Kreis Pinneberg

Performancekunst zugunsten einer Corona-Studie

Voller Körpereinsatz: Cäcilie Cichonski bei ihrer Live-Mal-Performance für die Stiftung Kinderherz in Rellingen.

Voller Körpereinsatz: Cäcilie Cichonski bei ihrer Live-Mal-Performance für die Stiftung Kinderherz in Rellingen.

Foto: Carolin Bertsch, hsp

Auf dem Rellinger Rathausplatz malt Künstlerin Cäcilie Cichonski vor Publikum für eine Studie der Stiftung KinderHerz. Ein Ortstermin.

Rellingen. Elektronische Klänge, eine weiße Leinwand, Acrylfarben und Inspiration – mehr braucht Cäcilie Cichonski nicht, um ein Kunstwerk zu erschaffen. Mit Kopfhörern auf den Ohren und Pinseln in der Hand macht sie sich ans Werk. Dunkelblau hier, Türkis da, Weiß dort hinten. Vor den Augen der Zuschauer entsteht ein Werk aus unterschiedlichen Blau- und Grautönen, durchmischt mit Türkis und Grün. Cäcilie Cichonski kniet sich hin, beugt sich über die Leinwand und erreicht so jeden weißgebliebenen Fleck.

Willkommen bei Cichonskis Live-Mal-Performance auf dem Rathausplatz in Rellingen. Bei der Performance am Freitag hört die Künstlerin Musik und erschafft dabei ein Werk. Das Besondere: Jeder, der vorbeikommt, kann zuschauen. Fast drei Stunden lang ist Cichonski mit ihrem Werk beschäftigt. „Danach ist Schluss“, so die Künstlerin, die in Hamburg ein Atelier besitzt. Vor allem, wenn es so heiß ist wie heute, wird das Malen auch zur körperlichen Anstrengung.

Doch es dient einem guten Zweck: Ein Teil des Erlöses des Bildes geht an die Stiftung KinderHerz, die die sogenannte C19-Child-Studie betreibt, um herz- und lungenkranke Kinder bestmöglich behandeln zu können. Gerd Uhlig, Galerist in Rellingen, ist Initiator der kleinen Veranstaltung. Vor der Live-Mal-Performance von Cichonski ist schon das Duo aus Christine Brückner und Dorothea Geiger aufgetreten. Ein kleines Konzert, dessen Erlös ebenfalls in die Stiftung fließt.

Wie Uhlig auf die Idee gekommen ist, das Konzert und die Performance auf dem Rathausplatz abzuhalten? „Wenn die Leute nicht zu mir in die Galerie kommen, muss ich zu ihnen kommen.“ Kennengelernt hätten sich Uhlig und Cichonski 2018 bei einer Ausstellung im Schenefelder Rathaus. Sie habe sofort zugesagt, als er sie fragte, ob sie Live-Kunst machen wolle. Seit Corona sei nichts mehr los, deswegen freut sich Cichonski „umso mehr, dass wir hier zusammengekommen sind“, noch dazu draußen bei Traumsommerwetter.

Seit Anfang 2017 macht die Künstlerin Live-Mal-Performances. Besucher ihrer Galerie hätten sie gefragt, wie ihre Bilder zustande kommen würden, wie der Prozess sei. Deswegen sei sie dazu übergegangen, ihre Werke vor Publikum und untermalt mit Musik entstehen zu lassen. Die Kunst solle „raus aus der Galerie, rauf auf die Straße“ sagt sie. Neben ihrer Malerei ist sie auch noch DJ, denn die Musik, die sie zu ihren Performances hört, hat sie vorher selbst gemixt.

Inspiration entnehme sie der Musik allerdings kaum. Die Klänge dienten lediglich dazu, sich ein bisschen von den Zuschauern abzuschotten. „Wenn ich male, gehe ich in eine Art Meditation“, so Cichonski. Ihre Kunst gehe eher in die spirituelle Richtung. Ihr Thema ist das fünfte Element, das Licht. Dieses ergänze Feuer, Wasser, Erde und Luft. Sie möchte mit ihren Performances diesen Gedanken den Menschen näherbringen. Während ihrer Kunstproduktion sei sie energetisch mit ihrem inneren Licht verbunden, von dort fließe die Inspiration für das Bild.

Cichonski malt mit Acrylfarben, die trocknen schnell und man könne so Schicht auf Schicht setzen. Damit baue sich das Bild im Schaffensprozess auf. Die Farbe, die bei ihr fast immer dominiere, sei Blau. „Blau ist meine Sprache“, sagt Cichonski. Auch das Bild, das sie heute malt, bleibt dieser Linie treu. Wegen der Hitze muss die Künstlerin immer wieder Pausen machen. „Der Prozess geht nach der Live-Mal-Performance noch weiter“, sagt sie. Meistens sei das Bild dann nach ein paar Wochen endgültig fertig.

Das Malen liegt der Künstlerin im Blut: „Mich gab’s schon als Kind nicht ohne Farben und Stifte“, sagt sie und lacht. Sie brauche die Kunst wie andere die Luft zum Atmen. Schon fängt die Musik wieder an zu spielen und Cichonski kniet sich erneut über die 1,30 mal 1,70 Meter große Leinwand. Wenn das Werk fertig ist, soll es für mindestens 2000 Euro verkauft werden, ein Viertel des Erlöses geht an die Stiftung, die sich der Corona-Forschung verschrieben hat.