Pinneberg

Zwei Jahre nach Schlägerei: Neun Personen angeklagt

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

In Pinneberg waren 2018 Mitglieder zweier türkischer Großfamilien mit Messern und Baseballschlägern aufeinander losgegangen.

Pinneberg.  Fast zwei Jahre nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung zweier türkischen Großfamilien in Pinneberg hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen. „Wir haben in dieser Sache vier Anklagen erhoben“, bestätigt Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Insgesamt neun Personen würden sich zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht verantworten müssen.

Es waren tumultartige Szenen, die sich am Abend des 8. August 2018 an der Richard-Köhn-Straße abspielten. 30 bis 40 Personen gerieten gegen 19 Uhr auf Höhe der Grund- und Gemeinschaftsschule aneinander, es wurden Baseballschläger und auch Messer eingesetzt. Die Bilanz: Zwei Personen wurden durch Messerstiche schwer, drei weitere leicht verletzt. Ein sechster Beteiligter erlitt einen Herzanfall.

Als die erste Streifenwagenbesatzung eintraf, schlugen zehn Personen massiv aufeinander ein. Dabei wurden nicht nur die Fäuste, sondern auch Schlagwerkzeuge wie Baseballschläger benutzt. Mindestens ein Beteiligter war auch mit einem Messer bewaffnet. Noch bevor die Beamten Verstärkung herbeirufen konnten, erschienen weitere Familienangehörige vor Ort, die ebenfalls in die völlig eskalierte Auseinandersetzung eingriffen.

Daraufhin schickte die Leitstelle alle im Kreis Pinneberg verfügbaren Streifenwagen zur Richard-Köhn-Straße. Außerdem wurden weitere Kräfte aus dem Kreis Segeberg und auch aus Hamburg angefordert, um die Lage in den Griff zu bekommen. Insgesamt waren 24 Streifenwagenbesatzungen vor Ort. Auslöser des Geschehens soll ein Streit zwischen den beiden beteiligten türkischen Familien gewesen sein. Eine der Familien stammt aus Hamburg, die zweite aus Pinneberg.

In der ersten Anklage wird einem 53 Jahre alten Halstenbeker Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung vorgeworfen. Er soll sich einem Platzverweis der Beamten widersetzt, einen Beamten geschlagen und sich, bereits am Boden liegend, mit Tritten gegen seine Festnahme gewehrt haben.

Die zweite Anklage betrifft zwei Männer aus Pinneberg sowie einen Hamburger, die 39, 40 und 34 Jahre alt sind. Ihnen wirft die Anklagebehörde gefährliche Körperverletzung vor, weil sie mittels eines gefährlichen Gegenstandes auf eine am Boden liegende Person aus der verfeindeten Familie eingeschlagen haben sollen. Vier Männer aus dieser Hamburger Familie – sie sind 42, 41, 39 und 30 Jahre alt – müssen sich in der dritten Anklage verantworten. Auch hier geht es um gefährliche Körperverletzung, diesmal begangen mittels einem Messer. Angeklagt sind unter anderem Stichverletzungen im Beinbereich.

In der vierten und letzten Anklage geht es um einen 38-jährigen Türken aus Pinneberg. Ihm wird versuchte gefährliche Körperverletzung, Nötigung sowie ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Er soll versucht haben, einen Kontrahenten mit einem Messer anzugreifen, wurde dabei jedoch von den Polizisten gestoppt. Bei dem 38-Jährigen entdeckten die Beamten zudem einen Schlagring, der laut Waffengesetz ein verbotener Gegenstand ist.

Alle vier Anklagen wurden zum Strafrichter am Amtsgericht Pinneberg beziehungsweise zum Schöffengericht der Kreisstadt erhoben. Verhandlungstermine gibt es noch nicht.

Die Ermittlungen waren sehr langwierig, da viele Personen beteiligt waren und die Kripo-Beamten erst einmal herausfinden mussten, wem welcher Tatbeitrag zuzurechnen war. In Elmshorn gab es Ende Juni eine ähnliche Tat auf dem Buttermarkt. Auch im Fall dieser Massenschlägerei steht die Kripo vor langwierigen Ermittlungen.