Kreis Pinneberg

Lust auf einen Sommerabend im Garten der Grünen Kugel?

| Lesedauer: 7 Minuten
Katja Engler
Die Bonsaibuche im Zentrum: Die Grüne Kugel in Bokholt-Hanredder mit dem wunderschönen Garten, der nebenan gelegentlich geöffnet ist.

Die Bonsaibuche im Zentrum: Die Grüne Kugel in Bokholt-Hanredder mit dem wunderschönen Garten, der nebenan gelegentlich geöffnet ist.

Foto: Grüne Kugel

Die Tore des Privatgartens mit vielen Raritäten öffnen sich am kommenden Wochenende. Noch kann man sich anmelden.

Blüten, Sträucher und schöne Bäume sind ihre Leidenschaft, und das Gärtnern liegt diesen Frauen im Blut: Was in der Pflanzenhandlung „Die grüne Kugel“ und dem durch eine Holztür zugänglichen Nachbargarten wächst und gedeiht, haben Andrea Küster (60) und Bettina Michels (46) beschafft – und mit ihnen 19 Mitarbeiterinnen und Gärtner, die allesamt eine Spezialisierung mitbringen. In der „Grünen Kugel“ in Bokholt-Hanredder verschwimmt nämlich das Geschäftliche und das Private, denn Andrea Küster, die direkt daneben wohnt, ist die Tante der Inhaberin Bettina Michels.

Sie arbeitet noch immer in der Pflanzenhandlung mit, die sie früher selbst führte, öffnet aber andererseits ihren daneben liegenden Privatgarten, damit sich die Kunden ihrer Nichte inspirieren lassen können. Innerhalb der Reihe „Kulturlandschaft erleben“, die der Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland ins Leben gerufen hat, bietet die Grüne Kugel am Freitag, 31. Juli, um 17 Uhr eine Sommerabendführung mit kleinem Imbiss an.

Sommerführung mit Imbiss

Die Corona-Pandemie habe Bettina Michels, der Inhaberin der „Grünen Kugel“, viele neue Kunden, viele freudige neue Gesichter beschert. Der Renner, erzählt sie, sei zurzeit das Anlegen eines Hochbeetes. Sie ist gespannt drauf, ob die Virus getriebenen Gartenfans auch dabei bleiben, und wie sie ihren Garten künftig weiter bepflanzen werden.

Im beschaulichen Privatgarten mit Teich findet das Gespräch statt. Währenddessen kann das Auge über Staudenrabatten und eine gliedernde Architektur aus Hecken bis zu einem Teich wandern, an dessen Ufer die Familie von Andrea Küster gern bei gutem Wetter Platz nimmt, wenn im Spätsommer oder Herbst der Feierabend naht. Offiziell ist dieser Privatgarten nur jeden ersten Sonnabend im Monat geöffnet, mit Kaffee, Kuchen und Fachsimpeln unter Gleichgesinnten. Das fällt jetzt wegen Corona aus, aber inzwischen bleibt die Tür eh meistens offen. Auch die Mitarbeiter der Gartenhandlung trinken hier im Freien unterm Dach ab und an zusammen Kaffee.

Anfangs hatten Nichte und Tante, die beide gelernte Blumen- und Zierpflanzengärtnerinnen sind, noch Angst, dass die Anwesenheit von Kunden im Nachbargarten stören könnte. „Sie glauben gar nicht, wie vorsichtig die Leute hereinkommen und wie sehr sie sich freuen, wenn sie bei mir schauen dürfen“, sagt Andrea Küster. So bereichern sich Gartenhandlung und Privatgarten gegenseitig: Andrea Küster freut sich an Gesprächen mit Kunden, von denen sie oft genug Tipps übernimmt. Und Bettina Michels findet, zu ihrer Tante gewandt: „Dein Garten ist eine tolle Inspirationsquelle für Leute, die auf der Suche sind und noch nicht genau wissen, was sie wollen.“ Alle drei Wochen entstehe hier „ein völlig neues Gartengefühl“, das durch den Wechsel der Jahreszeiten und die Blühphasen der Pflanzen entstehe.

