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Wie in 24 Stunden ein Kunstwerk entsteht

Konzeptkünstler Thomas Judisch ist einer der Stipendiaten des Pavillonstipendiums des Kulturwerks Schleswig-Holstein.

Konzeptkünstler Thomas Judisch ist einer der Stipendiaten des Pavillonstipendiums des Kulturwerks Schleswig-Holstein.

Foto: Joana Ekrutt / HA

Sechs Künstler erhalten das Pavillonstipendium des Kulturwerks. Ihre Arbeiten werden im Oktober ausgestellt.

Pinneberg. 24 Stunden, 12,5 Quadratmeter: Das sind die Rahmenbedingungen für das vom Kulturwerk Schleswig-Holstein ausgeschriebene Pavillonstipendium – das nach eigenen Angaben kleinste Stipendium der Welt. Während der Sommermonate haben die Stipendiaten einen Tag lang Zeit, sich im Pavillon der Kunstremise am Pinneberger Fahltskamp inspirieren zu lassen und ein Kunstwerk zu erschaffen, das in einer gemeinsamen Stipendiaten-Ausstellung im Oktober gezeigt wird.

Rund 30 Bewerbungen gingen in diesem Jahr beim Kulturwerk ein, von denen eine Jury sechs Künstler für das Mini-Stipendium auswählte. Einer von ihnen ist der in Dresden und Bad Bramstedt lebende Konzeptkünstler Thomas Judisch. Was ihn dazu bewogen hat, sich zu bewerben? „Der Pavillon ist ein ganz spezielles Gebäude, und das Stipendium bietet die Chance, mit einem gewissen Honorar in kurzer Zeit etwas Neues zu entwickeln.“

Jeder Stipendiat erhält 300 Euro und 24 Stunden Zeit

300 Euro, die sich aus Spenden und Fördergeld zusammensetzen, erhalten die Stipendiaten in diesem Jahr. Ob der Ort zum ungestörten Arbeiten oder zur Kontemplation genutzt wird oder um 24 Stunden Mußezeit zu haben, ist dabei den Stipendiaten selbst überlassen, heißt es in der Ausschreibung.

„Bislang haben aber alle sehr konzentriert und zielgerichtet gearbeitet“, sagt Marion Inge Otto-Quoos, in Anlehnung an ihre Initialen besser bekannt als Künstlerin Mioq. Als Vorsitzende des Kulturwerks und Begründerin der Kunstremise hat sie das Projekt mit ins Leben gerufen. In diesem Jahr wurde das Pavillonstipendium bereits zum dritten Mal ausgeschrieben. Die Juryzusammensetzung wechselt dabei jährlich. „Die Kürze der Zeit macht es für jeden Künstler möglich, sich zu bewerben“, betont Mioq. „Unabhängig von der familiären oder finanziellen Situation.“

Die Themen können frei gewählt werden

Das eingereichte Thema kann sich sowohl auf den Pavillon im Garten der Kunstremise beziehen als auch frei gewählt sein. „Ich wollte vom Pavillon inspiriert etwas kreieren, was dann auf der Wiese davor platziert werden kann“, sagt 24-Stunden-Stipendiat Judisch. Der Corona-Lockdown zwang den studierten Bildhauer jedoch dazu, seine Ursprungsidee noch einmal zu überarbeiten. „Ich wollte eine keramische Bodenarbeit machen, dabei müssen aber die Trocknungs- und Brennprozesse eingehalten werden.“

Da ihm auch die Historie des weißen, reetgedeckten Pavillons von 1840 – ein Geschenk der dänischen Königin Caroline Amalie von Augustenburg an ihre Freundin Amalie Jessen, die das Bürgerhaus einst bewohnte – im Kopf geblieben war, modifizierte er seine eigentliche Idee. „Bei meinem ersten, kurzen Besuch habe ich im Pavillon einen Zaunkönig entdeckt“, erinnert sich Judisch. Aus der doppelten Königsmetapher gepaart mit dem Zaun als Symbol sei die Idee entstanden, den öffentlichen Raum mit einem weißen Zaun abzusperren, um eine Idylle herzustellen.

Stipendiat: „Der Ort bietet eine experimentelle Plattform“

„Dazu errichte ich im Vorfeld ein Achteck analog zum Grundriss des Pavillons.“ Den passenden Zaun entdeckte er noch am Tag der Anreise auf Ebay Kleinanzeigen. „Ich bin morgens zu einer Baustelle in Pinneberg gefahren und habe ihn mit abgebaut.“ Auch die weiße Farbe des Zauns sowie der grüne Rasen finden sich in den Außenwänden des historischen Pavillons wieder. Die Rasenfläche innerhalb des Zaun-Achtecks soll bis zur Ausstellung nicht mehr gemäht werden.

„Dadurch entsteht Wildwuchs. Zusammen mit der Patina des Zauns wirkt es so, als stamme dieser aus einer anderen Zeit.“ Eine weitere Analogie zum Pavillon. Vom Ausstellungsort ist Judisch, der in seiner Kunst viel mit Täuschungen arbeitet, begeistert. „Es ist sehr schön hier, und ich mag Orte, die eine experimentelle Plattform bieten, an denen man sich ausprobieren darf.“

Künster lernen sich erst bei der gemeinsamen Ausstellung kennen

Mit seiner Idee ist der 39-Jährige der erste Künstler, der den Innenraum des Pavillons verlässt und sein Kunstwerk nach draußen verlagert. Die 24 Stunden, in denen ihm der Pavillon offen steht, nutzt er nicht ganz aus. Im Gründungsjahr des Pavillonstipendiums habe es hingegen auch Künstler gegeben, die im Pavillon übernachtet haben, weiß Mioq. Die meisten halten sich jedoch wie Judisch tagsüber im Garten der Kunstremise auf, um sich von dem temporären Ausstellungsraum inspirieren zu lassen.

Bis auf wenige Ausnahmen lernen die Künstler sich erst bei der Ausstellung im Oktober kennen. Für Judisch ein weiterer Höhepunkt: „Es wird spannend zu sehen, was die anderen gemacht haben.“