Pinneberg
Kreis Pinneberg

Spektakulärer Unfall: Audi fliegt ins Haus

Der Audi S 5 Coupé liegt auf der Seite und hat ein großes Loch in die Küche des Einfamilienhauses gerissen. Damit das Gebäude nicht einstürzt, rückte das THW zur Sicherung an.

Der Audi S 5 Coupé liegt auf der Seite und hat ein großes Loch in die Küche des Einfamilienhauses gerissen. Damit das Gebäude nicht einstürzt, rückte das THW zur Sicherung an.

Foto: THW Ellerhoop / THW Elmshorn

Der Pinneberger Yanneck M. soll betrunken und ohne Führerschein einen schweren Unfall in Ellerhoop verursacht haben.

Ellerhoop/Elmshorn.  23 Meter flog das Coupé vom Typ Audi S 5 durch die Luft. Der Flug endete in der Küche eines Hauses in Ellerhoop. Bei dem spektakulären Unfall entstand am 3. Februar vorigen Jahres ein Gesamtschaden von fast 100.000 Euro. Die beiden Insassen kamen mit dem Leben davon – und sahen sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Elmshorn wieder. Mit Yanneck M. (23) wurde am Ende einer von ihnen zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt.

Trunkenheit am Steuer, fahrlässige Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis warf die Staatsanwaltschaft dem Pinneberger vor. Der konnte vor Gericht haarklein berichten, was er an dem Wochenende so gemacht hatte. In erster Linie feiern und Alkohol trinken. „Erst waren wir auf der Eislaufbahn mit der ganzen Mannschaft zum Umtrunk.“ Dann sei es bei einem Griechen in Appen weitergegangen, mit Cola-Korn und Ouzo. „Die Stimmung war gut, wir haben gut was getrunken.“

Dritte Station: das Lights in Elmshorn. Zu dem Zeitpunkt war die Gruppe bereits auf vier Personen geschrumpft. Als zwei weitere nach Hause gebracht worden waren, blieben der Angeklagte und Kevin J. übrig. Letzterer war nüchtern und fuhr, der Angeklagte saß laut eigenen Angaben auf dem Beifahrersitz.

Mit 100 km/h durch den Ort gerast

„Wir wollten dann zu einer Privatparty“, so Yanneck M. Als sich das zerschlagen habe, habe er Kevin („Der weiß, dass ich keinen Führerschein habe“) gebeten, auch ihn nach Hause zu fahren. Ab diesem Zeitpunkt will sich der 23-Jährige an nichts mehr erinnern. „Dann weiß ich nur noch, dass ich auf einer Bank an einem Haus aufgewacht bin.“ Der Wagen habe sich auf der Beifahrerseite liegend halb in dem Haus befunden, er habe Schmerzen in der Schulter, am Brustkorb und im Kopf gehabt. „Dann war ich im Krankenhaus.“ Dort ergab eine Blutprobe bei ihm 0,69 Promille.

In die Klinik kam auch Kevin J., der ebenfalls als schwer verletzt galt. Er gab an, der Angeklagte habe ihn mehrfach genervt, mal fahren zu dürfen. Er habe dann angehalten und Yanneck M. erlaubt, sich auf den Fahrersitz zu setzen, er habe auf den Beifahrersitz gewechselt. „Dann hat er den Startknopf gedrückt und gesagt: Ich zeig’ dir jetzt mal, wie ein richtiger Rallyefahrer fährt.“

Der Angeklagter sei mit weit mehr als 100 Kilometer pro Stunde durch den Ort gerast und der Audi an der Barmstedter Straße aus einer Kurve geflogen. „Wir waren über den Punkt hinaus, wo man spätestens bremsen musste, dann sind wir nur noch geflogen.“ Er sei nach dem Crash durch die nicht mehr vorhandene Heckscheibe ins Freie geklettert und habe dann Yanneck M. aus dem Wrack herausgeholfen. „Er sagte mir, der Unfall sei schlecht für seine Karriere und ich solle behaupten, gefahren zu sein.“ Er habe das jedoch abgelehnt, auch als ihm der Angeklagte erst 1000 und dann 10.000 Euro geboten habe.

