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Kreis Pinneberg räumt Rädern mehr Platz an Bahnhöfen ein

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Schafft Motivation für Radler: Claudius von Rüden mit seinem Fahrrad vor der neuen Abstellanlage am Haupteingang des Bahnhofs Halstenbek

Schafft Motivation für Radler: Claudius von Rüden mit seinem Fahrrad vor der neuen Abstellanlage am Haupteingang des Bahnhofs Halstenbek

Foto: Arne Kolarczyk

In Halstenbek sind 290 Stellplätze und 22 verschließbare Boxen entstanden. In Elmshorn kommen 160 Plätze hinzu.

Kreis Pinneberg. Der Kreis Pinneberg wird zum langsam Fahrrad-Kreis: Während die Kreisverwaltung weiter an dem ersten Radschnellweg von Elmshorn nach Hamburg plant, haben Halstenbek und Elmshorn an den Bahnhöfen neue Abstellflächen für Fahrräder geschaffen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann dort auch abschließbare Radboxen mieten, um einen Diebstahl des teuren Besitzes zu vermeiden.

„Bike & Ride“ heißen die Anlagen, die an den S-Bahnhöfen Halstenbek und Krupunder entstanden sind. Die bisher dort vorhandenen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder befanden sich in einem sehr desolaten Zustand. „Wir haben damals festgestellt, dass die alten Anlagen nicht mehr richtig angenommen worden sind“, so Bürgermeister Claudius von Rüden. Der Ersatz indes ließ lange auf sich warten. Bereits im September 2016 hatten die Halstenbeker Gemeindevertreter grünes Licht für das Projekt gegeben, weil eine großzügige Förderung aus Landesmitteln in Rede stand.

Halstenbek und Krupunder haben jetzt Radanlagen

Doch bis zum Baubeginn am S-Bahnhof Halstenbek dauerte es bis zum April vorigen Jahres, der Bahnhof in Krupunder wurde parallel ab Mai 2019 in Angriff genommen. 244 Stellplätze für Fahrräder sind an beiden Bahnhöfen neu entstanden, 46 weitere wurden saniert. „Insgesamt stehen jetzt an beiden Bahnhöfen 290 Stellplätze für Fahrräder zur Verfügung, hinzu kommen 22 abschließbare Boxen“, so von Rüden weiter. Die Gemeinde sei mehrfach von Bürgern darum gebeten worden, solche sicheren Aufbewahrungsmöglichkeiten an den Bahnstationen zu schaffen.

„Wir wollen mit dem Angebot eine stärkere Nutzung des Rades erreichen“, so der Verwaltungschef weiter. Wer etwa mit der Bahn zur Arbeit fahre, könne nun sein Rad gut und sicher an den beiden S-Bahnhöfen abstellen. 450.000 Euro hat das Projekt verschlungen, die Hälfte wird voraussichtlich vom Land sowie dem Nahverkehrsverbund nah.sh gefördert. „Wir haben die entsprechenden Anträge inzwischen gestellt“, so von Rüden weiter.

Am S-Bahnhof Halstenbek können nun am Haupteingang 124 Räder an den Bügeln angeschlossen werden, dort gibt es seit kurzem zehn Fahrradboxen. Auf der anderen Seite des Bahnhofs sind an der Unterführung 94 Stellplätze sowie sechs Boxen entstanden. In Krupunder wurden 72 Plätze für Fahrräder und sechs Boxen gebaut. „13 der 22 Fahrradboxen sind noch zu vergeben“, so der Bürgermeister. Die Mindestmietdauer betrage sechs Monate, die Gebühr koste 45 Euro für ein halbes Jahr. Wer Interesse hat, kann sich an die Verwaltung wenden und erhält dann einen Schlüssel.

Fahrradstraße von Thesdorf nach Halstenbek

Die Gemeinde hat seit Dezember 2018 mit dem Thesdorfer Weg eine Fahrradstraße, die Halstenbek mit Pinneberg verbindet. Und durch Halstenbek wird auch die erste von sieben „Radautobahnen“ führen, die die Metropolregion mit Hamburg verbinden. Hartmut Teichmann ist bei der Kreisverwaltung Projektleiter für die 32 Kilometer lange Strecke, die von Elmshorn kommend weitgehend an der Bahnstrecke verlaufen soll. Dabei streift die Route die Orte Tornesch, Prisdorf, Pinneberg und Halstenbek, wobei die Trasse von Elmshorn, wo am Freitag ein Radparkhaus mit 160 Plätzen eingeweiht wird, bis Prisdorf nördlich der Gleise verläuft, ab Prisdorf soll südlich des Bahndamms bis nach Hamburg gefahren werden.

„Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Jahresende die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen haben“, sagt Teichmann. Die Abgabe habe sich aufgrund der Corona-Pandemie etwas verzögert. Derzeit seien die Mitarbeiter des beauftragten Planungsbüros Argus in Abstimmungsgesprächen mit den beteiligten Kommunen. „In der letzten Septemberwoche werden wir in mehreren Orten Befahrungstermine mit Vertretern der kommunalen Politik anbieten“, so Teichmann weiter.

Derzeit würden auch die Gespräche mit der Deutschen Bahn laufen, da weiterhin nicht entschieden sei, wo genau zwischen Tornesch und Prisdorf die Gleise gequert werden können. Veranstaltungen in den Kommunen hat es laut dem Projektleiter bereits gegeben. Eine weitere ist noch für die Anlieger im Liether Moor geplant, die sich bislang skeptisch gezeigt hatten, als eine Routenführung durch das Gebiet ins Gespräch gebracht worden war.

Der Radschnellweg soll sich als vier Meter breites, beleuchtetes und weitgehend kreuzungsloses Asphaltband durch den Kreis bis nach Hamburg ziehen und Menschen motivieren, auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Mindestens 2000 Nutzer pro Tag werden erwartet. Bevor es irgendwann zum Bau kommt, sind jedoch noch viele Fragen zu klären. Die Finanzierung ist eine davon. Etwa eine Million Euro sind pro Kilometer veranschlagt. Geklärt werden muss, wer die Bauträgerschaft übernimmt, ob Baurecht über ein Planfeststellungsverfahren geschaffen werden kann und wer für die Instandhaltung zuständig sein wird. „Der politische Wille ist da, gerade Hamburg macht derzeit viel Druck“, sagt Teichmann. Auch die Bevölkerung stehe hinter dem Projekt, wie die Online-Befragung gezeigt habe.

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