Kreis Pinneberg

AKN-Chef plant kostenloses WLAN und Wasserstoffantrieb

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Burkhard Fuchs
AKN-Geschäftsführer Ulrich Bergmann auf dem Firmengelände der AKN in Kaltenkirchen.

AKN-Geschäftsführer Ulrich Bergmann auf dem Firmengelände der AKN in Kaltenkirchen.

Foto: Burkhard Fuchs

Der neue AKN-Geschäftsführer Ulrich Bergmann will Ersatz für das S21-Projekt – und den Einstieg ins klimaneutrale Zugfahren wagen.

Kreis Pinneberg.  Die AKN mit ihren zurzeit rund 330 Mitarbeitern sei gut für die Zukunft aufgestellt, sagt der neue Geschäftsführer Ulrich Bergmann (54). Er ist seit März im Amt und sagt, die Elektrifizierung der A1-Strecke von Kaltenkirchen nach Hamburg-Eidelstedt über Ellerau, Quickborn, Hasloh und Bönningstedt werde zahlreiche Mitarbeiter binden. Im Auftrag des Landes setzt das Kaltenkirchener Unternehmen das 120-Millionen-Euro-Projekt bis 2025 um.

Wenn die S-Bahn Hamburg diese Linie als S21 übernimmt, plant die AKN im Gegenzug, ein stündliches Expresszug-Angebot auf der A2-Strecke zwischen Norderstedt und Neumünster und wenn möglich bis Kiel anzubieten, so Bergmann. Für die Fahrgäste würde sich so die Fahrtzeit bis Neumünster um zwölf und bis Kiel um 20 Minuten verkürzen. Der Clou: Die Triebwagen sollen abgasfrei mit Wasserstoff-Tanks auf den Zügen fahren. Zudem baut die AKN gerade für 50 Millionen Euro die in den 1980er Jahren stillgelegte Strecke zwischen Kiel und dem Schönberger Strand an der Ostsee wieder aus, die täglich 1700 Fahrgäste befördern soll.

Für die Fahrgäste der A1-Linie wird sich bereits im nächsten Jahr etwas verbessern: In den modernen 14 Lint-54-Zügen, die zurzeit nur auf dieser ältesten AKN-Strecke von 1884 weitgehend entlang der B4 eingesetzt werden, soll möglichst schon im nächsten Jahr kostenloses WLAN angeboten werden.

Der gebürtige Bremer Bergmann kennt sich aus mit kleinen Regionalbahnen. Bevor er zur AKN wechselte, war der Diplomökonom 13 Jahre lang kaufmännischer Leiter der Regiobahn Mettmann, die täglich 23.000 Pendler zur Arbeit oder Schule nach Düsseldorf brachte. Die AKN mit ihren zwölf Millionen Fahrgästen im Jahr sei etwa doppelt so groß, sagt Bergmann, der eine Wochenendehe mit seiner Frau Christiane führt, die weiterhin in Bremen wohnt. Nun sei der Weg nach Hause aber kürzer, sagt Bergmann. „Im August wollen meine Frau und ich jetzt gemeinsam Schleswig-Holstein entdecken.“

Für seine neue Aufgabe hat er sich viel vorgenommen. Vor allem braucht er einen Ausgleich für die 90 Triebwagenfahrer bei der AKN, wenn – wie geplant 2025 - der südliche Teil die Hauptlinie A1 von der S-Bahn betrieben wird. Diese wird einen Großteil der Lokführer übernehmen, es soll „keine betriebsbedingten Kündigungen“ geben.

Mit der Expresszug-Idee von Norderstedt nach Neumünster in 54 und bis Kiel in 76 Minuten gebe es zudem eine gute Alternative. Die Linie A1 würde die AKN ab 2025 nur noch zwischen Kaltenkirchen und Neumünster bedienen. Dafür würde der stündliche Schnellzug auf der A2–Strecke - zusätzlich zu den 64 täglichen Fahrten nach Norderstedt – eine völlig neues Angebot schaffen, das zwischen Norderstedt und Neumünster und wenn möglich bis Kiel zahlreiche Autopendler in die Bahn umsteigen lassen könnte. Zumal mit der emissionsfreien Wasserstofftechnologie, die die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVB) als weltweit erstes Bahnunternehmen seit zwei Jahren in der Regionalbahn zwischen Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude ausprobieren. Damit würde die AKN ein umweltpolitisches Ausrufezeichen in der Branche setzen.

„Wir sind gerade dabei, mit der EVB einen Gesprächstermin abzustimmen, um deren Erfahrungen mit dem Wasserstoffzug zu hören“, erklärt Bergmann. Mit der Landesregierung sei er dabei in enger Abstimmung, die den Ankauf der vier dafür benötigten emissionsfreien Triebwagen mit einem Volumen von etwa 20 Millionen Euro finanzieren und das Projekt genehmigen müsste.

Wenn alles klappt, könnte der Wasserstoffzug bereits 2023 an den Start gehen. Er würde nur noch fünf- statt 17-mal in Norderstedt-Quickborner Straße, Ulzburg-Süd, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und Bad Bramstedt zwischen Norderstedt-Mitte und Neumünster halten. Alternativ wäre auch ein Akku-Zug auf dieser Strecke möglich, der zwischen Ulzburg-Süd und Kaltenkirchen aufgeladen werden müsste.

Die AKN könnte mit diesem Schnellzug-Angebot ganz viele Arbeitspendler abgreifen, die sonst im täglichen Stau auf der A7 in Richtung Hamburg steckenbleiben. Als weitere Qualitätssteigerung sei geplant, möglichst im nächsten Jahr in den neueren Lint-Zügen, die vor allem auf der A1-Strecke fahren, den Fahrgästen kostenloses WLAN anzubieten, kündigt er an.

Beim S-21-Projekt bleibe es aber bei den geplanten elektrisch betriebenen Zügen der S-Bahn, die mit einer noch zu bauenden Oberleitung mit Strom gespeist werden. So sei es im laufenden Planfeststellungsverfahren vorgesehen, das 2021 beendet sein soll. „Die Wirtschaftlichkeit konnte mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,93 nachgewiesen werden, das Projekt ist im Ergebnis volkswirtschaftlich sinnvoll und förderfähig“, heißt es von der Landesregierung. Eine Bürgerinitiative von Anliegern entlang der Strecke wünschte sich auch hierfür Wasserstofftechnologie, die den Bau von Oberleitungen auf ihren Grundstücken überflüssig machen würde.

Der Corona-Lockdown habe auch der AKN erheblichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt, erklärt der neue Geschäftsführer. Bis zu 80 Prozent der Fahrgäste seien wegen der Schulschließungen und dem Homeoffice-Arbeiten weggeblieben. Zwei Millionen Euro habe das der AKN an Einbußen bei den Fahrerlösen beschert. Aktuell würde etwa die Hälfte der Fahrgäste im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit wieder in die Züge steigen. Wenn nach den Sommerferien der Schulbetrieb wieder normal laufe, hofft Bergmann auf schnelle Besserung. Mit der Maskenpflicht in der Bahn hätten die allermeisten Fahrgäste keine Probleme. „Unsere Fahrgäste haben viel Verständnis.“

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