„Dann kam er auf die Idee, dass ein Marcel den Wagen gefahren hat, den ich im Lights kennengelernt habe und der nach dem Unfall abgehauen ist.“ Diese Aussage gab der Angeklagte auch den Polizeibeamten zu Protokoll. Kevin J. soll das bestätigt haben. Heute sagt er: „Ich stand eher sprachlos dabei, als die Polizisten mit uns geredet haben.“

Bewohner waren nicht zu Hause

Die Version im Einsatzbericht „stammt zum größten Teil von Herrn M.“, bestätigte Polizist Ronald B. (41) dem Gericht. Er habe die Version eines flüchtigen Fahrers von Beginn an nicht geglaubt – und auch nicht, dass der Angeklagte hinten links saß. „Eigentlich ist das ein Zweisitzer. Dass der Angeklagte bei seiner korpulenten Statur dort gesessen haben will, halte ich für fragwürdig.“

Stefan P. (43) und Christine S. (39) gehört das Haus, in das der Audi flog. „Wir waren über das Wochenende ganz spontan nach Büsum gefahren“, so der 43-Jährige. Sein Bruder habe ihn dort um kurz vor 3 Uhr nachts angerufen. „Er sagte, wir sollten zurückkommen, da steht ein Auto in unserer Küche.“ In der Wand zur Küche habe ein riesiges Loch geklafft, die Küche selbst sei zerstört gewesen, ebenso der angrenzende Carport.

„Nach zwei Wochen kam ein Statiker und sagte uns, dass wir weiter in dem Haus wohnen können“, so Christine S. Sie seien vier Monate ohne Küche gewesen, hätten auf einer Elektroherdplatte im Wintergarten gekocht. Der Gebäudeschaden habe 54.000 Euro betragen, der Ersatz von Küche und Hausrat 20.000 Euro gekostet. Die Reparaturen hätten sich bis August hingezogen, bezahlt habe den Schaden ihre Hausratversicherung.

Die Vollkaskoversicherung des Fahrzeughalters Jan-Ole S. (24) bezahlte den Zeitwert des Sportwagens in Höhe von 24.000 Euro. Der Elmshorner hatte mit den Freunden beim Griechen gefeiert. „Ich habe meine Alkoholgrenze überschätzt, sodass der Abend für mich schnell zu Ende war.“ Er habe keine Ahnung, wie Kevin J. an seinen Fahrzeugschlüssel gekommen sei. „Was ich in meinem Rausch getan habe, weiß ich nicht mehr.“ Am nächsten Morgen habe er auf Facebook Fotos des Unfalls gesehen und seinen Wagen wiedererkannt.

Er habe die Freundschaft zum Angeklagten und zu Kevin J. abgebrochen, weil diese dauernd auf den Unfall zu sprechen kamen. Beide hätten behauptet, nicht gefahren zu sein und den jeweils anderen beschuldigt. „Ich will das aber gar nicht wissen, dass ist eine Sache zwischen den beiden. Ich wollte nur das Geld für den Wagen wiederkriegen.“ Der hatte laut Dekra-Gutachten ein Verkehrsschild abgeknickt, auf dem Kantstein aufgesetzt, abgehoben und im Flug eine Hecke durchbrochen sowie einen Baum gestreift. Im Anschluss mähte sich der Audi durch weitere Büsche, zerstörte den Carport und durchschlug die Hauswand. „Ein Wunder, dass Ihnen beiden nicht mehr passiert ist“, so Richter Brian Scheffel. Er verlas ein Gutachten des Landeskriminalamtes, wonach auf dem Fahrerairbag vorgefundene Blutspritzer aufgrund eines DNA-Tests Yanneck M. zugeordnet werden konnten.

Spuren von Kevin J. fanden sich weder dort noch am Lenkrad. Auch die Prellmarken vom Sicherheitsgurt, die beim Angeklagten von links oben nach rechts unten verliefen, sind ein Indiz, dass er im Wagen links saß. Jedoch nicht hinten. Untersuchungen der dortigen Gurte ergaben, dass sich dort zum Unfallzeitpunkt niemand aufgehalten hatte.

Verteidigerin Belindis Baehr war dennoch der Meinung, dass sich die Anklage „ausschließlich auf die Aussage des Zeugen stützt, der auch als Täter infrage kommt“. Ihm glaube sie jedoch kein Wort. „Daher beantrage ich Freispruch.“ Richter Scheffel folgte jedoch dem Antrag der Staatsanwältin, die eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 15 Euro für den Auszubildenden beantragt hatte. „Ich bin davon überzeugt, dass der Zeuge die Wahrheit sagt und Sie gefahren sind“, so der Richter. Die Gesamtschau aller Indizien lasse keinen anderen Schluss zu. „Machen Sie so einen Mist nie wieder“, so Scheffel zum Angeklagten. Der nickte artig.