Kreis Pinneberg

Wie Kinos in der Region die Krise meistern

| Lesedauer: 6 Minuten
Joana Ekrutt
Leere Kinosäle: Kai Bartels betreibt zusammen mit Bernd Keichel die beiden Programmkinos im Kreis Pinneberg.

Leere Kinosäle: Kai Bartels betreibt zusammen mit Bernd Keichel die beiden Programmkinos im Kreis Pinneberg.

Foto: Burkhard Fuchs

Nur 20 Prozent Auslastung erlaubt: Kino-Betreiber fordern Lockerungen der Corona-Regeln – und hoffen auf Hollywood-Blockbuster.

Quickborn/Uetersen. Nicht nur der Corona bedingte Lockdown machte den Kinobetreibern zu schaffen, auch die Wiedereröffnung gestaltete sich aufgrund zahlreicher Auflagen schwierig. Nun keimt jedoch wieder etwas Hoffnung, denn in dieser Woche entschied der internationale Verleiher Warner, dass der Action-Thriller „Tenet“ von Christopher Nolan („Batman“-Trilogie) am 26. August in die europäischen Kinos kommt – noch vor dem Start in den USA. Eine seltene Ausnahme. Und eine, die lange auf sich warten ließ, denn der Erscheinungstermin wurde bereits einige Male verschoben.

„Endlich bekommen die deutschen Kinos einen richtig großen Blockbuster nach dem Shutdown“, sagt Kai Bartels, der das Beluga Kino in Quickborn und das Burg Kino in Uetersen betreibt. Die Freude darüber sei bei den Betreibern groß, denn zuvor hätten sich lediglich ein paar kleinere deutsche und europäische Verleiher getraut, neue Filme in die Kinos zu bringen. Potenzielle Publikumsmagneten wie der Disney-Abenteuerfilm „Mulan“, der im März starten sollte, blieben und bleiben der Leinwand jedoch auf unbestimmte Zeit fern.

Neben fehlendem Nachschub an aktuellen Kassenschlagern machen den Kinobetreibern nach wie vor die strengen Hygienerichtlinien zu schaffen. „Viele unserer Vorstellungen sind ausverkauft“, sagt Bartels. „Allerdings nur mit 20 Prozent Auslastung.“ Denn um den geltenden Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten, müssen ganze Reihen abgesperrt und einzelne Sitzplätze freigelassen werden. Das bedeutet für die Kinos in Uetersen und Quickborn – je nach Konstellation der Haushalte – maximal 40 bis 50 Gäste im jeweils größten Saal. Im kleinsten Saal sogar nur sechs.

Für viele Kinobetreiber ist das nicht mehr nachvollziehbar. Gestützt wird ihre Einschätzung durch eine Untersuchung des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino. Demnach ist die Konzentration der für die Übertragung von Corona-Viren relevanten Aerosole in Kinosälen deutlich geringer als in einem Büroraum. Entscheidende Kriterien: Im Kino wird kaum gesprochen und die Säle werden anders belüftet.

Die Betreiber fühlen sich durch dieses Ergebnis bestärkt. „Wir brauchen mehr Auslastung für die Kinos, um deren Überleben zu sichern“, sagt Bartels. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) spricht sich dafür aus, die Corona-Beschränkungen für Kinos zu lockern, um eine Pleitewelle in der Branche zu verhindern.

„Schlachthöfe haben den Betrieb wieder aufgenommen“, wundert sich Bartels. „Dabei ist in Kinos, Theatern oder bei Lesungen bislang noch nichts passiert.“ Durch ein spezielles Belüftungssystem werde die Raumluft in den Sälen alle 15 Minuten ausgetauscht. „Die Luft kommt immer frisch von draußen. Und im Kino wird ja auch nicht viel geredet.“

Während die Abstandsregeln den Betreibern in Schleswig-Holstein große Probleme bereiten, ist in Nordrhein-Westfalen bereits ein geringerer Abstand zwischen den Kinobesuchern erlaubt. „Wir würden uns von der Landesregierung wünschen, dass sie das Modell aus NRW übernimmt“, so Bartels. Da die Kontaktdaten, die von den Besuchern aufgenommen werden müssen, platzgenau erfasst werden, könne im Falle einer Infektion auch eine lückenlose Nachverfolgung aller Personen im näheren Umkreis gewährleistet werden, betont der Kino-Chef.

Einzig das durchwachsene Sommerwetter spielt den Lichtspielhäusern in die Karten. „Das ist sehr kinofreundlich.“ Ans Schließen denkt Bartels in keinem Fall. „Im Extremfall werden wir es irgendwie bis zum Impfstoff schaffen“, sagt er. „Die Fördergelder aus dem Konjunkturpaket der Regierung helfen uns, die Fixkosten zu decken.“ Das Entscheidende sei jedoch, dass wieder mehr Gäste in die Kinos kommen. Denn trotz der nur maximal 20-prozentigen Auslastung sind längst nicht alle Vorstellungen ausverkauft. Unter der Woche blieben manche sogar gänzlich leer. „Die große Masse ist noch nicht wieder da“, sagt Bartels. „Dafür braucht es aber auch Produktionen, die sie gucken kann.“ Umso mehr werde jetzt auf den Start des Nolan-Films gesetzt. „Der ist wichtig für uns.“

An die Hygieneregeln hätten sich die Besucher indes gewöhnt. „Es ist ja das neue Normal, dass man Abstände einhält.“ Am stärksten würden jedoch die Kinder darauf achten. „Sie sagen ihren Eltern auch mal ‘Du darfst da nicht langgehen, sondern musst hier abbiegen.’“ Auch würden die Gäste dem Hygienekonzept vertrauen. „Das ist wichtig, denn nur wenn sie sich sicher fühlen, kommen sie auch zu uns“, sagt Bartels. „Wir bemühen uns, die maximale Sicherheit für unsere Kunden zu gewähren.“ Das für die Wiedereröffnung strenge Konzept hat somit nach wie vor Bestand und werde nur an die jeweils abgeänderten staatlichen Vorgaben angepasst. So müssten die Daten der Besucher mittlerweile nur noch vier statt sechs Wochen gespeichert werden.

Auch wenn Kinobetreiber Bartels der Zukunft seiner Häuser grundsätzlich positiv entgegenblickt, schlagen die Corona-Folgen aufs Gemüt. „Uns fehlen in diesem Sommer die Familien-Blockbuster.“ Dabei wurden Kinostarts nicht nur verschoben. Der neue 3D-Animationsfilm „Minions“ sei wegen geschlossener Studios in Frankreich gar nicht erst fertiggestellt worden.

„Hochinteressant ist auch die Entwicklung in den USA und China“, sagt Bartels. Denn für internationale Verleiher seien das die interessantesten Märkte. „Für die großen Produktionen wird das Marketing weltweit und nicht in einzelnen Territorien gemacht.“ Und dann ist da noch die Angst vor einer zweiten Welle: „Die Stimmung ist angespannt.“

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