Früher, als Bettina Michels noch zur Schule ging, nahm ihre Tante sie manchmal im Bus mit zu einer ihrer Gartenreisen nach Irland, England oder Holland. Denn schon Andrea Küster wollte den engen Rahmen bürgerlicher deutscher Gartenkultur erweitern, der vor 30, 40 Jahren noch darin bestand, in der Mitte Rasen zu sähen und drum herum Koniferen und ein paar Blumen zu pflanzen.

Gartengestaltung: Alles auf Anfang

1979 war sie mit ihrem Mann nach Bokholt-Hanredder gezogen. Anfangs ging es nur darum, das Haus zu renovieren und arbeiten zu gehen, „in den Garten haben wir gepflanzt, was vom Kompost noch zu gebrauchen war“, erzählt Andrea Küster. Eine fröhliche Hühnerschar gackerte übers Grundstück – und dann warf sie „alles in die Waagschale“ und gründete mit ihrer Freundin Hanna Lescow die Pflanzenhandlung „Grüne Kugel“. Das war anfangs so viel Arbeit, dass „mir der Garten irgendwann völlig entglitt. Ich kam nicht mehr an gegen das Unkraut“, erinnert sie sich.

Nochmal gab sie sich dann vor 13 Jahren einen Ruck und schuf mit Hilfe von großem Gerät wieder Platz, um neu anzufangen und einen ganz neuen Garten zu erschaffen. Das damalige Gefühl hat sie mit Kunden gemeinsam, die heute in die Grüne Kugel kommen, wenn sie Großes vorhaben und bei Null anfangen. „Als erstes habe ich eine Bonsaibuche gekauft“, sagt Andrea Küster. Genau in der Mitte wurde sie eingepflanzt. Denn zuerst kämen bei der Anlage eines neuen Gartens die großen Gehölze, weil sie jedem Garten eine Struktur gäben. „Das würde ich mir gut überlegen und darauf achten, dass ich mir etwas Schönes kaufe. Weil mich ein solcher Baum dann ja mindestens 30 Jahre begleiten soll.“

Was sind Känguru-Pfötchen?

„Ja“, pflichtet ihr Bettina Michels bei, „jedes Gebäude braucht einen Hausbaum“. Das ist so ein Gärtnersatz, von dem an diesem regnerischen Nachmittag noch mehr gefallen sind. Wer einen Garten neu anlegen wolle, solle sich vor dem ersten Pflanzenkauf überlegen, wie viel Zeit zur Gartenpflege übrig sei, wofür der Garten genutzt werden solle und – besonders wichtig in kleinen Gärten – wo der Nutzer zu sitzen gedenke, tagsüber und in der Abendsonne.

In der „Grünen Kugel“ hat Bettina Michels, die sich ständig auf Messen nach Neuem umtut und selbst auf Gutshaus-Märkten steht, eine große Fülle an gut gepflegten Gehölzen, Stauden und Rosen zur Auswahl – alles, was das Herz begehrt, so scheint es. Sogar Känguru-Pfötchen aus Australien, denn „wir führen schließlich auch Raritäten“, sagt sie stolz. Der Garten ihrer Tante sei da ein tolles Versuchsfeld. Für eine kleine Insel haarschopfförmiger weidenblättriger Sonnenblumen, für zarte Myrten-Astern oder diverse Formen des Ehrenpreis, deren Blütenrispen sich blau, fliederfarbig oder weiß emporrecken, klein und kompakt oder hoch und ausladend wachsen. Für duftenden Phlox und Staudenfenchel.

Ihr Beet, das alle paar Wochen wieder im neuen Kleid erscheint, hat Andrea Küster Ton-in-Ton gehalten, mit diversen Formen, Blattfärbungen und Strukturen, die wie Gräser sogar im Winter einen schönen Anblick bieten. Manche Pflanzen in Teichnähe blühen länger, die Sonnenaugen-Staude etwa oder der von buschig-frischem Grün unterlegte Kerzenknöterich. Und wenn es ihr nicht mehr gefällt, ist nebenan im Pflanzenhandel ja Wünsch-Dir-Was: Die Auswahl ist groß und hochwertig, die Accessoires zahlreich und geschmackvoll. Darf’s heute etwas mehr sein?

Sommerabend Grüne Kugel Fr., 31. Juli, 17 Uhr, Hauptstr. 43, Bokholt-Hanredder. Teilnahme fünf Euro inklusive herzhaftem Imbiss und Getränken, Anmeldung bis 28. Juli unter Telefon 04123/921125.

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