Kultur

Pinneberg Museum startet zurück in die Zukunft

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Carolin Bertsch

In Pinneberg öffnet das Stadtmuseum nach der Corona-Pause wieder wie gewohnt – mit einem neuen, besonderen Werk von Günther Thiersch.

Pinneberg.  Die Zeit der Beschränkungen ist vorerst vorbei, das Pinneberg Museum öffnet vom morgigen Sonnabend an wieder zu den üblichen Zeiten. Und nicht nur das. Die halbwegs normale Öffnung geht auch mit einem Zuwachs in der Ausstellung einher. Denn ein neues, ganz besonderes Exponat hat Eingang in die Schau gefunden: Das Triptychon von Günther Thiersch (1914 - 1986), dem deutschen Maler, Zeichner und Grafiker, der in Pinneberg gestorben ist.

Das sogenannte Objektbild misst ausgeklappt zwei Meter, ist 80 Zentimeter hoch und 14 Zentimeter tief. Zu sehen sind zwei aus Rohren und anderen technischen Gegenständen gebaute Flügel vor einem Hintergrund mit gemaltem Fenster. Im frisch renovierten Treppenhaus kommt das 1970 entstandene Werk aus Rohren, Schwimmer und Rad mit Kette zur vollen Geltung. Triptychon heißt es, weil es aus drei Teilen besteht: Den zwei Flügeln und der Grundfläche. Werke dieser Art gebe es von Thiersch nur ganz wenige, sagt Museumsleiterin Ina Duggen-Below stolz. Das Exponat wurde dem Museum von privaten Sammlern überlassen.

Nun hängt es an einer Stelle an der Wand, an die man nur mit einem Gerüst kam. Bei der Renovierung des Treppenhauses hat die Museumsleiterin die Gelegenheit ergriffen, damit das Werk von Thiersch an der gewünschten Stelle aufgehängt werden konnte.

Insgesamt besitzt das Museum mehr als 40 Gemälde und etwa 300 Grafiken, Handzeichnungen und weitere Collagen von Thiersch. Angefangen habe alles damit, dass das Haus den privaten Nachlass von Thiersch aufgekauft hätte. „Mit der Zeit hat sich in der Szene herumgesprochen, dass wir Thierschs Werke sammeln“, so Duggen-Below. Vieles sei auch von der Fielmann AG aufgekauft und an das Museum verschenkt worden. Weitere Werke befänden sich aber noch in privaten Sammlungen, da Thiersch schon zeit seines Lebens eine große Fangemeinde besaß.

Seinen Stil bezeichnet man gemeinhin als Magischen Realismus. „Thiersch ist ein besonderer Künstler“, so die Museumsleiterin. Nach seiner Frühpensionierung habe er sich komplett der freien Kunst gewidmet. Besonders hervorzuheben sei, dass er in kurzer Zeit ein sehr großes Werk schuf. Ein Merkmal Thierschs ist sein altmeisterlicher Stil, den er mit technischen Objekten kombiniert. Diese stellt er naturalistisch dar, arrangiert sie aber im anderen Kontext.

Diese Affinität zur Technik lasse sich ganz einfach erklären, so Duggen-Below. Thiersch habe Schiffsbau studiert und sei während des Krieges auch zur See gefahren. Nach dem Krieg machte er dann thematisch eine Kehrtwende und begann ein Studium der Kunsterziehung und Werklehre and der Landeskunstschule in Hamburg. Der Technik ist er aber treu geblieben. Das Grundthema seiner Werke ist die Kritik an Fortschritt und Industrie. „Es reizte ihn und gleichzeitig mahnte er davor“, so die Museumsleiterin. Diese Gegenteiligkeit ist nun im Treppenaufgang zu bewundern.

Das Museum bietet aber auch eine weitere interessante Ausstellung. Diese wurde während der Corona-Zeit schon virtuell eröffnet, nun ist sie in den normalen Öffnungszeiten noch bis zum 8. November zu sehen. Gezeigt werden unterschiedliche Buchausgaben von Sophie Wörishöffer. Die gebürtige Pinnebergerin verfasste unter einem männlichen Pseudonym Jugendromane.

Ihr Debütroman unter dem Titel „Robert des Schiffsjungen Fahrten und Abenteuer auf der deutschen Handels- und Kriegsflotte“ erschien 1876. Das Museum stellt einige Originalausgaben vor, darunter auch die älteste Ausgabe des Debütromanes von 1877. Neben den Buchausgaben werden auch die Illustrationen gezeigt, die der Verlag in Auftrag gab. Jedoch seien die Inhalte und Bilder mit Vorsicht zu genießen, da Wörishöffer gemäß ihrer Zeit vom Kolonialismus geprägt war. „Man muss das sehr kritisch sehen, weil damals natürlich die eurozentrische Sichtweise vorherrschte, was vor allem in den Illustrationen deutlich wird“, sagt Duggen-Below.

Trotzdem ist die erbrachte Leistung von Wörishöffer zu würdigen. Neben Karl May gehörte sie zu den meistgelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts. Genau so wie er, hat auch sie die Länder, die sie beschreibt, nie erreicht. „Sie ist über Altona nie hinausgekommen“ sagt Duggen-Below und lacht. Für die nötigen Informationen bekam sie stattdessen eine Bücherkiste über Flora und Fauna des jeweiligen Landes von ihrem Verlag.

Auch die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte und die Ausstellung zum Nationalsozialismus sind im Museum zu sehen.

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