Kreis Pinneberg

Arbeitsmarkt in der Region im „Corona-Schock“

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Ein Schild weist auf die Agentur für Arbeit hin (Symbolbild).

Ein Schild weist auf die Agentur für Arbeit hin (Symbolbild).

Foto: Sina Schuldt / dpa

Mehr als 10.000 Menschen im Kreis Pinneberg waren im Juli arbeitslos, das entspricht 5,9 Prozent.

Kreis Pinneberg. Der Arbeitsmarkt im Kreis hat sich im Juli noch nicht vom Corona-Schock erholt. Die Arbeitslosenzahl stieg um 334 Personen (3,3 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Insgesamt waren damit im Juli 10.384 Menschen aus dem Kreis arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres ein Plus von 25,4 Prozent. Entsprechend hoch ist die Arbeitslosenquote, momentan beträgt sie 5,9 Prozent, vor einem Jahr hat sie bei nur 4,7 Prozent gelegen.

„Der Corona-Ausbruch hat den Arbeitsmarkt ordentlich durchgeschüttelt, er befindet sich auf einem ganz anderen Niveau als zuvor“, sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn. Immerhin entwickele sich die Arbeitslosenzahl aber erstmals wieder saisonüblich – ohne „Corona-Aufschlag“. Kenntemich: „Der Anstieg in den Sommerferien war zu erwarten, fiel sogar etwas geringer als im Vorjahr aus. Ob der Arbeitsmarkt in einen Sink- oder Steigflug geht, hängt vor allem davon ab, wie die Unternehmen ihre Kurzarbeitenden auslasten können.“ Denn vor Neueinstellungen stehe in vielen Betrieben zunächst der Abbau der Kurzarbeit.

Im Juli zeigten weitere 53 Betriebe neu Kurzarbeit für 795 Arbeitnehmer an. Damit seien seit Pandemiebeginn insgesamt schon 3.036 Kurzarbeitsanzeigen für 37.425 Beschäftigte eingegangen. Schwerpunkte lagen im Handel, im Verarbeitenden Gewerbe, im Gastgewerbe, im Bau sowie im Gesundheitswesen.

Regulär melden sich in den Ferien ohnehin mehr Menschen arbeitslos, Einstellungen sind seltener. In diesem Juli meldeten sich demnach 851 Menschen aus einer Beschäftigung ab, 573 aus einer Ausbildung oder Qualifizierung. Von den insgesamt 10.384 Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) im Juli 5.244 Personen, beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 5.140 Arbeitslose registriert.

Vielversprechender sehe es auf dem Ausbildungsmarkt aus. Auch wenn durch Corona bedingte Verzögerungen weniger Ausbildungsstellen als in den Vorjahren gemeldet wurden, seien 1741 Stellen zu besetzen. Demgegenüber haben sich bislang 1515 Bewerber gemeldet. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen waren im Juli immer noch 705 unbesetzt – vor allem im Einzelhandel und im Handwerk.

„Die dramatischen Auswirkungen von Corona auf den Arbeitsmarkt darf durch Versäumnisse bei der digitalen Bildung nicht noch verschlimmert werden“, sagt Nico Fickinger, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord. „Es darf nicht sein, dass in den Bildungsministerien der längst überfällige Digitalisierungsschub ignoriert wird.“ Die Unternehmen täten alles, um so viele Arbeits- und Ausbildungsplätze wie möglich zu erhalten und den Beschäftigten mobiles Arbeiten zu ermöglichen.

In Schleswig-Holstein hat sich die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Juni um 2,1 Prozent (+2.074) auf 98.778 Personen erhöht. „Dieser Anstieg ist saisontypisch, wir sehen aber weiterhin die Auswirkungen durch Corona“, so Arbeitsminister Bernd Buchholz. Die Arbeitslosenquote liegt landesweit bei 6,3 Prozent.

( nib )

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