Kreis Pinneberg

Wie sich die Schulen auf den Neustart vorbereiten

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Simon Krohn
Schüler sitzen in einem Klassenzimmer, während auf dem Lehrerpult drei kreisrunde Papierschilder mit der Aufschrift Schule neu, Verhalten und Corona liegen (Symbolbild).

Schüler sitzen in einem Klassenzimmer, während auf dem Lehrerpult drei kreisrunde Papierschilder mit der Aufschrift Schule neu, Verhalten und Corona liegen (Symbolbild).

Foto: Felix Kästle / dpa

Nach den Sommerferien wird vieles an den Schulen im Kreis Pinneberg anders als sonst. Aber bei den Verantwortlichen überwiegt der Optimismus.

Kreis Pinneberg.  Desinfektionsspender, Einbahnstraßen, Maskenempfehlung. Oder -pflicht? Der Start ins neue Schuljahr an den weiterführenden Schulen im Kreis Pinneberg ist dieses Mal besonders – und mit einigen Fragezeichen versehen.

Was am wichtigsten erscheint: Abstand zu wahren. Fast alle Schulen trennen die Jahrgänge räumlich voneinander. Von „Kohortenbildung“ ist die Rede. Um dieses Konzept umzusetzen, benötigen die Schulen viel Platz. Wie kann das funktionieren? Matthias Beimel, Direktor der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Pinneberg, sagt, dass sich die Unterrichts- und Pausenzeiten verschieben, sodass zeitgleich höchstens ein Drittel der rund 700 Schüler auf dem Pausenhof ist. Die Lehrer holten die Schüler von ihrem Platz auf dem Pausenhof ab und brächten sie nach der Stunde auch wieder dorthin zurück. Dadurch kommen sich die Kohorten nicht in die Quere.

Am Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek, das etwa 1000 Schüler zählt, sei die Aufteilung ähnlich, sagt Direktor Veit Poeschel. Allerdings kämen hier alle Kinder zur selben Zeit, da die Aufteilung der Lehrer sonst nicht reibungslos ablaufen könne. Dies sei aber kein Problem, da der Schulhof groß sei und genügend Eingänge und Treppenhäuser zur Verfügung stünden. Auch Andreas Weßling, Schulleiter der Erich Kästner Gemeinschaftsschule in Elmshorn, will an den Unterrichtszeiten nichts ändern.

Schulleiter Stephan Krumme, der für 600 Schüler an der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule in Wedel verantwortlich ist, fängt bei der Trennung der Kohorten schon auf dem Schulweg an. Die per Bus anreisenden Kinder sollten seiner Meinung nach schon im Bus getrennt fahren, um die Kohorten über den gesamten Schultag zu trennen. Dafür hat Krumme die Stundenpläne an die Busfahrzeiten angepasst. So ergäben sich ebenfalls verschobene Pausenzeiten, und der Schulhof sei nicht so voll. Allerdings ist dieses Konzept nicht verpflichtend, sondern nur eine Empfehlung.

Die vom Bildungsministerium vorgeschriebene Maskenempfehlung wird von den Schulen sehr ernst genommen. „Die Empfehlung wird von den Schülern zu 99,9 Prozent eingehalten“, sagt Beimel und bezieht sich damit auf die Zeit vor den Ferien. Der Halstenbeker Schuldirektor Poeschel wirft ein, dass Masken die Lehrer in ihrer pädagogischen Arbeit einschränkten: Für das Lehrerzimmer gilt Maskenpflicht, und spontane Gespräche auf den Fluren seien auch nicht in dem Maße möglich wie normalerweise. Nun müsse man sich absprechen und telefonieren, um Dinge zu besprechen, die sonst spontan im Vorbeigehen geklärt wurden.

