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Ehepaar schenkt der Stadt Elmshorn ein Haus

Herbert und Ingrid Gewers gründen eine Stiftung, um der Stadt Elmshorn ihr Wohn- und Geschäftshaus an der Marktstraße 16 zu überlassen.

Herbert und Ingrid Gewers gründen eine Stiftung, um der Stadt Elmshorn ihr Wohn- und Geschäftshaus an der Marktstraße 16 zu überlassen.

Foto: Arne Kolarczyk

Ein großzüges Geschenk an Elmshorn: Das Stadtarchiv erhält ein repräsentatives Domizil in bester Innenstadtlage. Das sind die Gründe.

Elmshorn.  Das Elmshorner Stadtarchiv verdreifacht seine Fläche und erhält ein repräsentatives Domizil in bester Innenstadtlage. Möglich wird dies durch ein ganz besonderes Geschenk: Die Eheleute Herbert und Ingrid Gewers überlassen der Stadt ihr Wohn- und Geschäftshaus an der Marktstraße, das künftig in eine Stiftung eingebracht wird.

Das Stadtarchiv fristet derzeit im wahrsten Sinn des Wortes ein Schattendasein – und zwar im Keller der Weißen Villa auf 150 Quadratmetern. Dort arbeiten vier Mitarbeiter des Rathauses in Teilzeit, hinzu kommen sechs ehrenamtliche Kräfte des Fördervereins.

Der wurde vor 15 Jahren gegründet und hat dabei geholfen, dass aus einem Aktenarchiv ein echter Hüter der Elmshorner Vergangenheit geworden ist. Zeitungsartikel, Akten und 1,5 Millionen Fotos bilden heute den Grundstock des Archivs. An der Unterbringung in den dunklen Kellerräumen konnte auch der Förderverein nichts ändern.

Ehepaar besuchte das Stadtarchiv im Keller

Dazu bedurfte es erst der Initiative der Eheleute Gewers. „2015 war ich erstmals im Stadtarchiv, weil ich alte Bilder der Marktstraße gesucht habe“, berichtet Herbert Gewers. Dabei sei ihm aufgefallen, welchen Schatz das Archiv darstelle. Er habe jedoch auch gemerkt, dass die Unterbringung verbesserungswürdig ist. Und schnell kam dem Elmshorner die Idee, dass sein Wohn- und Geschäftshaus mit Adresse Marktstraße 16 hier eine Rolle spielen könnte.

Der Großvater von Herbert Gewers hatte die 1840 gebaute Immobilie 1904 gekauft und dorthin seinen Kolonialwarenladen verlegt. Den betrieben später die Eltern des Elmshorners. Der übernahm das Gebäude 1969 auf Leibrente. Als die Marktstraße 1975 zur Fußgängerzone wurde, war das Haus der letzte Altbau auf der Nordseite.

Trotz der 16 Prozent hohen Zinsen wagte Gewers den Neubau. Dabei half ihm ein 25 Jahre andauernder Mietvertrag für die Geschäftsfläche im Erdgeschoss, den er mit der Tengelmann-Gruppe abschloss. Die eröffnete dort den ersten Plus-Markt in Schleswig-Holstein und reichte die Geschäftsfläche später an die Drogeriekette Schlecker weiter.

Schwierigkeiten, die Fläche zu vermieten

„Mit dem Ende dieses langfristigen Mietvertrages wurde es immer schwieriger, die Fläche zu vermieten“, sagt Gewers. Die vergangenen drei Jahre stand das 370 Quadratmeter große Geschäft leer. Das ändert sich im ersten Quartal 2021, wenn nach einem umfangreichen Umbau das Stadtarchiv in die Räume einziehen wird.

„Als ich das erste Mal im Gebäude war, stand ich da mit offenem Mund und dachte mir: Da will ich rein“, sagt Peter Köhnke, der Leiter des Stadtarchivs. Das wird möglich, weil die Eheleute die „Gewers-Haus-Stiftung“ gegründet haben, die unter dem Dach der Bürgerstiftung Elmshorn läuft. Das Stiftungskapital ist die Immobilie, die über die Geschäftsfläche im Erdgeschoss und vier Wohnungen verfügt. Eine davon wird weiterhin von den Eheleuten mietfrei bewohnt.

Die Stadt zahlt keine Miete für die Geschäftsfläche

Die übrigen Mieteinnahmen fließen in die Instandhaltung des Gebäudes. Die Stadt als Nutzer der Geschäftsfläche zahlt ebenfalls keine Miete, trägt lediglich die Betriebskosten. „Auf diese Weise kann etwas Neues entstehen“, sagt Bengta Reich vom Vorstand der Bürgerstiftung. Sie hoffe, dass dieser Fall Schule macht und weitere Elmshorner sich mit Stiftungsideen an die Bürgerstiftung wenden. Stifter Herbert Gewers ist überzeugt: Dank des Konstrukts „ist der Fortbestand des Hauses, das ich nicht verkaufen wollte, auf Jahrzehnte gesichert“.

Im September soll der Umbau der Geschäftsfläche starten, die künftig als Verwaltungsfläche genutzt wird. Im vorderen Bereich am Schaufenster entstehen die Arbeitsplätze für Mitarbeiter und Besucher, dahinter wird ein Besprechungsraum abgetrennt, es folgt im hinteren Bereich der Magazinraum für das Archiv . Ein Stillarbeitszimmer sowie ein 70 Quadratmeter großer Lagerraum komplettieren das neue Stadtarchiv.

Erhöhen sich nun die Besucherzahlen des Stadtarchivs?

„Wir verbessern uns riesig“, freut sich Archivleiter Köhnke. Er geht davon aus, dass sich auch die Besucherzahlen stark erhöhen werden. Bisher wagten sich 500 bis 600 Elmshorner pro Jahr in den Archivkeller. „Es war nicht vorgesehen, das Stadtarchiv ins neue Rathaus umzusiedeln“, sagt die zuständige Amtsleiterin Rita Schliemann. Die Mitarbeiter wären im Keller der Weißen Villa geblieben, wenn nicht Herbert Gewers gekommen wäre. „Die Stadt wurde ein bisschen zu ihrem Glück gezwungen“, sagt Bürgervorsteher Andreas Hahn. Die Kommunalpolitiker seien sich einig gewesen, knapp 400.000 Euro für die Umbaukosten im Haushalt bereitzustellen.

Der Förderverein mit seinen 70 Mitgliedern, das betonen die Vorstandsmitglieder Sönke Kehrhahn und Arno Freudenhammer, wird eine Summe von 40.000 Euro für die Anschaffung einer neuen Rollcontaineranlage bereitstellen. Die Stadt sucht bereits nach einem Umzugsunternehmen, das den gesamten Archivbestand vom alten zum neuen Standort transferiert. Möglicherweise im Februar 2021 könnten der Umbau der alten Ladenfläche und der Umzug des Archivs abgeschlossen sein. Dann hat Elmshorn ein großes Stadtarchiv in bester Innenstadtlage – und damit den meisten anderen Städten in Schleswig-Holstein einiges voraus.