins zu den Werken im Torhaus. Christel Storm merkt an: „Die Werke sind zum Teil sehr abstrakt, dann hat er aber auch wieder ganz fassbare Motive geschaffen“. Auch habe Barlach viel mit Farbe experimentiert, somit entstehe immer etwas Auffallendes. Wahrscheinlich, weil Heuer viel mit anderen Künstlern zusammen gearbeitet hat.

Das Torhaus musste in den vergangenen Monaten, wie so viele kulturelle Einrichtungen, schließen. „Die Ausstellung über Gudrun Becker ist ganz ausfallen“, sagt Storm traurig. Deswegen freue sie sich jetzt umso mehr, dass der Kunstverein Elmshorn mit einer Ausstellung über Barlach Heuer nach der Sommerpause endlich wieder starten könne. „Damit die Leute merken, dass es auch in der Kultur wieder ein wenig losgeht.“

Die Ausstellung im Torhaus steht dennoch unter dem Einfluss von Corona. Es dürfen sich nur sechs Personen in den Räumen aufhalten. Auch ist eine Vernissage nicht möglich, deswegen sind die Vorsitzenden des Kunstvereins bei der Eröffnung am morgigen Sonntag, 16. August, von 11 Uhr vor Ort, um Fragen zu beantworten und ein wenig über Heuer zu erzählen.

Die Ausstellung dauert bis zum 6. September. Geöffnet ist jeweils dienstags bis freitags von 10 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr. Sonnabends und sonntags stehen die Tore von 11 bis 13 Uhr offen, der Eintritt ist frei.