Eine partielle Maskenpflicht sprechen der Wedeler Krumme und Weßling von der Erich Kästner Gemeinschaftsschule in Elmshorn an ihren Schulen aus. „Wenn viele Schüler in engen Teilen aufeinandertreffen, besteht Maskenpflicht“, sagt Weßling. Krumme begründet die Maskenpflicht damit, dass an der Schule nicht genug Platz sei, um die nötigen Abstände einzuhalten. Deshalb sei die Maske vom Betreten des Schulgeländes bis zum Erreichen des Platzes zu tragen. Auf dem Weg zum Platz, würden die Schüler auf den Fluren dem Rechts-Geh-Gebot folgen. Das Wolfgang-Borchert-Gymnasium weist dagegen nur auf die dringende Maskenempfehlung in den Fluren hin. Direktor Poeschel befürwortet allerdings sogar das Tragen einer Maske im Unterricht innerhalb der ersten zwei Wochen, um mögliche Infektionen durch Reiserückkehrer zu vermeiden. Generell sollte immer eine Maske getragen werden, wenn Abstände nicht eingehalten werden können.

Die Desinfektionsmittelspender stehen an den Schulen schon seit der Zeit vor den Ferien. An den Gebäudeeingängen, in den Klassenräumen oder vor den Toiletten.

Einige Unterrichtsfächer wie Sport, Kunst, Musik und Darstellendes Spiel können nicht in gewohntem Ausmaß stattfinden. Am Wolfgang-Borchert-Gymnasium ist nur Sport im Freien möglich, allerdings teilt sich die Schule den Sportplatz mit einer benachbarten. Dadurch sei er nicht immer verfügbar, sagt Direktor Veit Poeschel. Stephan Krumme sagt, dass seine Schüler vorerst auf den Sportunterricht verzichten müssten, da es keine dafür geeignete Außenanlage gebe. Anders sieht es an der Erich Kästner Gemeinschaftsschule aus. Dort nutzen die Lehrer das gute Wetter, um draußen Sport zu unterrichten. An der Theodor-Heuss-Schule können die Schüler auch drinnen Sport treiben. „Dabei achten wir darauf, kontaktarmen Sport wie Leichtathletik oder Fitness zu machen“, sagt Schulleiter Beimel.

Auch der Musikunterricht wird anders. Die Schüler machen mehr Theorie, da das gemeinsame Singen und Musizieren nicht erlaubt ist.

Insgesamt sei große Vorfreude zu verspüren, berichten die Schulleiter übereinstimmend. Einzelne besorgte Eltern meldeten sich, aber die Gesamtheit fiebere dem Schulstart entgegen. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Veit Poeschel. Er sei ganz optimistisch, da sich die Schüler schon vor den Sommerferien vorbildlich verhalten hätten.

Auch der 65 Jahre alte THS-Chef Matthias Beimel ist ein Fan des Präsenzunterrichts und denkt dabei auch an die Lehrer: „Lehrer ohne Schüler sind wie Fische ohne Wasser“. Er beobachtet: Bei den Schülern sei die Freude über das Zurückkommen größer als das Leiden durch Distanzhalten oder Maske.

Sicher zur Schule mit Polizei und Fahrradclub

Die Landespolizei will trotz angespannter Personalsituation die Schulwege kontrollieren, teilt die Gewerkschaft der Polizei mit. „Unsere Kollegen werden wieder verstärkt präsent sein und mit Tipps und Ermahnungen dazu beitragen, dass alle sicher zur Schule kommen“, so der Landesvorsitzende Torsten Jäger. Er appelliert an alle Schüler, zusätzlich auch die Corona-Regeln, vor allem in den öffentlichen Verkehrsmitteln, einzuhalten.

„Eltern-Taxis“ sollten sich zwingend an die geltenden Verkehrsregeln halten, so die Polizeigewerkschaft. Das Halten in zweiter Reihe sei nur dann erlaubt, wenn der übrige Verkehr nicht behindert wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) startet in Schleswig-Holstein seine Mobilitätstage für Grundschulen. Ziel ist, Schülern das Thema Fahrrad mit den Facetten Sicherheit und Spaß näherzubringen.

Die Corona-Pandemie habe die Bedeutung des Radfahrens verdeutlicht, zeitgleich mussten die Fahrradprüfungen in Schleswig-Holstein abgesagt werden, obwohl immer mehr Schüler immer schlechter Rad fahren. Deshalb werden nun für dritte und vierte Klassen die Mobilitätstage als Projekt an Grundschulen angeboten. Die Mobilitätstage für Grundschulen sind kostenlos. Interessierte können sich unter info@adfc-sh.de oder 0431-6 31 90 anmelden.

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